Amüsant, aber enttäuschend. So würde ich denen, die nicht länger auf das Fazit warten können, "Suicide Squad" beschreiben. Aber nicht 'enttäuschend' im Sinne einer liebgewonnen Kindheitserinnerung, die durch ein Hollywood-Reboot verschandelt wurde und auch nicht in einem Rahmen, wo man sein Geld an der Kinokasse zurückverlangt. Nein, der negative Aspekt dieses Films bezieht sich in erster Linie auf verschwendetes Potenzial. Davon hatte dieser Superheldenstreifen nämlich mehr als genug. Viel angefangen hat man damit jedoch nicht …

Suicide Squad - Exklusiver Clip: War das jetzt zum Anheizen gedacht?3 weitere Videos

Das reinste Himmelfahrtskommando

Der kleine, dreckige Bruder des "DC Extended Universe" hat schon heiße Diskussionen angeregt, da war noch gar kein Trailer zu sehen und es gab lediglich Gerüchte, die hier und dort in Umlauf gebracht worden sind. Später fixierten sich viele auf die Neuinterpretation des Jokers – ohne von ihm wirklich viel gesehen zu haben. Und nachdem die ersten Kritiken aus Übersee eingetroffen sind, gab es sowieso kein Halten mehr. Der Erfolg ist damit fast schon gesichert, ob gerechtfertigt oder nicht; denn jeder will wissen, was nun an den Meinungen der plappernden Netzgemeinschaft dran ist.

Die Wahrheit ist weder tief deprimierend noch himmelhoch jauchzend. "Suicide Squad" ist einfach nur eine rasante Action-Komödie, die mit dem gleichen Problemen zu kämpfen hat wie schon "Batman V Superman" vor ihr. DC will Marvel endlich einholen und es ihnen gleichtun. Doch will man nicht genauso lange warten, bis man endlich völlig frei drehen kann. Alles muss schnell erreicht werden und dann in einem bombastischen Feuerwerk zum Finale marschieren. Das steht im starken Kontrast mit der Idee dieses Films an sich und wie er sich in der ersten Hälfte präsentiert.

Suicide Squad - DCs Antwort auf Guardians of the Galaxy?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 5/71/7
Die Rollen sind super besetzt. Es macht einfach Spaß, den Darstellern beim Austoben zuzusehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Trotz abgedrehter Charaktere wie El Diablo (Jay Hernandez), der das reinste Flammeninferno auslösen kann, liegt der Fokus nämlich auf weitaus bodenständigeren Figuren wie Deadshot (Will Smith) und Harley Quinn (Margot Robbie). Das die zwei alles andere als normal sind, ist uns auch bewusst. Doch sie sind menschlicher und weniger fantastisch als viele andere Figuren, an die man die breite Kinomasse erst vorsichtig heranführen sollte.

Entsprechend werden die beiden auch mit viel Screentime versehen. Cool in Szene gesetzt wird jedoch das ganze Pack. Und gerade diese Einführung, das Vorstellen der Protagonisten und das Wechselspiel zwischen ihren Persönlichkeiten macht ungeheuer Spaß. Würde man es ruhig angehen und ihnen einen entsprechenden Gegner geben (Terroristen, menschliche Schurken, oder auch eine dreckige Bombe wie in "Assault on Arkham") – wer weiß? Vielleicht wäre diese Comicverfilmung der Blockbusterhit des Sommers geworden.

Packshot zu Suicide SquadSuicide Squad kaufen: ab 4,46€

Doch wie immer muss man es direkt übertreiben. Gottgleiche Entitäten, der Weltuntergang und riesige Kontrahenten, die gegeneinander ringen. Dagegen wirkt das Selbstmordkommando fast schon überfordert und der Ausgang ist entsprechend wenig zufriedenstellend. Wo der Film im Ansatz und seinen eigenen Regeln unterworfen durchaus Sinn ergibt und durchgehend Spaß macht, wirkt er zur zweiten Hälfte uninspiriert. Als hätte man das beste Football-Team der Welt unter seine Fittiche bekommen, hat aber leider keinen blassen Dunst von diesem Sport.

Suicide Squad - DCs Antwort auf Guardians of the Galaxy?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 5/71/7
Jared Leto drückt dem Joker seinen ganz eigenen Stempel auf, ist aber leider viel zu wenig auf der Bildfläche zu sehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ha, ha, ha, ha, ha!

Das gleiche Problem betrifft viele Szenen, die scheinbar nur aus einer anfänglichen Idee heraus geboren wurden. Ob sich diese sinnvoll in die Geschichte einbetten oder überhaupt logisch erklärbar sind – das sind Fragen, die sich leider niemand beim Dreh gemacht hat. Am Ende bleibt ein Film, dessen erste Hälfte ich sofort wiedersehen könnte. Alles danach ist leider komplett austauschbares Popcornkino; nur mit dem Unterschied, dass einem ständig vor Augen gehalten wird, wie viel besser alles hätte sein können.

Zu guter Letzt noch ein Augenmerk auf den Joker, gespielt von Jared Leto. Leute, es gibt wirklich nicht viel dazu zu sagen, auch wenn ihr gerne und endlos darüber diskutieren könntet. Der Schurke ist keine Hauptfigur und hat zusammengezählt kaum eine Minute auf der Bildfläche. Ihn mit anderen Versionen dieses beliebten Bösewichts zu vergleichen fällt also schon aus zwei Gründen flach: zum einen hatten seine Vorgänger viel mehr Zeit, ihre Version des Clownprinz des Verbrechens auszuleben und zum anderen hat sich der Joker in den letzten Jahrzehnten stets stark verändert.

Spaßige Abendunterhaltung mit viel Action und lockeren Sprüchen, der es jedoch an Ausgewogenheit fehlt.Fazit lesen

Veränderung gehört zu seiner Figur dazu und so kann man schlecht zwei Versionen nebeneinander stellen und sagen: "Der rechte ist besser". Wir bevorzugen ihn vielleicht aus diversen, persönlichen Gründen. Aber das ist Geschmackssache. Jared Leto präsentiert einen modernen Gangster und eine ganz eigene Definition des Charakters. Er spielt ihn gut. Was ich zu sehen bekam, hat mir durchaus gefallen. Das Potenzial, die Möglichkeiten sind gegeben. Was er nun daraus macht, werden wir in den nächsten Jahren zu sehen bekommen.