Feen, Elfen und Kobolde bevölkern die Lucasfilm-Produktion „Strange Magic“, die ihre Figuren Liebeslieder aus sechs Jahrzehnten Popmusikgeschichte nachträllern lässt. Der „Star Wars“-Schöpfer soll sich damit einen Herzenswunsch erfüllt haben, für Disney wurde er zum Albtraum: Das Jukebox-Musical gilt als einer der größten Animationsflops aller Zeiten.

Strange Magic - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Völlig unverfroren

Nach groben Motiven aus „Ein Sommernachtstraum“ erzählt das Märchen von einer bevorstehenden Hochzeit im Feenreich. Heldin der Geschichte ist Marianne, die außer der ganz großen Liebe nicht viel im Kopf hat. Eingeführt wird sie mit einem penetrant intonierten Mashup aus Beyoncé und Elvis Presley („Crazy in Love“ / „Can't Help Falling in Love“), zu dem sie ganz beschwippst vor Glück Blumen pflückt.

Strange Magic - George Lucas präsentiert: Star Wars für Mädchen

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Schöne Königstöchter, schöne Prinzen, vor allem eine schön aseptische Welt stehen im Mittelpunkt von „Strange Magic“.
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Leider entpuppt sich Mariannes auserwählter Traumprinz als selbstgefälliger Trottel, den die Königstochter auch noch beim Fremdgehen ertappt. Zusätzlich überschattet werden die zeremoniellen Vorbereitungen vom Sumpfkönig, der in seinem ans Feenreich grenzenden Dunkelwald die Prinzessinnenschwester gefangen hält. Des Bog Kings Ziel ist es, aller Liebe einen Riegel vorzuschieben.

Verübeln kann man ihm das nicht. Zwar geht es in der liebestollen Feenwelt einigermaßen bunt und fröhlich zu, animiert aber ist sie entsetzlich clean: Die romantischen Faxen der Helden könnten aseptischer kaum sein, in der Ausgestaltung der angeblich von Shakespeare inspirierten Handlung orientiert sich der Film zielgruppengerecht an „Tinkerbell“ und „Winx Club“.

In der Schwesternbeziehung und den Sidekicks scheint „Strange Magic“ wiederum Disneys Milliardenhit „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ nachempfunden zu sein, so wie er überhaupt eine einzige Ansammlung hinlänglich bekannter Versatzstücke ist. 15 Jahre soll George Lucas am Film gearbeitet haben, was einen nur wundernehmen kann.

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Der Sumpfkönig und seine Avatar-Fee – nur zwei der verschenkten Figuren des Films.
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American Graffiti mit Feen

Seinem Weltenentwurf fehlt es an scharfen Konturen und liebevollen Details, sehr deutlich auch greift er die Prämisse von „Epic – Verborgenes Königreich“ (2013) auf. Im Dunkelwald des Sumpfkönigs gibt es immerhin einige niedliche Nebenfiguren zu entdecken, seien es tumbe Trolle oder garstige Eidechsen, die sich bezeichnenderweise allesamt die Ohren zuhalten, wenn die Feen zu trällern beginnen.

Unentwegt besingen hier Feen und Elfen eine Magie, die sich auch mit viel Wohlwollen nicht einstellen will. Animationskino zum Abgewöhnen.Fazit lesen

Im Kern ist der von Lucas ersonnene „Strange Magic“ eine märchenhaft überhöhte Variation auf dessen eigenen Musikliebesfilm „American Graffiti“ (1973). Hier wie dort halten Rock- und Pop-Evergreens das Geschehen in Bewegung, scheinen sich die bekannten Songtexte der Handlung anzugleichen – um zu kaschieren, dass es eigentlich der Filmplot ist, der den Gassenhauern hinterherhinkt.

Jukebox-Musicals wie „Happy Feet“ haben diese Methode erfolgreich aufs Animationskino übertragen, bei „Strange Magic“ aber wirkt sie erzwungen. Statt eigener Kompositionen bemüht der Film ausschließlich generisches Fremdmaterial, und seine ästhetische wie inhaltliche Nachgemachtheit findet nicht zuletzt in den mitunter schräg gesungenen Popklassikern allzu schalen Ausdruck.

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Für einige heitere Momente sorgen unterbeschäftigte Sidekicks wie Trolle oder ein niedliches Eichhörnchen.
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Folglich ist an der braven Magie des Films denkbar wenig strange. Sein musikalisches Konzept versichert er gegen die breiteste Form von Publikumszuspruch, der einzige interessante Drehbucheinfall kommt kurz vor Schluss und gönnt den unliebsamen Figuren wenigstens eine hübsche Wendung – wodurch nur umso mehr deutlich wird, dass ebendiese einen besseren Film verdient hätten.

An den US-amerikanischen Kassen spielte „Strange Magic“ zu Beginn des Jahres in über 3000 Kinos gerade einmal 12 Millionen Dollar ein, so wenig wie noch kein derart weiträumig gestarteter Animationsfilm vor ihm. Das kommerzielle Desaster hat er sich leider redlich verdient. Und es dürfte der einzige Moment gewesen sein, an dem Disney die Übernahme von Lucasfilm zumindest kurzzeitig bereute.