Erst Wolkenkratzer und Flughafen, dann schon New York City und schließlich gar halb Amerika. Jetzt also folglich, hm, äh, Moskau? Als gäbe es in den USA nichts mehr zur falschen Zeit am falschen Ort zu retten, verschlägt es John McClane in „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ nach Russland und später tatsächlich auch nach Tschernobyl. Mit den Ursprüngen der sympathischen Filmreihe hat dieser fünfte Teil kaum mehr etwas gemein.

Yippie-ya-yay, Tschernobyl!?!

Wem bereits die finale Düsenjet-Action in „Stirb langsam 4.0“ ein klein wenig zu viel des Guten war, den wird die neuerliche Entwicklung der Serie noch ratloser machen. Der Ortswechsel korrigiert das Sequel-Prinzip zwar vermeintlich in Richtung Bodenständigkeit, von der klassischen, noch wirklich spürbaren Action der früheren „Stirb Langsam“-Teile ist dieser eher im Bereich von Superhelden-Abenteuern angesiedelte fünfte Film aber weit entfernt.

Bruce Willis gerät hier unverhofft in eine verdeckte CIA-Mission, bei der sein Sohn Jack (Jai Courtney) den russischen Häftling Komarov (Sebastian Koch) vor Gangstern der Unterwelt beschützen soll. Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd quer durch Moskau versuchen McClane und sein Sprössling, den Besitzer einer wertvollen Datei außer Landes zu schaffen, ehe sich das Blatt für sie überraschend zu einer Verschwörung wendet.

Vor genau 25 Jahren noch musste der launige NYPD-Cop McClane im Nakatomi Plaza lediglich eine Handvoll Geiseln vor deutschen Terroristen retten. Vielleicht war es unvermeidlich, ihn getreu steigernder Fortsetzungslogik auch irgendwann eine Bedrohung nuklearen Ausmaßes abwenden lassen zu müssen. Ob es jedoch einen „Stirb Langsam“ gebraucht hat, der offenbar mit „McClane goes Tschernobyl“ gepitcht wurde, darf nach Ansicht dieses Films bezweifelt werden.

Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben - Yippie-ya-yay, Tschernobyl!?!

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McClane ist sichtlich gealtert, aber kaum verletzlich, sondern eine unaufhaltsame Actionwalze.
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So dürfen Vater und Sohn hier Hunderte (!) Autos zerlegen, unter gigantischem Beschuss munter aus dem Fenster eines riesigen Warenhauses springen oder durch mehrere Etagen eines explodierenden mehrstöckigen Gebäudes stürzen. Die Angeschlagenheit des alternden Actionhelden, wie sie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger in ihren letzten Filmen beschworen haben, weicht bei John McClane einer Unzerstörbarkeit bar jeder Plausibilität.

Dabei bestand der Reiz von „Stirb Langsam“ seit jeher in der Verwundbarkeit seines Helden, der nicht nur sichtlich gezeichnet vom ausweglos erscheinenden Kampf allein gegen Terroristen war, sondern dabei auch wirklich literweise Blut verlor. Im zum Markenzeichen der Serie gewordenen One-Liner „Yippie-ya-yay, Schweinebacke!“ (Yippee ki-ay, motherfucker!) spiegelte sich auch das Duell des verletzlichen kleinen Cops gegen eine übermächtige Bedrohung, der erlösende Sieg über die Unwahrscheinlichkeit.

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Wenn McClane hier nun mit lockerer Hand ganz selbstverständlich je nach Bequemlichkeit zu schwerem Waffengeschütz greift und sich hemmungslos durch Steinwände ballert, die Straßen von halb Moskau in Schutt und Asche legt und schließlich einarmig an einem außer Kontrolle geratenen Hubschrauber baumelt, ohne dabei wirklich einer echten (spürbaren) Gefahr ausgesetzt zu sein, hat das wenig mit dem barfüßigen, schwer blutenden Held wider Willen zu tun, der die Serie einst auszeichnete.

Kein würdiger John-McClane-Film

Zwar gaben auch die vorangegangenen Fortsetzungen stückweise die Besonderheiten des Originals von John McTiernan auf, so etwa die Buddy-Elemente mit jedem Teil stärker in den Vordergrund rückten, doch fühlt sich „Ein guter Tag zum Sterben“ nun kaum mehr wirklich nach „Stirb Langsam“ an. Er ist ein gewöhnlicher, halbwegs okayer Bruce-Willis-Film mit Action, etwa wie „16 Blocks“, aber ein würdiger John-McClane-Film ist er gewiss nicht.

Macht die leicht verschnittene Autoverfolgungsjagd durch Moskau noch einigen Spaß, vor allem dann, wenn in die (auch tatsächlich so gedrehten) crashenden Karosserien noch digitale Menschen gepixelt wurden, so bestimmt leider übermäßiger CGI-Einsatz die nachfolgenden Actionszenen. Das Finale ist dann nur noch ein unverhältnismäßiger Green-Screen-Mischmasch, der zudem eher einen kostengünstig getricksten Eindruck macht.

Überhaupt erinnert vieles in „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ an Produktionen, die man eher dem Direct-to-Video-Bereich als einem hochkarätigen Action-Franchise zuordnen würde. Die matschige grün-blaue Farbgebung wirkt geradezu billig, das Bildformat der Vorgänger (2,35:1) wurde auf ein schmaleres 1,85:1 geändert, was bei einem Film dieser Größenordnung ungewöhnlich ist und mitunter Eindrücke hervorruft, die eher an hochwertiges Fernsehen denn dickes Big-Budget-Kino gemahnen.

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Immerhin: Wer die Action nicht mag, findet vielleicht andere Sachen, die Eindruck hinterlassen.
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Willis ist natürlich gut in Form, ihm zuliebe schaut man auch dann mitunter gern zu, wenn der Film immer mehr an Sympathien verliert. Zwischen ihm und Filmsohn Jai Courtney spielt sich jedoch nicht wirklich etwas ab, das jederzeit austauschbare Drehbuch von Skip Woods schenkt ihnen keine besonderen Momente, sondern ist vor allem auf wenig originelle Ratzfatz-Momente bedacht. Der Film läuft übrigens gerade einmal 97 Minuten – also eine halbe Stunde weniger als die Vorgänger.

Lasche Geschichte, schwach getrickste Action: Stirb Langsam 5 fühlt sich kaum nach Stirb Langsam an. Leider nur mit extra dicker Fanboy-Brille einigermaßen genießbar.Fazit lesen

Die Hauptschuld an dieser so enttäuschenden Fortsetzung trägt wohl Regisseur John Moore, der zuvor Meisterwerke des Schreckens wie das hundsmiserable „Omen“-Remake oder die unwürdige „Max Payne“-Kinoadaption drehte. Von allen bisherigen „Stirb Langsam“-Regisseuren er ist der stilloseste, der unsouveränste. Er ist weder solider Handwerker noch augenscheinlich ein Ästhet, sondern wirtschaftet dieses fünfte McClane-Abenteuer beinahe auf das Niveau seiner anderen Regiearbeiten herunter.