Er habe schon auf ihn gewartet, sagt der alte Terminator zur jüngeren Version seiner selbst, bevor ein mittlerweile 67jähriger Arnold Schwarzenegger zeigen kann, dass er zumindest das am Computer entstandene Replikat seiner 1984er-Kultfigur noch zu vermöbeln imstande ist. In diesem Bild steckt eine große, wenn auch leider nur ironische Wehmut. „Terminator 5: Genisys“ produziert viele solcher Bilder. Weil ihm nichts anderes einfällt, als den eigenen Kinomythos zum Abschuss freizugeben.

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Schlicht ein bisschen albern

Er hat also gewartet, der T-800. Und ist darüber kräftig ergraut. Der Film erklärt das so: Maschinen und deren Endoskelett können nicht altern, ihr zur Tarnung aufgelegtes Gewebe aber schon. Ergibt natürlich keinen Sinn, macht aber erstmal Laune. Denn wichtig ist nur, dass sich das zuletzt arg krisengebeutelte (will heißen: kommerziell angekratzte) Kino-Franchise noch immer auf seinen großen Star verlassen kann. Notfalls eben auch mit einem welken Terminator, der nun auf den Namen „Pops“ hört.

Terminator: Genisys - Fanservice zwischen Wahnsinn und Wehmut

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Kämpfen im Jahr 2029 noch für- statt gegeneinander: Der langweilige Kyle Reese (Jai Courtney) und sein uncharismatischer Sohn in spe, John Connor (Jason Clarke).
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Richtig, Papi. So nennt Sarah Connor (Emilia Clarke) ihren zum widerstandsfähigen Brummbär umfunktionierten Killer aus der Zukunft neuer- wie schlechterdings. Der Terminator ist über einen anderen Zeitstrahl ins Jahr 1973 gereist, hat der kleinen Sarah das Leben gerettet und sie vor mordlustigen Maschinen wie dem T-1000 (Byung-hun Lee) beschützt. Zusammen warteten sie 11 Jahre, bis alles so kommt, wie es im ersten Film einst kommen musste.

Die hier nun jugendfrei (FSK:12!) und damit lediglich einigermaßen sorgfältig nachgestellten Anfangsmomente des Originals werden demzufolge von Zeitparadoxien durcheinander gewürfelt: Sarah weiß bereits alles über die Künstliche Intelligenz Skynet und den Judgment Day, als der von ihrem künftigen Sohn John Connor (Jason Clarke) durch die Zeit geschickte Kyle Reese (Jai Courtney) im Jahr 1984 aufschlägt. Und Sarah weiß ebenfalls, dass sie mit Kyle schlafen muss, um John zu zeugen (was immerhin für eins, zwei müde Witze gut ist).

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Die Zeiten, in denen der Terminator noch irgendjemanden terminierte, sind endgültig vorbei. Jetzt hört er auf den Namen Papi – und grinst.
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Terminator-Papa Schwarzenegger verprügelt derweil sein jüngeres Ich, das man am PC zwar nunmehr besser zurechtmodelliert hat, als dies noch seinem Vorgänger „Terminator: Die Erlösung“ gelingen wollte. Doch können solche digitalen Abziehbilder allzu vertrauter Erscheinungen, wie Schwarzenegger zweifellos eine ist, ihre Herkunft aus dem Uncanny Valley auch weiterhin nicht kaschieren. Es irritiert. Sieht seltsam aus. Und wirkt manchmal schlicht ein bisschen albern.

Man merkt wohl auch schon: Es kann einerseits nicht schaden, James Camerons bahnbrechendes Sci-Fi-Meisterwerk noch einmal aufzufrischen, bevor man sich diesen beschwipst um den eigenen Mythos kreisenden neuen „Terminator“-Film ansieht. Man kann es aber andererseits auch einfach bleiben lassen, denn verständlicher wird die Nach- und Neuerzählung somit noch nicht. Dafür sorgt nämlich ein dritter Zeitstrahl, bei dem selbstverständlich auch wieder alles ganz anders, vor allem ganz bekloppt ist.

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Digitale Wiederauferstehung: Der 1984er-Arnie sieht gegen den graumelierten Jetztzeit-Arnie buchstäblich alt aus (im Hintergrund findet derweil ein Green Day Cosplay statt).
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Verwurstung eines Kinomythos

Sarah und Kyle reisen ins fast gegenwärtige 2017, weil die große Atomkatastrophe jetzt nicht mehr 1997, sondern eben 20 Jahre später stattfinden wird. Der T-800 blieb zurück, sein Körper hat bei den neuen 1984-Ereignissen ordentlich was mitbekommen – weshalb er drei Dekaden lang anonym unter Menschen lebt, sein Gewebe in Ruhe auskurieren lässt (sic) und die beiden Zeitreisenden gemütlich im Jahr 2017 in Empfang nimmt (Spin-off-Potenzial hätte das allemal: ein Terminator auf Erden, der 34 Jahre Zeit totschlagen muss).

Was nun folgt, haben die Trailer zu „Terminator 5: Genisys“ bereits erfolgreich vorweggenommen: Ein aus dem Jahr 2029 zurückgeschickter John Connor betritt die Bildfläche, ist aber plötzlich zum nano-technologischen Menschmaschinenhybrid mutiert und daher neuer Gegenspieler seiner Eltern in spe (über die ödipalen und psychosexuellen Bezugsverhältnisse der „Terminator“-Filme lohnt es sich vielleicht nachzudenken, dieser hier interessiert sich dafür aber keine Spur).

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Endlich nicht mehr die Mother of Dragons, sondern Daughter of Pops: Auch Emilia Clarke hinterlässt als Sarah Conner keinen bleibenden Eindruck.
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John steht nun unter der Fuchtel von Skynet, der seine Machtübernahme durch ein Betriebssystem plant, das 2017 auf allen Smartphones, Pads und sonstigen Geräten der Menschen installiert ist. Spröde Alltagstechnikkritik ersetzt in diesem Film also die bei Cameron einst von uferlosem Militarismus und Atomkriegsangst erzählende Zukunftsparanoia, wobei sich „Genisys“ im Gegensatz zu „Terminator 2“ keine Zeit nimmt, die pessimistische Philosophie der Serie auch mal wirken zu lassen (wenn er ihr schon nichts außer Blödsinn hinzuzufügen weiß).

Fanservice zwischen Wahnsinn und Wehmut – vor allem aber ein Film, der James Camerons Original mit Metallfüßen tritt.Fazit lesen

So lange man das narrative Kauderwelsch nicht mit Komplexität verwechselt, kann man durchaus Spaß haben mit diesem fünften „Terminator“-Film, zumindest während seiner ersten 30 Minuten. Darin stellt er die postmodernen Gags des zweiten Teils (Variationen ikonischer Sprüche, die Umkehrung von Gut-Böse-Rollen und natürlich einen abermals ungelenk zu grinsen versuchenden Schwarzenegger) demonstrativ aus – als sei er stolz darauf, die eigene Kinomythosverwurstung auch noch als Fanservice präsentieren zu können.

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Der Film erscheint am 09.07.2015 in den deutschen kinos.
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Dem 90minütigen Rest aber ist selbst mit irgendeiner Freude am Unernst nicht mehr beizukommen. Sobald Fernsehregisseur Alan Taylor das ästhetisch nachgeahmte Cameron-Terrain verlässt, offenbart sein visueller Stil vor allem Einfallslosigkeit. Actionszenen fehlt es an Intensität, dem digital durchs Geschehen schleudernden Schwarzenegger an Grandezza. Auch seinen pflichtschuldigen „Ich komme wieder“-Satz bringt er allenfalls gequält über die Lippen: Der Terminator taugt hier endgültig nur noch als Witz über sich selbst.

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