Sequels auf die niemand gewartet hat, Teil unendlich. Unerklärlicherweise hat die 2014 erfolgte Wiederbelebung des „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Franchises knapp eine halbe Milliarde US-Dollar an den Kinokassen eingespielt, so dass eine weitere Fortsetzung nicht zu verhindern war. Obwohl der letzte Film ganz von Produzent Michael Bay geprägt war, also von tiefergelegtem CGI-Kleister, dessen eisige Dauerdröhnung einem immer wieder „Gott, bist du B-L-Ö-D!“ ins Gesicht schrie. Popkultur-Nostalgie in ihrer gruseligsten Deformation - was „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ zur Nagelprobe für das ganze Franchise macht: Können die Schildkröten auch ohne die aufgezehrte Vergangenheits-Verklärung auf volle Kinos setzen?

Fast-Food-Blockbuster

Die Antwort: nein – obgleich der zweite Film unter Produzent Michael Bay durchaus besser gelungen ist als der erste Film unter Produzent Michael Bay. Der Unmut der Fans über den Reboot resultiert gewissermaßen in einem weiteren Reboot, der die vier Pizza-Schildkröten, Raphael (Alan Ritchson), Michelangelo (Noel Fisher), Donatello (Jeremy Howard) und Leonardo (Pete Ploszek), mehr ins Zentrum des Geschehens rückt und den Tonfall deutlich lockerer macht. Das Ziel hier war ein leichter Sommer-Popcornfilm, der mit dem zweifellos kindischen Konzept genug Spaß hat, um all den unvermeidlichen Schwachsinn erträglich zu machen. Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows möchte nichts anderes sein als ein Fast-Food-Blockbuster... und scheitert damit auf ganzer Linie.

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Obwohl, nein, nicht auf ganzer Linie, wenn man denn mehr von den grünen Helden sehen möchte, die hier tatsächlich stärker nach vorne treten. Und im Gegenzug die menschlichen Akteure, die sowieso nie mehr als Statisten waren, noch mehr zu lästigen Stichwortgebern degradieren. Megan Fox zum Beispiel wirkt schon fast desinteressiert, so ausdruckslos spult sie ihre „Dialoge“ runter, Tyler Perry als irrer Wissenschaftler Baxter Stockman sondert wilde Grimassen ab und Laura Linney muss einfach die Wette ihres Lebens verloren haben. Eine bedauerliche menschliche Resterampe findet sich hier ein, einzig dafür gedacht, um dem windigen Drehbuch ein paar Anhaltspunkte zu geben. Irgendwann muss Michael Bay endlich mal einen Film machen, der völlig ohne Handlung auskommt und nur noch Explosionen und CGI-Gehampel aneinander reiht.

Kackophonie

Nach „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ zu urteilen, ist dieses Ziel bald nahe, denn wie üblich bei Bay geht es hier um alles und gar nichts. Die Welt steht am Abgrund, Shredder möchte Krang durch ein Portal zu einer anderen Dimension lotsen und die vier Ninja Turtles schlagen dem Ganzen ein Schnippchen. Die ganze Handlung schreit nach globaler Katastrophe, doch im Grunde soll hier einfach nur CGI-Schwerelosigkeit gezeigt werden. Autos fliegen durch die Luft, die Turtles springen todesmutig in die Tiefe, Bullet-Time-Bullets verfehlen KNAPP ihr Ziel und eine destruktive Alien-Invasion erinnert frappierend an Transformers oder The Avengers. Alles für den Moment, Strukturen lösen sich wie selbstverständlich auf.

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TMNT2: Out of the Shadows läuft ab dem 11. August 2016 in deutschen Kinos.
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Natürlich sieht Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows schick aus, aber was soll's, dieses aggressiv dumme und laute Geschliddere über High-Gloss-Oberflächen geht mächtig auf die Ketten. Besonders schrill attackiert hier die Tonspur, die nicht nur unfassbar blöde Witze parat hält, sondern sehr gerne eine Kakophonie aus Explosionen, gebrüllten One-Linern und gnadenlos platten Songs von der Leine lässt. „War, what is it good for?“ Zu absolut gar nichts, ihr lieben Pizza-Schildkröten, weil der Song von Edwin Starr nämlich genauso unhörbar wie euer Ninja-Gehampel unansehbar geworden ist. Niemand erwartet von einem „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Film große Kunst, aber selbst quietschebunter Popcorn-Spaß ist anscheinend keine Option mehr. Die Turtles sind bei leblosem Reißbrett-Quark angekommen. Fast schon erschreckend professionell gemacht, doch genauso völlig egal. Wer hier mal Popkultur ausgemacht hat, darf getrost die schwarze Binde des stromlinienförmigen Ausverkaufs anlegen.