Wenn es um Zombies geht, dann bekommt man in Filmen meist das hier zu sehen: Eine Handvoll Überlebende schlagen sich durch, wobei sie an fast jeder Ecke Untoten begegnen. Irgendwann gibt es dann noch eine Begegnung mit anderen Überlebenden, die jedoch fast gefährlicher als die Zombies sind. Das ist das Grundmuster von fast jedem Zombiefilm. Es ist im Endeffekt auch das, was in „Ben and Mickey vs. the Dead“ erzählt wird, aber Jeremy Gardner, der nicht nur das Drehbuch geschrieben und es inszeniert hat, sondern auch eine der Hauptrollen spielt, wählte eine Umsetzung, die den Film weit jenseits üblicher Genre-Konventionen verortet.

Er zeigt das Überleben nach der Zombie-Apokalypse als das, was es wohl in erster Linie sein wird: ziemlich langweilig. Denn wenn man erst mal die großen Städte hinter sich gelassen hat, trifft man einfach nicht mehr auf so viele wandelnde Tote.

Ben und Mickey waren früher Baseballspieler. Gute Freunde waren sie nie, aber man kannte sich, und im Angesicht der Zombie-Apokalypse kam man halt zusammen. Beide haben schon einiges überlebt, darunter auch, in einem Haus in Massachusetts Monate lang gefangen zu sein, während die Untoten draußen warteten. Darum will Ben auch nicht mehr in Häusern übernachten. Er weiß, dass ständige Bewegung das Überleben sichert. Zudem ist es sicherer, im Auto zu übernachten, da man dann gleich losstarten kann, wenn es doch mal brenzlig werden sollte.

The Battery - Ben & Mickey vs. the Dead - Ein Independent-Juwel, das zeigt, dass die Zombie-Apokalypse für die Überlebenden reichlich langweilig sein kann

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Ben und Mickey haben die Apokalypse überlebt ... Und nun?
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Mickey wiederum möchte immer noch gerne in Häusern schlafen und so tun, als sei alles normal. Andere Menschen haben sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen, aber dann hören sie einen Dialog über das Funkgerät. Mickey schöpft Hoffnung, weil er glaubt, dass andere Menschen Sicherheit bieten können, doch man erklärt ihm, dass in dieser Gruppe niemand mehr willkommen ist. Damit will Mickey sich nicht abfinden …

Nicht für jedermann

„Ben and Mickey vs. the Dead“ ist ein erfrischend anderer Zombie-Film, aber zugleich auch einer, der die Zuschauer in zwei Lager spalten wird. Dem einen oder anderen wird der Film sicherlich zu langweilig sein, denn wirklich viel passiert hier eigentlich nicht. Jeremy Gardner setzt auf Simplizität, sowohl in der Art der Erzählung, als auch der filmischen Umsetzung. Das macht er schon in der ersten Einstellung klar, als gut zwei Minuten ohne Schnitt vergehen und man nur sieht, wie ein Mann auf einer Veranda wartet.

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Das Horror-Drama erscheint bei uns am 25.04.2014 auf Blu-ray/DVD.
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Auch später setzt Gardner auf eine komprimierte Darstellung und schreckt auch nicht davor zurück, das Finale an einem unglaublich beengten Raum spielen zu lassen – in einem Auto. Dabei setzt er darauf, dass die Phantasie des Zuschauers zu arbeiten beginnt. Er zeigt nicht, was außerhalb des Wagens vor sich geht, die Geräusche erschaffen aber Bilder vorm inneren Auge des Publikums, während man zusieht, wie praktisch nichts im Auto selbst passiert.

Ein atypischer Zombie-Film, der polarisiert. Die einen werden ihn toll finden, für die anderen könnte es spannender sein, Farbe beim Trocknen zuzusehen.Fazit lesen

Das klingt langweilig keine Frage, die Umsetzung ist jedoch gelungen. Wer sich auf die Erzählweise von „Ben and Mickey vs. the Dead“ einlässt, der wird mit einem interessanten Film belohnt, der sich Szenen erlaubt, die man so garantiert noch nie gesehen hat.

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So kommt wirklich niemand zur Ruhe.
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Beweismittel A: Die Szene, in der Mickey im Auto aufwacht, weil eine Zombie-Frau an das Fenster schlägt, da sie zu ihm will. In jedem anderen Film wäre klar, wie die Reaktion ausfällt. Man nimmt eine Waffe und beseitigt die Gefahr. Aber was, wenn man schon lange kein weibliches Wesen mehr gesehen hat? Dann könnte man auf eine Idee wie Mickey kommen …

Zwei gegen die Welt

Im Grunde lebt der Film ganz und gar von Jeremy Gardner und seinem Co-Star Adam Cronheim, der hier sein Debüt gibt. Beide sind recht unerfahren in dem, was sie tun, aber sie bringen eine Authentizität in ihr Spiel, die erfrischend ist. Ein paar andere Figuren gibt es im Verlauf der Geschichte auch, sie bleiben aber an der Peripherie. Wichtiger ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren, das vom Kontrast der beiden lebt.

Mickey ist im Grunde noch ein großes Kind, jemand, der in dieser Welt nicht zurechtkommt, die Kopfhörer aufsetzt, Musik hört und vergisst, dass man jeden Moment sterben kann, wenn man nicht aufmerksam ist. Ben ist das genaue Gegenteil, eigentlich ein Arschloch, aber eines, das weiß, wie man überlebt. Im Endeffekt ergänzen beide sich ganz gut.