Facebook ist das größte Phänomen unserer Zeit. Jeder nutzt es, jeder ist online. Und Andrew Garfield hat es mit gegründet – zumindest im Film „The Social Network“, als Chief Financial Officer von „I am the CEO, bitch“ Mark Zuckerberg alias Jesse Eisenberg. Und nun hat Garfield eine der größten Rollen bekommen, die Hollywood zu vergeben hat. Er spielt Spider-Man.

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Andrew Garfield sieht nicht aus wie der nächste große Hollywood-Star. Er schaut nervös in die Ecke, spielt mit seinen Händen, und wenn wir auch nur entfernt ein Kompliment für seine Arbeit an „The Social Network“ aussprechen, scheint er rot zu werden wie eine Tomate in der kalifornischen Sonne von San Diego. Aber dieser Andrew Garfield hat etwas, was so wenige Schauspieler besitzen: die Gabe, einen rauszureißen aus dieser Hektik-Interviewsituation. Aus dem Lärm der Comic Con, dem ständigen Auf-die-Uhr-Schauen der PR-Lady. Die Möglichkeit, sich mit ihm auf einer Ebene unterhalten zu können. Ein Gespräch mit dem nächsten Spider-Man, der aber genau so gut der Banknachbar in der Uni sein könnte.

gamona: „The Amazing Spider-Man“ erzählt eine ähnliche Geschichte wie der erste Film. Wie, glaubst du, kannst du mehr aus der Rolle rausholen als Tobey Maguire?

Andrew Garfield: Ich vergöttere Tobey Maguire für seine Rolle als Spider-Man und liebe Sam Raimi für seine hervorragende Regiearbeit. Es geht also absolut nicht darum, irgendjemanden toppen zu wollen, vielmehr wollen wir eine neue Facette von Peter Parker zeigen. Eine, die bisher kaum eine Rolle gespielt hat.

gamona: Nun, dass Peter ein Waisenkind ist und von seiner Großmutter aufgezogen wird, wissen wir. Aber im Trailer hatten wir das Gefühl, seine Eltern seien Agenten oder zumindest auf der Flucht. Sein Vater sagt: „Hier bist du sicher“. Klär uns auf...

Andrew Garfield: Sorry, das ist ein großes Geheimnis des Films. Ihr werdet sehen, warum seine Eltern ihn verlassen mussten, und herausfinden, was passiert ist. Außerdem gibt die sehr spezielle Beziehung zu seinem Onkel Ben dem Film richtig Schwung. Mehr darf ich leider nicht verraten, ihr kennt ja Hollywood (er grinst).

The Amazing Spider-Man - Alles auf Anfang: das nächste Filmabenteuer von Spider-Man

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Spidey ist zurück.
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gamona: Was verbindet dich mit der Rolle? Wie viel Spider-Man steckt denn in Andrew Garfield?

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Andrew Garfield: Spidey hat mich quasi mein ganzes Leben lang begleitet, die Comics waren sozusagen das Erste, was ich verschlungen habe, nachdem ich mit fünf Lesen gelernt hatte. Und wie viel steckt von ihm in mir? Extrem viel, und ich glaube, in jedem von uns steckt etwas von ihm. Stan Lee (Erschaffer des Spider-Man-Universums und Chefautor von Marvel, Anm. der Redaktion) hat mal gesagt: „Spider-Man ist so beliebt, weil sich jeder mit ihm identifizieren kann.“ Und ist das nicht so? Wer hat nicht die Comics gelesen, diesen ganz normalen, eher introvertierten Typen kennengelernt, der plötzlich über sich hinauswächst, Muskeln bekommt wie Arnold Schwarzenegger und das Herz einer tollen Frau erobert?

Was ich damit sagen will: Es gibt eine Menge cooler Superhelden da draußen, aber keiner ist so nah dran am Normalotypen, an dir und mir. Nehmen wir Batman? Bruce Wayne ist Milliardär, lebt in einem Schloss und kann sich alles leisten: teure Autos, teure Spielzeuge, die neueste Waffentechnologie. Ein toller Charakter, aber würdest du sagen, er lebt so wie du?

gamona: Selbstverständlich fahren wir auch alle Lamborghini Murciélago LP 640. Besonders unser Chefredakteur...

Andrew Garfield: Haha, genau und das ist der Punkt, warum es so spannend ist, Spider-Man zu spielen. Er ist auf sich allein gestellt. Er hat keinen Waffenkonstrukteur, keine kugelsicheren Panzerfahrzeuge oder Haftminen. Er hat nur seine Spinnfäden und muss auch erst mal lernen, damit umzugehen.

"Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein"

gamona: Im Trailer wird Parker gebissen und die Spinnweben wachsen ihm aus dem Rücken?

Andrew Garfield: Das ist anders als in der alten Filmtrilogie, aber letztlich näher an den Comics dran. In den Comis bekommt Parker durch den Biss nur den Spinnensinn, wird dadurch agiler, beweglicher, schneller. Er entwickelt erst eine Art „web shooter“, die ihm das gezielte Einsetzen von Spinnweben ermöglichen.

gamona: Sprechen wir über Emma Stone, die deine Geliebte Gwen Stacy spielt...

Andrew Garfield: Oho, so einfach ist das nicht. Denk dran, Peter ist eher der einfache, schüchterne Typ und Gwen die heiße Blondine, die eigentlich jeden Typen haben kann. Ich würde sagen: Es ist wie so oft im Leben, Liebe braucht Zeit. Sie mag diesen intellektuellen Touch und diese leicht trottelige Art von Peter. Es ist eine schöne Geschichte, aber auch eine traurige Geschichte mit vielen Missverständnissen. Ihr Vater, ein Captain der New Yorker Polizei, wird getötet und sie findet heraus, dass Spider-Man am Tatort war. Mehr wird nicht gespoilert.

gamona: Warum, glaubst du, hat sich Regisseur Marc Webber für dich entschieden? Es gibt da so eine Legende von einer Szene mit einem Cheeseburger?

The Amazing Spider-Man - Alles auf Anfang: das nächste Filmabenteuer von Spider-Man

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Zum An-die-Decke-Gehen: der neue Spiderman Andrew Garfield.
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Andrew Garfield: Ihr Journalisten findet auch alles heraus (er lacht). Nun, keine Ahnung, wie ich das jetzt sagen soll... ähm, es war so. Es gab ja ein Screen-Casting mit verschiedenen Schauspielern und wir mussten für eine spezielle Szene einen Cheeseburger essen. Marc hat mich einen Burger nach dem anderen essen lassen und sich halb totgelacht. Er meinte immer, ich würde meine Arme so schlangenmäßig bewegen, ein bisschen so, als würden sie autark von meinem Körper arbeiten. Das war es wohl, was ihm gefallen hat, was seiner Meinung nach perfekt zu Peter Parker passt.

gamona: Vielleicht war es auch deine starke Charakterrolle als Co-Gründer von Facebook, der von seinem besten Freund Marc Zuckerberg dreckig hintergangen wird. Wie ist das, erst von allen gelobt zu werden und dann für die Spider-Man-Besetzung doch recht harte Worte von Fans hören zu müssen?

Andrew Garfield: Ich bitte dich, das war die Jesse-Eisenberg-Show. Er hat das Ding gerockt, das coole, nerdige Arschloch einfach brillant gespielt. Ich bin dankbar, dabei gewesen sein zu dürfen. Aber um auf deine Frage zu antworten: Es ist okay, weil ich damit gerechnet habe. Ich bin ein absoluter Spidey-Nerd und ich denke, das ist es eigentlich. Jeder nimmt für sich irgendwie in Anspruch, Spider-Man am besten einschätzen zu können.

Es ist eine riesige Marke, eine riesige Rolle. Die Leute kennen mich nicht, wissen nicht, wie ich drauf bin und wie ich arbeite. Die Kritik zu hören, ist hart und tut sicher auch weh. Aber wenn ich mich richtig erinnere, musste sich Tobey Maguire ähnliche Worte anhören. Und hat nicht auch jeder über Daniel Craig gelästert, weil er nicht Auto fahren konnte? (er lacht).

Du sorry, ich muss los. Danke für das Gespräch.

gamona: Wir danken.