Mit „Fuck the Police“ schrie N.W.A. die ganze Wut und die Ohnmacht darüber, als Minderheit in den Ghettos der Willkür weißer Polizisten ausgeliefert zu sein, hinaus in die Welt. Es war nicht die Geburtsstunde des Gangsta Rap, wohl aber ein Höhepunkt, erhielt die Gruppe doch damals ein freundliches Schreiben des FBI mit der Bitte, diesen Song nicht länger aufzuführen. Das adelt, auch und gerade, wenn bei einem Konzert ein ganzes Polizeiaufgebot warnt, diesen Song nicht zu singen. Einschüchtern ließ man sich aber nicht.

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Das ist einer der Höhepunkte von „Straight Outta Compton“, einer filmischen Aufarbeitung dessen, wie sich Ice Cube, Eazy-E und Dr. Dre gefunden haben – und wie ihre Wege sich trennten.

Alles beginnt in Compton, einem Teil von Los Angeles, in dem hauptsächlich Schwarze wohnen. Es ist ein Ghetto, aus dem man nur schwer herauskommt. Für Eazy-E, Dr. Dre und Ice Cube (O’Shea Jackson Jr, der Sohn von Cube, der diesem auch zum verwechseln ähnlich sieht) versuchen es mit Musik. Rap ist an der Ostküste erfolgreich, an der Westküste nimmt er eine andere Gestalt an. Es ist Gangsta Rap. Musik, die vom Leben in der Hood berichtet, davon, wie man als Schwarzer immer wieder Opfer von Polizeigewalt wird, kurz: von dem, was ansonsten eigentlich niemand wissen will.

Straight Outta Compton - Sex, Geld und Knarren - Voll Gangsta!

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Der Film kommt bei uns am 27.08.2015 in die Kinos.
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Doch es kommt, wie es immer kommt, wenn man mit etwas Erfolg hat und das Geld in Strömen hereinkommt. Differenzen ergeben sich, auch und gerade, weil Manager Jerry Haller mehr in die eigene Tasche wirtschaftet, weswegen zuerst Ice Cube und dann auch Dr. Dre aus der Band N.W.A. aussteigen. Sie starten ihre eigenen Solo-Karrieren, und kreisen doch immer wieder umeinander.

Viel Stoff für einen Film

Schießereien und Gewalt sollte man hier nicht erwarten, das ist nicht die Geschichte, die F. Gary Gray erzählen will. Dass es innerhalb der Rapper-Szene auch Tote gab, wird hier nicht weiter thematisiert, auch und gerade, weil die Geschichte abbricht, bevor es zu den ersten Opfern wie Tupac Shakur kommt (der aber hier immerhin kurz vorkommt).

Packshot zu Straight Outta ComptonStraight Outta Compton

Stattdessen konzentriert sich „Straight Outta Compton“ auf die Geschichte dreier Männer. Das Problem ist dabei: Jede einzelne Lebensgeschichte hätte genug für einen Film hergegeben, sie alle in einem zu vereinen, sorgt dafür, dass das Ganze fragmentarischen Charakter erhält.

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Nicht die ganze Geschichte; aber ein guter Einblick.
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Mit dem Komprimieren von Ereignissen und Handlungsabläufen kommt es zu riesigen Zeitsprüngen. Das macht „Straight Outta Compton“ zu einer Art Best-of-Kompilation der damaligen Ereignisse, im Grunde fordert der Film aber auch, dass man schon mit einem gewissen Basis-Wissen über die damalige Rap-Szene in die Geschichte einsteigt. Er bietet all die wichtigen Stationen sowohl von N.W.A. als auch den späteren Solo-Karrieren bis zum Cut-off-Punkt im Jahr 1995. Aber das ergeht sich teilweise in wildem Ritt, wenn Cubes Film „Friday“ in einer winzigen Szene angerissen und sein „Boyz n the Hood“ nur in einem Nebensatz kurze Erwähnung findet.

Andere wichtige Ereignisse wie der Tod von Dres Bruder werden fast en passant abgehandelt. Auch die Reaktionen auf das Rodney-King-Video und die Ausschreitungen nach den Freisprüchen für die weißen Polizisten sind nur vignettenhaft vorhanden – so dass man diese Elemente im Grunde auch hätte weglassen können. Es sind aber speziell die letzten zwei Akte von „Straight Outta Compton“, die wie Stückwerk wirken. Der Anfang ist in sich deutlich homogener.

Die alte Geschichte, wie Ruhm und Erfolg Freundschaften vernichtet.Fazit lesen

Der bessere Weg wäre so wohl eine Miniserie gewesen, da sie es erlaubt hätte, auch in die Tiefe zu gehen. Mehr als das bei knapp 2,5 Stunden filmischer Laufzeit möglich ist.

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Eine Serie hätte dem Stoff besser getan. Schlecht ist der Film aber trotzdem nicht.
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Die Stars produzieren

Da Ice Cube, Dr. Dre und Eazy-Es Witwe als Produzenten fungieren, ist zudem natürlich mit Vorsicht zu genießen, wie akkurat alles wirklich ist. Zwar gibt es Momente, in denen jeder von ihnen nicht gerade in bestem Lichte erscheint, sie sind aber nur selten und sehr sporadisch vorhanden. Wer als einziger wirklich schlecht wegkommt, ist der von Paul Giamatti gespielte Jerry Heller, der die Band managte, sich dabei aber vor allem auf Eazy-E konzentrierte.

Gerade hier steckt aber auch mehr dahinter, als der Film zu zeigen in der Lage ist. Es ist eine komplexe Situation, die hier dramaturgisch leichtfertig aufgelöst wird. Selbiges gilt übrigens für die besonders in der ersten Hälfte häufigen Sequenzen, die zeigen, wie Polizisten sich Schwarze herauspicken und sie ohne Grund schikanieren. Das mag so gewesen sein, wirkt hier aber durch die häufige Wiederholung gebetsmühlenartig.