Es gibt Tage im Leben, an denen denkt man sich „Schlimmer geht’s nimmer“ – meint man zumindest. Das Auto gibt den Geist auf, man wird entlassen und daheim erwischt man seinen Partner mit einer Anderen. Genau so ergeht es Melissa McCarthy in „Tammy“. Doch auch der Film vermittelt ebendiesen Gedanken.

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Melissa McCarthy ist in den USA inzwischen ein Mega-Star und vor allem für eines bekannt: Ihre XXL-Maße. So darf sie immer wieder Frauen spielen, deren Pfunde zum Thema von Witzen und der Handlung werden. Sie verkörpert nicht nur die Hauptrolle in der Sitcom „Mike & Molly“, in der sich zwei Übergewichtige kennen und lieben lernen und gemeinsam abnehmen wollen, sondern auch echt schrägere Figuren in diversen Hollywood-Produktionen.

Diese durfte sie zum Beispiel in Komödien wie „Brautalarm“, „Hangover 3“ und „Voll abgezockt“ zum Besten geben. Und da sie sich auf dem Gebiet der „durchgeknallten Dicken“ prächtig versteht, verkörpert die dralle Blondine in „Tammy“ wieder eine solche Rolle. Diesmal spielt sie eine taffe Amerikanerin mit großer Klappe und schlechten Manieren, die sich nicht gerade um ihr Äußeres schert und ihr „Normalo-Leben“ vor sich hinlebt.

Tammy - Voll abgefahren - Melissa McCarthy ist: Dick und Doof

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Der Film läuft bei uns am 03.07.2014 in den Kinos an.
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Unterwegs mit Grandma

Sie jobbt in einer Fast-Food-Kette, in deren schlabbriger, heruntergekommener und farbenfroher Arbeitskleidung sie eher einem übergewichtigen Clown ähnelt. Das Verhältnis zu ihrem Chef ist nicht das Beste, denn Tammy bemüht sich nicht gerade darum, Mitarbeiterin des Monats zu werden. Nachdem sie am Morgen ein Wildtier angefahren hat, das ihr Auto durch die Tat gehörig in Mitleidenschaft zog, kommt sie zu spät zu ihrer Schicht und wird direkt entlassen.

Hier merkt der Zuschauer, dass Tammy keine Frau ist, die sich nicht zur Wehr setzen kann und genau das unbedacht durchzieht, was viele in einer solchen Situation sicher gerne machen würden: Sie bewirft ihren Vorgesetzten mit Ketchup-Tütchen, leckt die frisch zubereiteten Burger ab und fährt mit ihrer Strubbel-Mähne durch die Zutaten.

Packshot zu Tammy - Voll abgefahrenTammy - Voll abgefahren

Doch auch diese Reaktion bringt ihr den Job nicht zurück und so läuft sie frustriert nach Hause, nachdem ihr Auto vollends den Geist aufgegeben hat. Dort erwischt sie ihren Mann beim Fremdgehen – und setzt sich daraufhin selbst auf die Straße. Bei ihrer Mutter findet sie zwar kurzzeitig Unterschlupf, hält es dort aber nicht lange aus – ebenso wenig wie ihre Großmutter (Susan Sarandon), die prompt ihre Tasche packt und zusammen mit Tammy das Anwesen verlässt. Mit einer großen Menge Geld machen sich die beiden mit Omas Auto auf den Weg zu neuen Ufern, ein ungewöhnlicher Roadtrip beginnt.

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Tammy (Melissa McCarthy) und ihre Großmutter Pearl (Susan Sarandon).
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Fettleibigkeit, Lesben und One-Night-Stands

Wer Melissa McCarthy kennt, dürfte wissen, was ihn erwartet: Witze über Dicke, die heiter Niveaulimbo tanzen und absolut schräge Vögel, denen man so in der Wildnis nur selten über den Weg läuft. Nicht nur Tammy ist ziemlich verkorkst, sondern vor allem auch ihre liebe Großmutter Pearl, die nicht nur strenge Alkoholikerin ist, sondern auch zu Drogen und One-Night-Stands nicht nein sagt. So darf man miterleben, wie sich Omi mit ihrem Liebhaber aus der Bar (Gary Cole) auf der Rückbank vergnügt, während Tammy darauf wartet, mit dem Auto ins Motel fahren zu dürfen.

Aber nicht nur Pearl hat mit Earl (ja, wirklich…) eine neue Leidenschaft entdeckt, sondern auch Tammy beginnt für dessen Sohn Bobby (Mark Duplass) zu schwärmen. Und wie es der Teufel so will, begegnen sich die beiden immer wieder: Ob im Knast, auf einer Lesbenparty oder vor dem Motel, wo er nach der durchzechten Nacht Earl abholen möchte, der mit Pearl vergnügt seine kranke Ehefrau betrügt.

Wahnsinn, Melissa McCarthy spielt wieder eine verrückte, alberne, fette Versagerin! Das muss lustig sein! Nicht.Fazit lesen

So treffsicher wie dieser Reim sind die Witze im Film leider nicht. Situationen werden bis zum Erbrechen ausgereizt, so dauert der Überfall aus dem Trailer gefühlte Ewigkeiten – und damit meinen wir jetzt nur den Weg vom Auto zur Eingangstür des zukünftigen Tatorts. Hier legt Melissa McCarthy erst einmal eine übertrieben alberne und gemeint coole Tanzeinlage auf den Asphalt, ein Moment, den man gerne aus dem Drehbuch hätte streichen können.

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Ein Film, den man sich schenken kann.
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Gleiches gilt für spätere Szenen, die einfach nicht enden wollen. Wären hier wenigstens gekonnte Witze verstreut, die die entsprechende Handlung auflockern würden… aber diese sucht man vergebens.

Allgemein hat man das Gefühl, dass in diesem Film nicht wirklich etwas passiert. Die Moral von der Geschicht? Guckt „Tammy“ lieber nicht. Tammy scheint kaum zu verstehen, was in ihrem Leben bislang schief lief, nichts ändert sich zum Schluss für sie, außer dass sie für ein paar Tage mit ihrer Oma ein wenig die Sau rauslassen konnte. Doch hinter all dem steckt mehr Blabla als wirkliche Action oder eine wirklich durchdachte Roadtrip-Komödie.