Ein Ruck geht durch Hollywood. Nachdem James Gunn alte ausgegrabene Tweets vor über einer Dekade zum Verhängnis wurden, reagieren andere umgehend: Rian Johnson hat über 20.000 Tweets entfernt und Dan Harmon hat seinen Twitter-Account gar komplett gelöscht.

Dan Harmon ist der Co-Schöpfer der Anarcho-Animationsserie Rick and Morty

Der Rauswurf von Erfolgsregisseur James Gunn ausgerechnet bei Guardians of the Galaxy, eine Filmreihe innerhalb des Marvel Cinematic Universe, die er als Regisseur und Drehbuchautor maßgeblich mitgestaltete, sorgte bei Kollegen wie Fans gleichermaßen für Empörung und Fassungslosigkeit. Als Grund für seinen Rauswurf nannte Disney-Boss Alan Horn "Haltungen und Aussagen, die... nicht zu rechtfertigen sind und den Werten unseres Filmunternehmens widersprechen".

Damit meinte er teils über zehn Jahre alte Tweets, die eine rechtspopulistische Seite kurz nach Äußerungen Gunns zu den Verfehlungen des US-Präsidenten Donald Trump ausgegraben hatte und die in letzter Konsequenz zu seiner Kündigung führten. In einer Petition fordern Fans nun, dass Disney Gunn wieder anstellen soll. Bislang haben bereits über 277.000 Leute die Petition unterschrieben. Seit der Kontroverse hat sich Gunn weder über Facebook noch über Twitter weiter zu Wort geäußert, dabei gilt er eigentlich als sehr mitteilungsbedürftiger Filmemacher, der viel auch mit Fans kommuniziert und oft Live-Sessions über Facebook startet. Zu groß ist offenbar die Angst, in weitere Fettnäpfchen zu treten.

Die Angst geht um

Und in eine solche ist nun offenbar auch Dan Harmon, Co-Schöpfer der enorm erfolgreichen Animationsserie Rick and Morty, getreten: Auch hier haben Rechtspopulistische Anhänger sowie 4chan-Mitglieder einen zehn Jahre alten zweiteiligen Sketch über Harmons Twitter-Account ausfindig gemacht, in dem Harmon als Kindervergewaltiger "Daryl" auftritt. Nachdem auch hier von Adult Swim gefordert wurde, Harmon zu feuern, löschte dieser seinen gesamten Twitter-Account und teilte mit: "2009 produzierte ich einen Piloten, in dem die Serie Dexter parodiert wurde. Ich habe schnell gemerkt, dass der Inhalt viel zu geschmacklos war und nahm den Clip offline. Niemand hätte jemals sehen sollen, was ihr sehen musstet und dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen."

Adult Swim reagierte, aber nicht so, wie verlangt, und auch nicht so wie Disney: "Hier bei Adult Swim ermutigen wir dazu, kreative Freiheiten auszunutzen und die Grenzen immer weiter zu stecken, vor allem im Bereich Comedy. Der anstößige Inhalt von Dan Harmons 2009er Video, das kürzlich aufgetaucht ist, demonstriert ein schlechtes Einschätzungsvermögen und spiegelt nicht wieder, was wir hier an Inhalten propagieren. Dan Harmon hat seinen Fehler damals erkannt und sich entschuldigt. Er versteht, dass es keinen Platz hier für derlei Inhalte gibt bei Adult Swim."

Im Gegensatz zu Disney hat Adult Swim also erkannt, dass Humor, so böse und unangebracht er teilweise auch sein mag, immer eine Sache der individuellen Wahrnehmung ist und vor allem, dass sich ein Mensch im Laufe der Jahre auch ändern kann.

Rian Johnson hat über 20.000 Tweets entfernt

Für Harmon ging diese Episode also gut aus. Apropos Episode: Auch der Regisseur von Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi, Rian Johnson, hat offenbar seine Lehren aus Gunns Rausschmiss gezogen: er löschte über 20.000 alte Tweets. Ob er tatsächlich etwas zu verbergen hatte, sei mal dahingestellt. Sicher ist nur, Rian Johnson ist verantwortlich für eine komplett neue Star-Wars-Trilogie fernab der Skywalker-Saga - eine Gelegenheit, sich endlich von den Fesseln der alten Film komplett zu lösen und tatsächlich neue Wege zu gehen. Da versteht es sich von selbst, dass Johnson es gar nicht gebrauchen könnte, dass eventuell "Anstößiges" zu Tage gefördert wird. Und in den (un-)social networks von heute kann man nie wissen, worüber sich Menschen alles aufregen können/wollen. Eine an sich gefährliche und besorgniserregende Entwicklung, nicht mehr weit entfernt von Gleichschaltung und Misstrauen gegenüber jedem.