Als Super Mario Bros. 1993 in die Kinos kam, war der Film die erste Videospiele-Verfilmung Hollywoods. Und hätte weitere geplante Verfilmungen fast schon wieder stoppen können, denn Super Mario Bros. wurde ein gigantischer Flop. Zum 20. Jubiläum gab das Team hinter Super Mario Bros.: The Movie Archive eine spezielle Vorstellung in Los Angeles, bei der einige Verantwortliche ebenfalls zu Wort kamen.

Anfang der 90er-Jahre war Nintendo das Nonplusultra in Sachen Videospiele. NES, das damals neu eingeführte Super Nintendo und nicht zuletzt der Game Boy waren für viele der Inbegriff vom elektronischen Spielzeug. Auch die Maskottchen Mario und Luigi hatten so eine Popularität erreicht, dass sie einfach jeder kannte. Ähnlich wie Nintendos Handheld Game Boy, kam Mario für viele einem Synonym für Videospiele gleich.

Und wie nicht anders zu erwarten war, versuchte auch Hollywood, auf der Erfolgswelle mitzureiten. So sicherte sich das kleine Filmstudio Lightmotive die Rechte an einer Verfilmung, nachdem Lightmotives Roland Joffé dem Unternehmen bei einem Meeting mit dem damaligen CEO Hiroshi Yamuchi versicherte, bei seinem Studio mehr Kontrolle über das Projekt zu haben und ihm versprach, die Merchandising-Rechte behalten zu dürfen.

Mit der Lizenz in der Tasche, versuchte Lightmotive sofort Hollywoods damalige Elite im Bereich Comedy für das Projekt zu gewinnen. Nachdem sowohl Harold Ramis als auch Danny De Vito ablehnten, wobei De Vito auch ursprünglich für die Rolle des Mario vorgesehen war, übernahmen schlussendlich Annabel Jankel und Rocky Morton die Regie. Das Duo konnte Mitte der 80er mit dem TV-Film Max Headroom auf sich aufmerksam machen.

Tom Hanks war ebenfalls für die Rolle des Mario vorgeschlagen und sogar bereits gecastet worden, als das Studio ihn durch Bob Hoskins austauschte, der damals dank Hits wie Falsches Spiel mit Roger Rabbit, Meerjungfrauen küssen besser und Steven Spielbergs Hook ein gefeierter Star war. Die Verantwortlichen glaubten, mit Hoskins einen Hitgaranten an Bord zu haben. Ironischerweise wurde das Aids-Drama Philadelphia mit Tom Hanks in der Hauptrolle, im gleichen Jahr ein großer Welterfolg und Hanks erhielt dafür seinen ersten Oscar.

Für die Rolle des Koopa versuchte man anfangs noch Michael Keaton zu gewinnen, der damals als Tim Burtons Muse in seinen beiden Batman-Streifen und auch in Beetlejuice die Hauptrollen übernahm. Nachdem er ablehnte, klopfte man bei Arnold Schwarzenegger an, doch der wollte 1993 lieber in einem anderen Flop mitspielen: Last Action Hero. So erhielt Dennis Hopper den Zuschlag. Später sagte Hopper über die Produktion: "Dieser Film war ehrlich gesagt ein Albtraum. Da war ein Ehepartner-Regiegespann, die beide totale Kontrollfreaks waren und Entscheidungen nicht vorher miteinander absprachen. Wie auch immer, ich sollte da für fünf Wochen sein, und am Ende war ich 17 Wochen dort. Das war so ein überteuerter Film."

Luigi-Darsteller John Leguizamo schrieb in seiner Biografie, dass er und Hoskins sich regelmässig betranken, um durch die Produktion zu kommen. Sie hätten schon während der Dreharbeiten gewusst, dass der Film nicht gut werden würde.

Und Bob Hoskins antwortete in einem Interview mit The Guardian auf die Fragen, "Was ist der schlimmste Job, den du je gemacht hast?", "Was war deine größte Enttäuschung?" und "Was würdest du rückgängig machen, wenn du könntest?" jeweils mit "Super Mario Bros.".

Einer der größten Kritikpunkte und sicherlich auch mit einer der Gründe, warum Super Mario Bros. floppte, war die totale Entfremdung von der bunten, putzigen Fantasy-Vorlage. Geich mehrere Anläufe unternahm man, ein Drehbuch zu schreiben, welches der Vorlage recht werden könne. Dabei soll das Drehbuch von Tom S. Parker und Jim Jennewein, dem Teams hinter Flintstones und Richie Rich der Spielvorlage am ähnlichsten gewesen sein. Darin wären Mario und Luigi in eine Fantasywelt eingedrungen, die wie die Welt aus Alice im Wunderland ausgesehen hätte, um Prinzessin Hildy aus den Fängen des bösen King Koopa zu befreien. Koopa hätte darin eine echte Echse sein sollen.

Doch der Weggang von Regisseur Greb Beeman und die Verpflichtung von Annabel Jankel und Rocky Morton, machten aus Super Mario Bros. das Elend, das es heute ist.

"Ich konnte wirklich nicht wissen, was für ein Flop er würde, bis der Streifen dann rauskam," so Special Effects Supervisor Vincent Guastini. Schließlich hatten sie Dennis Hopper, John Leguizamo und Bob Hoskins.

Auch Drehbuchautor Parker Bennett witzelt: "Meine eigene Mutter sagte nach dem Screening, dass dies der schlechteste Film sei, den sie je gesehen habe. Man kann keinen Film aus den Mario-Spielen machen. Sie haben einfach keine Story. Sie (Mario & Co.) würden einfach nur über die Leinwand rennen...Wir hatten einfach nicht viel zum Loslegen."

Nicht besonders dienlich waren auch die ständigen Änderungen am Drehbuch, selbst während der laufenden Dreharbeiten. Bennett und Schreibgefährte Terry Runte waren leider nicht in der Lage, eine, den Regisseuren passende Vision zu erschaffen. Und so engagierte man zahlreiche weitere Autoren, die alle in der Suppe rühren durften, sich aber nur die Finger verbrannten und die Suppe versalzten. Am Ende habe man Ed Solomon an Bord gebracht, der dann innerhalb eines Wochenendes eine Fassung schrieb, die zum größten Teil übernommen wurde. Bennett und Runte sorgten dann während der Dreharbeiten immer wieder für geforderte Änderungen am Drehbuch. Schon während der Pre-Production war das Projekt weit über dem veranschlagten Budget hinaus. Am Ende sollte das Projekt über 25 Millionen zusätzliche Dollars kosten.

Auf das völlig vom Spiel entfremdete Design angesprochen, teilt David Snyder, der auch schon das Art-Design bei Blade Runner erschuf, dass er das Spiel zu der Zeit gar nicht kannte. "Ich war am Design des Filmes, basierend auf dem Drehbuch interessiert. Als Designer nimmt man was auch immer im Drehbuch steht und folgt den Beschreibungen des Settings. Wenn es auch nur irgendetwas gegeben hat, das dem Spiel ähnelte, dann war das nur dem Geschriebenen zu verdanken."

Aufgrund der dauernden Änderungen am Drehbuch, musste auch Snyder jedes Mal Bereiche des Sets verändern. "An jedem einzelnen Tag, an dem wir am Set erschienen, arbeiteten wir wahrscheinlich an einem komplett anderen Film. Wir designten etwas und waren schon bei der Hälfte der Arbeit und dann hieß es, 'Wir machen das nicht mehr so'. Dadurch wurde auch das Budget immer weiter ausgeschöpft."

Und fehlendes Budget war es auch, das Chris Woods ermöglichte, ein Studio zu gründen, um die visuellen Effekte bei Super Mario Bros. zu machen. "Ich erhielt die Chance, weil ich die Effekte für weit weniger machen konnte, als andere und ich habe tatsächlich für den Film ein Digital Studio gegründet, damit wir das Ganze für einen Bruchteil dessen machen konnten, das Industrial Light & Magic (Jurassic Park) verlangt hätte...aber es war trotzdem teuer."

Super Mario Bros. war in vieler Hinsicht wegweisend im Bereich visuelle Effekte im Film und konnte sogar eine Oscar-Nominierung für die besten Visual Effects einheimsen.

Ganz und gar nicht wegweisend war dagegen der Umgang mit dem Budget des am Ende rund 50 Millionen Dollar teuren Streifens. Die ständigen Design- und Drehbuchänderungen und Ideen von Jankel und Morton waren am Ende so teuer geworden, dass man das Finale zwischen Mario und Koopa in Umfang und Länge eine Klasse tiefer anlegen musste. "In unserem Original-Finale waren sie auf der Brookly Bridge und lieferten sich dort eine gigantische Action-Schlacht, und wir haben die Twin Towers in die Luft gejagt," so Bennett. "Rückblickend bin ich froh, dass wir das nicht getan haben."

Alles, was man sehen könne, sei eine einzige Blamage. Der ganze Films sei nicht das, was sie sich vorgestellt hatten, nicht das, was auf den Storyboards zu sehen war, nicht das, was gezeichnet wurde und nicht das, was man im Drehbuch verfasste. "Im Grunde sagten sie einfach nur, geht rein und bringt es zu Ende."

Trotz allem sind nicht alle Erinnerungen schlechter Natur. Man habe die Arbeit mit den Stars und das Miteinander genossen. So sagte John Leguizamo in einem Videogruß zum Jubiläum, dass er eine Menge schöner Erinnerungen von den Dreharbeiten habe.

Auch Guastini stimmt dem bei, "Es war die wahrscheinlich unglaublichste Erfahrung in meinem Leben...es war wie im Wunderland."

Hier noch John Leguizamos Videogruß zum 20. Jubiläum von Super Mario Bros mit einigen tollen Anekdoten zum Dreh.