Asia Argento, eine der führenden Persönlichkeiten der #MeToo-Bewegung, wurde nun selbst des sexuellen Missbrauchs bezichtigt.

In Asia Argentos Regiedebüt Das Herz ist eine hinterlistige Person spielten sie und Jimmy Bennett Mutter und Sohn

Noch im Mai hielt Asia Argento eine flammende Rede bei Premiere von Terry Gilliams The Man Who Killed Don Quixote im Rahmen der Abschlusszeremonie des Filmfestes in Cannes. Sie sei 1997 mit 21 Jahren genau auf diesem Filmfest von Harvey Weinstein vergewaltigt worden. Für den einstigen Filmproduzenten sei Cannes ein regelrechtes Jagdgebiet gewesen, so die Tochter des italienischen Horror-Experten Dario Argento. "Harvey Weinstein ist hier nie wieder willkommen. Er wird in Schande leben, von der Filmgemeinschaft gemieden, die ihn einst mit beiden Armen umarmte und seine Verbrechen gedeckt hat."

In der #MeToo-Debatte im Zuge des aufgedeckten Skandals um Harvey Weinstein, im Laufe dessen weitere einflussreiche Hollywood-Akteure wie Kevin Spacey des sexuellen Übergriffs überführt wurden, galt Argento als eine der größten Fürsprecherinnen und Anführerinnen der Bewegung. Nun wurde bekannt, dass Argento selbst einen minderjährigen Darsteller vergewaltigt haben soll. Dabei handelt es sich um Jimmy Bennett, der 2004 als Siebenjähriger in Argentos Regiedebüt Das Herz ist eine hinterlistige Person ihren Sohn spielte. Der Film feierte seine Premiere ausgerechnet ebenfalls in Cannes und handelte unter anderem von Kindesmissbrauch. Nach dem Film blieben die beiden in Kontakt, bezeichneten einander über soziale Netzwerke sogar als Mutter und Sohn. Im Mai 2013, als sie sich nach langer Zeit wieder treffen sollten, kam es in einem Hotelzimmer im Ritz-Carlton zum sexuellen Übergriff: Argento soll dem damals erst 17 Jahre alten Bennett erst Alkohol gegeben haben, woraufhin sie erst Oral- dann Geschlechtsverkehr ausübte. Danach bat sie ihn, ein paar Fotos zu schießen. Eines dieser Fotos - ein Close-up ihrer Gesichter - ist sogar auf Argentos Instagram-Account zu sehen. In Kalifornien, wo der Übergriff geschah, liegt das gesetzliche Mindestalter für einvernehmlichen Sex bei 18 Jahren.

Schwere Traumata

Die Vergewaltigung hinterließ ihre Spuren bei Bennett. Hin und hergerissen zwischen seiner Liebe für seine "Mutter" Argento und dem Ohnmachtsgefühl in Bezug auf das, was im Hotelzimmer geschah, stürzten ihn in ein tiefes Loch. Bennett, der vor dem vermeintlichen Übergriff durch seine Filme über 2,7 Millionen Dollar an Gagen kassierte, konnte danach nur noch knapp 60.000 Dollar vorweisen, hauptsächlich durch Auftritte in Serienepisoden statt in Kinofilmen. Ein Trauma, das ihm erst wieder richtig bewusst wurde, als er mitbekam, wie sich Argento gegen Vergewaltiger wie Weinstein aussprach, die ihre Machtposition ausnutzten.

Beide Parteien einigten sich auf eine Summe von 380.000 Dollar, die innerhalb von eineinhalb Jahren an Bennett ausgezahlt werden soll. Diese Zahlung bezeichnet Argentos Anwältin als "Hilfe". Die außergerichtlicher Einigung soll Argento zudem davor bewahren, dass der mittlerweile 22-jährige Bennett, der den finanziellen Schaden durch die Traumata auf 3,5 Millionen Dollar beziffert, sie verklagt.