Nach den Anschuldigungen von Uma Thurman, Quentin Tarantino habe sie damals bei den Dreharbeiten zu Kill Bill dazu gezwungen, den Wagen selbst zu fahren, mit dem sie verunglückte, meldet sich der Kultregisseur nun selbst zu Wort.

Stars & Sternchen - Quentin Tarantino reagiert auf Uma Thurmans Anschuldigung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Quentin Tarantino und Uma Thurman am Set zu Kill Bill
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bereits im November vergangenen Jahres hatte sich Uma Thurman in der Metoo-Bewegung zu Wort gemeldet. Doch nun setzte sie zum Rundumschlag gegen einige Beteiligte rund um die Weinstein Company an, was auch ihren guten Freund Quentin Tarantino mit einschließt. So gab sie in einem Interview mit der New York Times zu Wort, dass es am Set zu Tarantinos Kill Bill zu einem Unfall kam, an dessen Folgen sie noch heute leidet. Dabei sollte sie für eine Szene einen blauen Cabrio eine Straße in Mexiko entlang fahren. Allerdings habe sie sich unwohl bei dem Gedanken gefühlt und wollte die Szene von einer Stuntfrau machen lassen. Über Instagram postete Thurman die Aufnahme, die den Unfall und die unmittelbaren Momente danach zeigt.

"Quentin Tarantino kam in meinen Wohnwagen", so Thurman, "und wie jeder Regisseur wollte er kein Nein hören. Er war wütend, weil ich sie Geld kostete. Aber ich hatte Angst. Er sagte, 'Ich verspreche dir, der Wagen ist in Ordnung. Es ist eine ganz gerade Strecke.'"

Unter Druck gesetzt habe sie sich dann doch noch dazu überreden lassen, selbst zu fahren, obwohl Team-Mitglieder sie davor warnten, dass der Wagen nicht ganz in Ordnung sei. Dann passierte es: Auf der doch nicht ganz so gerade und sandigen Strecke verlor Thurman die Kontrolle und prallte mit dem Wagen gegen einen Baum. "Ich spürte diesen stechenden Schmerz und dachte, dass ich nie wieder laufen könnte", erinnerte sie sich. Schlimmer noch als das Material, das man ihr 15 Jahre lang verweigerte, sei die Ohnmacht gewesen, sagte sie im Interview, das Gefühl, nur ein Werkzeug zu sein für Tarantino. Das Vertrauen war dahin. Dass er ihr das Material nach so langer Zeit ungeachtet seiner Reputation und seiner Karriere doch noch übergab, und die Tatsache, dass Tarantino "diesen unglücklichen Vorfall schwer bedauerte und bis heute bedauert", rechne sie ihm aber hoch an.

Tarantinos Reaktion

Schwere Anschuldigungen gegenüber Tarantino. Vor allem, da dabei auch behauptet wurde, dass er seine Hauptdarstellerinnen gern mal selbst und möglichst echt malträtiert. Alles für die Kunst. Nun antwortete der Filmemacher auf Thurmans Enthüllung und setzte selbst zum Erklärungsversuch an. Er sei keineswegs wütend gewesen, als er zu Thurman in den Wohnwagen ging, stellte Tarantino klar. "Ich hörte von Production Manager Bennett Walsh, dass Uma Thurman Angst vor der Autoszene hatte. Niemand von uns hatte sie je für eine Stunt-Szene gehalten. Es ging nur ums Fahren. Niemand hielt das für einen Stunt. Vielleicht hätten wir das tun sollen. Ich bin ziemlich sicher, dass ich nicht wütend und nicht in Rage war. Ich bin nicht in Uma Thurmans Wohnwagen gestürzt und habe sie angeschrien, in den Wagen zu steigen. Ich kann mir vorstellen, dass ich mit den Augen gerollt habe und mir dachte, 'Wir haben all das Geld genommen und das Schaltgetriebe des Wagens von Manuell auf Automatik umgerüstet - nur für diese Szene. Jeder, der sie kannte, wusste, dass sie anzuschreien rein gar nichts bringen würde. Das ist eine schlechte Taktik und ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits seit über einem Jahr mit ihr an Kill Bill gearbeitet. Ich würde niemals so reagieren."

Stars & Sternchen - Quentin Tarantino reagiert auf Uma Thurmans Anschuldigung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Quentin Tarantino gemeinsam mit Harvey Keitel bei den Dreharbeiten zu Pulp Fiction
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Stattdessen, so Tarantino, habe er sich selbst in den Wagen gesetzt und sei die Strecke abgefahren, um persönlich sicherzustellen, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. "Uma Thurman hat einen Führerschein. Ich wusste, dass sie keine sichere Fahrerin ist, aber sie hatte einen Führerschein. Als ich die Strecke abgefahren hatte, freute ich mich, denn ich dachte, dass sie es schaffen wird. Ich ging zu ihr und sagte, 'Das schaffst du. Es ist eine gerade Strecke, weiter nichts. Du steigst in den Wagen und fährst von Punkt A nach Punkt B. Alles wird gut.'"

Dann allerdings, weil es schon spät war und die Sonne unterging, entschied das Team, Uma Thurman die Strecke genau andersherum fahren zu lassen als es Tarantino bei der Testfahrt tat. Erst nachdem sie bereits im Krankenhaus war, ging Tarantino die exakte Strecke zu Fuß entlang, um nachvollziehen zu können, wie es dazu kommen konnte. "Ich weiß nicht, wie aus einer geraden Strecke plötzlich eine ungerade werden konnte, aber es war nicht die gleiche Strecke, die sie hätte sein sollen. Da war diese kleine S-Kurve. Und da verlor sie bei 50 Km/h die Kontrolle."

Tarantino machte klar, dass er es sehr bereut. Er und Uma Thurman hatten danach jahrelang eine schwierige Phase voller Streit. Doch die sei nun hinter ihnen. Was jetzt alles ans Licht käme, seien nur Schatten der Vergangenheit.

Der Versuch, Tarantino in den Dreck zu ziehen

Die Anschuldigungen, die hier nun im Fahrwasser des Thurman-Unfalls gegen Tarantino zu nutzen versucht werden, umfassen neben mutmaßlichen Fetisch-Praktiken und Gewalt gegen Frauen auch die Episode bei Inglorious Basterds. Hier soll Tarantino Diane Kruger wirklich haben würgen lassen. Der Regisseur streitet das auch nicht ab, erklärt die Praktik aber mit dem Umstand, dass er wahre Emotionen aus ihr habe kitzeln wollen. "Ich sagte ihr, 'Wenn es nur ein Kerl ist, der seine Hände um deinen Hals legt ohne Druck auszuüben und du einfach nur so einen Todeskampf simulierst, wird es aussehen wie ganz gewöhnliches Film-Würgen'", so Tarantinos Erklärung. Kruger hat ihn im Übrigen über Instagram bereits verteidigt.

Dass Tarantino gerne mal zu unkonventionellen Mitteln greift, um seine Stars aus ihrer Reserve und ihrem sicheren Umfeld zu locken, zeigte auch eine Szene aus The Hateful Eight, in der Kurt Russell nicht wusste, dass er gerade eine echte historische Martin-Gitarre zerschmetterte. Nur Jennifer Jason Leigh war eingeweiht, denn Tarantino wollte die pure Panik in ihrem Gesicht zaubern. Das schaffte er auch, die Szene ist im fertigen Film zu sehen. Leonardo DiCaprio indes verletzte sich bei Django Unchained in einer Szene aus Versehen wirklich seine Hand, blieb aber in character und spielte seinen Part fertig. Das Entsetzen der anderen Darsteller einschließlich Christoph Waltz ist dagegen echt.