Kate Beckinsale, Ben Kingsley, Michael Caine, Jim Sturgess, Brendan Gleeson und David Thewlis. Bei solch einer Besetzung erwartet man eigentlich einen Kinostart, aber den gab es für „Stonehearst Asylum“ nicht. Stattdessen findet der Weg direkt den Weg auf DVD und Blu-ray. „Was ist schief gegangen?“, möchte man fragen. Nichts, um der Wahrheit zur Ehre zu gereichen. „Stonehearst Asylum“ ist schlicht und ergreifend nicht die Art Film, der man an der Kinokasse viel zutraut. Vielleicht zu Recht, ist diese sehr freie Adaption einer Geschichte von Edgar Allan Poe doch sehr gediegen, schön erzählt, aber auch alles andere als ein Publikumsmagnet.

Stonehearst Asylum - Official Trailer

Was man zu einer Horrorgeschichte hätte machen können, wird zu einer makaberen Angelegenheit. Ein Psycho-Thriller, der weniger auf den Thrill setzt, als vielmehr auf das Grauen, das ein Gesundheitssystem mit sich bringt, in dem die „Verrückten“ derart behandelt werden.

Stonehearst Asylum - Sind wir nicht alle ein bisschen wahnsinnig?

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Der Film erscheint am 30.01.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Als Edgar Allan Poe seine Geschichte „Das System des Dr. Teer und Professor Feder“ schrieb, da wurden in England die Stimmen laut, die eine Reform des Systems der Irrenanstalten forderten. Die Unmenschlichkeit dieses Systems behandelte Poe in seiner Geschichte. Dem folgt auch der Film, der wie Poe eine Umkehr der Zustände zeigt und damit einen Denkanstoß bietet.

Willkommen im Stonehearst Asylum

Dr. Edward Newgate (Jim Sturgess) stellt sich im Stonehearst Asylum vor. Er möchte dort gerne praktizieren, was dem Leiter Dr. Lamb (Ben Kingsley) durchaus recht ist. Er nimmt den jungen Mann unter seine Fittiche und zeigt ihm die Anstalt, in der Wärter und Insassen Seite an Seite leben. Dr. Lamb propagiert eine andere Art der psychiatrischen Behandlung. Ein Ansatz, den auch Newgate teilt. Im Besonderen ist er jedoch von Eliza Graves (Kate Beckinsale) fasziniert, die ihn schon an seinem ersten Abend drängt, die Anstalt fluchtartig zu verlassen.

Doch Newgate bleibt, nichts ahnend, wie es um die Zustände in Stonehearst wirklich bestellt ist.

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Doktor Salt (Michael Caine) behauptet, der wirkliche Leiter der Anstalt zu sein. Was steckt dahinter?
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Die Normalität des Bizarren

„Stonehearst Asylum“ erzählt eine Geschichte, die heutzutage klischiert erscheint, zu Zeiten von Edgar Allan Poe aber frisch und ungewöhnlich war. Man weiß als Zuschauer zwar, welch Überraschung Dr. Newgate in der Anstalt erwartet, die Art, wie dies gestaltet wurde, ist aber sehr ansprechend.

Der Film baut eine Normalität auf – sofern man dies in der Umgebung einer Anstalt für Geisteskranke sagen kann –, in die immer mehr bizarre Elemente Einzug halten. Der Wahnsinn nimmt immer mehr Überhand, weil man als Zuschauer ebenso wie Dr. Newgate erkennt, was hier gespielt wird.

Das hätte sich leicht eindimensional darstellen lassen, mit einer klaren Schwarzweißzeichnung, aber der entzieht sich der Film völlig. Er stellt das klassische viktorianische System der Verwahrung Geisteskranker mit den Methoden Lambs gegenüber. Die einen tradiert, die anderen unkonventionell. Das Ergebnis spricht jedoch für sich. Das ist der eigentliche Reiz dieses Films, weil er die moralischen Standards des Zuschauers hinterfragt. Man hat eine Ahnung davon, wer gut und wer böse ist, nur um mitten im Film eine Neubewertung durchzuführen.

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Die Rollen werden dabei nicht verkehrt, aus schwarz wird nicht weiß, aus gut nicht böse, vielmehr vermengt sich beides miteinander. Wahnsinn ist allen gemein, in mehr oder minder großem Maß, aber vielleicht ist es, wie Dr. Lamb sagt: "Manche sind einfach nur wahnsinnig genug, sich diesen Umstand auch einzugestehen.".

Exzellent besetzt, äußerst atmosphärisch – anregende Variation von Edgar Allan Poes Geschichte.Fazit lesen

Ben Kingsley spielt Lamb als einen Mann von hoher Ambivalenz. Jemand, den das Grauen des Krieges gebrochen hat, der aber eigentlich nur Gutes will. Und dennoch lauert in ihm auch etwas Gefährliches. Obwohl extrem subtil gespielt, gelingt es Kingsley immer wieder, die innere Zerrissenheit der Figur herauszuarbeiten.