In letzter Zeit zeigen sich Hollywoods Schauspielerinnen immer kritikfreudiger. Meistens beziehen sich ihre Beschwerden auf das Gagen-Ungleichgewicht oder auf die Altersdebatte. Doch Meryl Streep hat einen völlig neuen Punkt zum Ausschlachten entdeckt: Filmkritiken oder besser gesagt, Filmkritiker. Das Verhältnis zwischen Kritikern und Kritikerinnen sei unausgeglichen und wirke sich stark auf den Erfolg eines Films aus.

Stars & Sternchen - Meryl Streep kritisiert Geschlechterungleichgewicht bei Filmkritikern

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Meryl Streep als Emmeline Pankhurst in Suffragette: Taten statt Worte
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Gerade erst war Hollywood-Star Meryl Streep im Mittelpunkt eines Shitstorms, weil sie für eine wohlmeinende Marketing-Kampagne ein T-Shirt mit der Aufschrift: "I'd rather be a rebel than a slave" trug - "Ich bin lieber eine Rebellin als eine Sklavin". Eigentlich stammt dieses Zitat von Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst, die Streep in ihrem neuen Film Suffragette: Taten statt Worte darstellt. Aber so kontextlos auf einem T-Shirt kann man schon auf andere Gedanken kommen. Richtig, auf die Zeit der Sklaverei während der Kolonisierung im 16. bis 19. Jahrhundert. ein Fauxpas sondergleichen, dabei ist die Streep doch sonst so souverän und tritt kaum in Fettnäpfchen.

Und so wie es aussieht, könnten ihre jüngsten Aussagen ebenfalls in die Kategorie "Stirnrunzeln" fallen. Wie es derzeit unter Hollywoods Schauspielerinnen in zu sein scheint, äußerte sich auch Streep, wohl im Zuge ihres Films Suffragette: Taten statt Worte zum Thema Gleichberechtigung. Allerdings nicht in Bezug auf Schauspieler und Schauspielerinnen, sondern in Bezug auf Filmkritiken. Ihrer Meinung nach sei das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Filmkritikern massiv unausgeglichen und wirke sich auch dementsprechend auf den Erfolg oder eben Misserfolg der Filme aus. So kämen auf 37 männliche Filmkritiker auf der New York Film Critics-Seite gerade einmal zwei weibliche Filmkritiker. "Die Betonung liegt nicht auf entmutigend, sondern auf ärgerlich", so Streep.

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Rotten Tomatoes gilt als Barometer für den Erfolg eines Films
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"Wenn die Leute herausfinden wollen, welchen Film sie am Abend schauen sollen, wenn sie ins Kino wollen, dann gehen sie auf eine Seite namens Rotten Tomatoes. Also bin ich tief, tief, tief in Rotten Tomatoes eingetaucht." Streep schaute sich vor allem an, wie das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Kritikern beim Tomatometer aussieht. "Da sind 168 Frauen. Und ich dachte mir, das ist absolut fantastisch und wenn da noch 168 Männer sind, dann wäre es ausgeglichen. Bei 268 Männern wäre es unfair, aber daran bin ich ja gewöhnt. Wenn da 360 wären, wenn da 4... tatsächlich sind es aber 760 Männer, die den Tomatometer beeinflussen."

Wer es nicht kennt, Rotten Tomatoes lässt sich in etwa mit Metacritic vergleichen. Doch während Metacritic einen für Außenstehende unbekannten Algorithmus verwendet, um den Metascore zu ermitteln, wertet Rotten Tomatoes den Durchschnittswert aus einer Vielzahl an Kritiken aus. Ab einer Wertung von 60 Prozent gilt ein Film als frisch und erhält eine dementsprechende Tomate als Wertung. Man kann von derlei Methoden halten, was man will. Unbestritten ist allerdings ein gewisser Einfluss auf potentielle Kinogänger. Wenn ein Film überall verrissen wird, überlegt man es sich zweimal, bevor man Geld für ein Kinoticket ausgibt.

Und hier setzt Streeps Kritik an. "Man bedenke, dass Männer und Frauen nicht gleich sind, sie mögen unterschiedliche Dinge. Manchmal mögen sie dasselbe, aber manchmal gehen ihre Geschmäcker auseinander. Wenn dieser Tomatometer nur ein wenig mehr einem bestimmten Geschmack entspricht, dann lenkt er das Einspielergebnis in den Vereinigten Staaten, absolut."

Zum direkten Vergleich: Peter Osteried fand Pan, den neuen Film mit Hugh Jackman großartig. Auf Rotten Tomatoes steht der Tomatometer momentan bei 38 Prozent, der Film ist also eine faule Tomate, demnach keine Empfehlung. Und das bei 34 gezählten Kritiken. Drei Kritiken stammen dabei von Frauen und von denen fanden zwei den Film gut. Würden also mehr Frauen in Betracht gezogen, stünden die Chancen für Pan nicht schlecht, einen besseren Tomatometer zu erhalten? Nach Streep ja.

Wie seht ihr das?

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