Der Papa feiert Geburtstag! Ein Jahrzehnt nach Beginn der bitterbösen Comedy-Serie um den fiesen Chef einer Versicherungsabteilung und den Malaisen des Büroalltags, endet „Stromberg“ nun in einem fulminanten Finale. Und was wäre da besser für den größenwahnsinnigen Bernd Stromberg geeignet, als die Eroberung der großen Kinoleinwand? Zum Jubiläum blicken wir zurück auf 10 Jahre „Stromberg“.

Ein neues Format erobert den TV-Markt

Wir schreiben das Jahr 2004. Die fiktive Capitol Versicherung entscheidet sich dazu, ihren Büroalltag von einem Kamerateam dokumentieren zu lassen. „Stromberg“ ist geboren.

Durch diese Herangehensweise wird die Serie um den egozentrischen Chef Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) und seiner Abteilung der Schadensregulierung M-Z dem Genre der „Mockumentary“ zugeordnet. Ein Kofferwort, bestehend aus den englischen Begriffen „(to) mock“ (vortäuschen, verspotten) und „documentary“ (Dokumentarfilm). Somit ist „Stromberg“ eine Parodie auf die beim Fernsehpublikum beliebten Doku-Soaps.

Stromberg - Happy Birthday: 10 Jahre Stromberg

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10 Jahre Stromberg. Wir sagen: "Herzlichen Glückwunsch!".
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Mit der offenen Kamera wird in der Serie auch gerne gespielt, sodass diese auch zum Thema innerhalb der Handlung wird: in ernsten Situationen verweist man das Kamerateam des Raumes (das dann aber hinter Pflanzen oder ähnlichem versteckt weiterfilmt) oder Figuren begrüßen das Kamerateam zum Arbeitsbeginn und verabschieden es zum Ende des Tages.

Um den trashigen Doku-Effekt noch zu verstärken, ließ man die Kameras gerne über die eigentliche Szene hinaus laufen, sodass diese noch um Improvisationen der Darsteller ergänzt wurde. So gucken manche nach einem Interview etwas unsicher in die Kamera, andere fangen an, nervös mit einem Tacker zu spielen und wiederum anderen fiel gegebenenfalls noch ein Nachsatz ein, den sie am Ende zusätzlich reinbrachten.

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Dadurch entstand auch unbeabsichtigte Komik, sodass zum Beispiel mal der Bauch von Bjarne Mädel zu grummeln anfängt oder ein Darsteller aufstoßen muss, was nicht rausgeschnitten wurde, um die Pseudo-Doku realistischer wirken zu lassen.

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"Stromberg - Der Film" startet bei uns am 20.02.2014 in den Kinos.
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Die Stamm-Belegschaft der Capitol

Während manche Charaktere sich von den laufenden Kameras zum Schein verunsichern lassen, springen andere hingegen gerne in den Vordergrund und präsentieren sich entsprechend. Zu denen gehört auch der Protagonist der Serie: Bernd Stromberg.

Der exzentrische Chef mit mangelnder Selbstwahrnehmung und Meister im Schubladendenken versucht alles, um seine Abteilung vor der Kamera gut dastehen zu lassen. Leider hat er die Rechnung ohne seine Mitarbeiter gemacht, allen voran den nervigen Berthold Heisterkamp, der im Zuge seiner Position als Haupt-Mobbing-Opfer im Büro stets nur „Ernie“ genannt wird und sensationell von der bis dato Neuentdeckung Bjarne Mädel verkörpert wird.

Ernie ist ein überaus anstrengender und unangenehmer Mitarbeiter mit diversen Spleens und ein typischer Streber-Nerd: Er wohnt noch bei seiner Mutter, bis diese im Laufe der Serie stirbt und Ernie daraufhin einen Nervenzusammenbruch erleidet. Zudem hatte er noch keine richtige Beziehung und mit zwischenmenschlicher Kommunikation hat er sowieso seine Probleme.

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Bjarne Mädel - Die "Neuentdeckung" aus Stromberg.
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In dieser Hinsicht ähnelt ihm aber auch Bernd Stromberg. Dieser ist zu Beginn der Serie zwar verheiratet, aber Zuhause hängt der Haussegen gewaltig schief. Später bändelt er dann mit der einen oder anderen Kollegin an und verliebt sich sogar in Jennifer Schirrmann (Milena Dreißig), die ab der 3. Staffel zur Abteilung hinzustößt beziehungsweise nach mehrjähriger Kinderpause zurückkehrt.

„Schirmchen“ ist von dem fiesen Chef zwar nicht so abgeneigt wie die anderen Mitarbeiter und spielt immer wieder mit dem Gedanken, die Beziehung zu Stromberg zu vertiefen, doch dieser stapft dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste und macht dem Ganzen dadurch wiederholt einen Strich durch die Rechnung.

Auch mit der Beförderung will es nie so recht klappen. Zwischenzeitlich wird Stromberg sogar zwangsversetzt und entlassen. Aber irgendwie schafft er es immer wieder, wenn auch meist nicht mit fairen Mitteln, zurück in sein Büro und auf den Chefsessel.

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Legendär: Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg.
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Zwischen den Mitarbeitern Ulf Steinke (Oliver Wnuk) und Tanja Seifert (Diana Staehly) läuft es hingegen – zumindest oberflächlich – umso besser. Schnell sind die beiden verliebt, verlobt, verheiratet und möchten eine eigene Familie gründen. Naja. Tanja möchte eine eigene Familie gründen, Ulf ist sich da noch nicht ganz so sicher.

Allgemein weiß er nie so recht, ob er alles so möchte, wie Tanja es plant. Denn der Büro-Clown Ulf hat sich noch lange nicht die Hörner abgestoßen und wirkt immerzu bevormundet und recht unglücklich in seiner häuslichen Situation, sodass er gerne mal mit anderen Kolleginnen flirtet, was Tanja natürlich gar nicht gefällt. Doch die beiden raufen sich jedes Mal zusammen und gehen – dank Tanja – in ihrer Beziehung stets einen Schritt vorwärts.

Nebencharaktere und Handlungsorte

Zur Abteilung gehörte außerdem Erika Burstedt (Martina Eitner-Acheampong), die sich immerzu für die Mitarbeiter einsetzte. Am Ende der dritten Staffel verstirbt Erika allerdings an den Folgen eines Herzinfarktes im Krankenhaus, was für die gesamte Belegschaft ein schwerer Schicksalsschlag ist.

All diese Geschichten spielen sich in den Räumlichkeiten der Capitol-Versicherung ab. Nur ganz selten werden diese, wie zum Beispiel für Erikas Krankenhausaufenthalt, mal verlassen. In der vierten Staffel kommt noch der fiktive Ort Finsdorf hinzu, für den ProSieben zu Promo-Zwecken Werbung schaltete und den Ort als „Juwel der Heide“ anpries.

Auch wurde ein Internetauftritt für diesen Ort eingerichtet und GoYellow stellte einen Ausschnitt der Originalkarte zur Verfügung, auf der die Ortschaft Böddenstedt zu Finsdorf umbenannt wurde. Zusätzlich errichtete man ein fiktives Atomkraftwerk in der Nähe. Die Dreharbeiten fanden im Bornheimer Stadtteil Walberberg statt.

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Ob es im Film endlich zwischen Stromberg und "Schirmchen" funkt?
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Stromberg wird nach erneutem Ärger mit dem Kantinenkoch in das Kuh-Dorf Finsdorf strafversetzt, wo er eine kleine Capitol-Versicherungsfiliale leiten soll. Das hält ihn aber nicht davon ab, immer wieder in den Haupt-Büroräumen vorbeizuschauen, wo Tanja inzwischen seine Position eingenommen hat. Während seiner – nicht gestatteten – Aufenthalte stichelt er gegen Tanja, um seinen alten Job wiederzuerlangen und geht dabei seinen ehemaligen Mitarbeitern auf die Nerven.

Sein Hauptgrund für seine Besuche ist allerdings, dass er Nähe zu Jennifer Schirrmann sucht. Durch seine fortwährende Wiederkehr ins Büro bekommt er Ernies schlechte, psychische Verfassung mit und kann ihm unverhofft daraus helfen.

Neben diesen Hauptfiguren gibt es auch viele wiederkehrende Figuren, vor allem Vorgesetzte von Stromberg wie Tatjana Berkel und Timo Becker. Aber auch Kollegen wie Sinan Turçulu, mit dem Bernd Stromberg stets in Konkurrenz tritt, oder Sabine „Sabbel“ Buhrer und Lars Lehnhoff, sind Personen, die man immer wieder zu Gesicht bekommt.

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"Stromberg - Der Film" ist der krönende Abschluss einer tollen Serie.
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Weltweiter Bürowahn

Die Idee zur Serie entstand 2001 in England. Obwohl „The Office“ das Original ist, mit zwei Golden Globes ausgezeichnet wurde und von ihm viele Ableger erschienen, hielt sich die Mutter der Büro-Dokus nur zwei Jahre, in denen zwei Staffeln mit je sechs Folgen und ein Weihnachtsspezial herauskamen.

In Deutschland wurde daraufhin die Serien-Adaption „Stromberg“ produziert. Es folgten das amerikanische Pendant, das den gleichen Titel wie das englische Original trug und im weltweiten Vergleich mit insgesamt 201 Folgen in 9 Staffeln (2005-2013) vorne liegt, die französische Version „Le Bureau“ von 2006, die sich nur 6 Folgen lang hielt und der kanadische Ableger (2006-2007) mit zwölf Episoden.

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Die amerikanische Version von "The Office" ist wohl das erfolgreichste Format seiner Art.
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Somit hielt sich „Stromberg“ zwar am längsten, aber das amerikanische „The Office“ brachte es auf weitaus mehr Folgen. Das ist vermutlich der tollen Besetzung um Steve Carell, der den Posten des zur Selbstüberschätzung neigenden Chefs einnimmt, und Rainn Wilson, der den schrulligen Parade-Nerd spielt, zu verdanken. Die Serie wurde mit einem einstündigen Serienfinale am 16. Mai 2013 beendet.

Dem setzt „Stromberg“ nun natürlich noch die Krone auf. Während man in Deutschland mehr auf Qualität, als auf Quantität setzte und die Staffeln ab der 2. Season im zwei-Jahres-Rhythmus produzierte, wollten die Macher der vielfach preisgekrönten Comedy-Serie ein Denkmal setzen und brachten das Finale auf die große Leinwand.

Stromberg-Parodie

Den Erfolg der Serie merkt man auch daran, dass die Comedy-Sendung „Switch reloaded“ Stromberg eine eigene Parodie widmete. Die Nazi-Satire „Obersalzberg“ (Anspielung auf Hitlers Feriendomizil und das spätere Führersperrgebiet Obersalzberg) handelt von Adolf Hitler (Michael Kessler), seines Zeichens „Führer Deutsches Reich, Abteilung SS-Z“, der von seinem Bürostuhl aus versucht, den Krieg zu gewinnen.

Dabei gerät er immer wieder mit seinem Vorgesetzten Joseph Goebbels (Peter Nottmeier) aneinander. Des Weiteren werden auch die Stromberg-Rollen Tanja (Martina Hill), Ernie (Max Giermann), Ulf (Bernhard Hoëcker) und Erika (Petra Nadolny) parodiert. In einigen früheren Folgen trat zudem Michael Müller als Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf, der mit giftigen Plätzchen oder einer Bombe in der Aktentasche versuchte, Hitler umzubringen.

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Die Switch-Parodie zu Stromberg: Obersalzberg.
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Die Parodie endet am Ende der vierten Staffel von „Switch reloaded“ mit dem verlorenen Weltkrieg der Deutschen. Hitler verlässt daraufhin den Obersalzberg als Bernd Stromberg verkleidet. Seit der 6. Staffel von „Switch reloaded“ werden die Charaktere für die Parodie von „Goodbye Großdeutschland“ verwendet, in der Adolf Hitler, Ernie und andere versuchen, in Argentinien ein Schnitzelrestaurant zu eröffnen.

Dabei wird der gleiche bitterböse Humor eingesetzt, den Bernd Stromberg im Original gerne mit sexistischen, ausländer- und randgruppenfeindlichen Sprüchen würzt. Obwohl diese oft unter die Gürtellinie gehen, gab es durchweg sehr gute Kritiken für die einzelnen Staffeln und die Fangemeinde wuchs stetig an, wodurch nun auch das große Finale der Reihe realisiert werden konnte.

Von der Serie zum Film: Ein Fanprojekt

Denn dies bedurfte vor allem der Hilfe der Stromberg-Fans. Via Crowdfunding, was Ende 2011 in Deutschland noch weitgehend unbekannt war, sammelte man Geld für die Produktion des Stromberg Kinofilms. Obwohl man sich anfangs gar nicht so sicher war, ob diese Art der Finanzierung auf genug Anklang finden würde, verkauften sich die Crowdfunding-Anteile an der Komödie rasend schnell.

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"Stromberg - Der Film" wurde via Crowdfunding finanziert.
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In nur einer Woche kamen so eine Million Euro für den angekündigten Spielfilm um den Büro-Tyrannen zusammen. Insgesamt haben sich mehr als 3000 Investoren am Projekt beteiligt. Das merkt man auch am Abspann, der wegen allen Crowdfundern, die ab 100 Euro aufwärts springen ließen, ganze 10 Minuten dauert – und das trotz überaus platzsparender Namensnennung am Ende des Films.

Insgesamt gab es fünf Investitionsmodelle: Das Basis-Modell ab 50 Euro belohnte die großzügigen Spender mit einer Investorenurkunde und dem Zugang zur Investors-Lounge, die einen Up-to-date über die Fortschritte des Films hielt. Bronze konnte ab 100 Euro erworben werden und legte dem Basis-Modell die namentliche Nennung im unteren Teil des Kinofilm-Abspanns drauf.

Bei Silber (ab 250 Euro) gab es eine namentliche Nennung im mittleren Teil des Abspanns, bei Gold (ab 500 Euro) rutschte der Name nach oben in der Investorenliste. Die Platinum-Kandidaten, die für 1000 Euro einen Anteil erwarben, erhielten neben einer Top-Position im Abspann zudem zwei Premieren-Tickets.

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So fing alles 2004 an. Und jetzt ist es vorbei.
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Neben diesen Goodies wird man zudem am Erlös durch die Kinotickets beteiligt. „Wenn der Film produziert wird und im Kino läuft, wird die Investorengemeinschaft am Erfolg der Kinoauswertung des Films beteiligt. Dazu wird an die Investorengemeinschaft pro verkauftem Kinoticket ein Teil der Erlöse in folgender Höhe ausgeschüttet:

- 1,00 Euro für jedes verkaufte Kinoticket bei bis einschließlich 1 Million verkaufter Kinotickets
- 0,50 Euro für jedes weitere verkaufte Kinoticket bei über 1 Million verkaufter Kinotickets“

Somit kann man durch seine Investition sogar noch einen Gewinn einfahren, sollte die Komödie gute Besucherzahlen erreichen.

Und das wird sie mit Sicherheit, denn der Film, der scheinbar eine überaus große Fangemeinde besitzt, kann definitiv als Höhepunkt der Serie angesehen werden, wie ihr in unserer Kinokritik nachlesen könnt.