Er war der Albtraum des deutschen Jugendschutzes und sorgte auch bei Filmfans für schlaflose Nächte: George A. Romero, der Pionier des Zombiefilms. Nun ist der Schöpfer der Film-Untoten, so wie wir sie kennen, tot.

Der Mann, der Millionen Menschen den Schlaf raubte, ist nicht mehr. George Andrew Romero ist mit 77 Jahren nach einem kurzen Kampf gegen Lungenkrebs im Kreise seiner Familie gestorben. Laut seinem Produzentenkollegen, Peter Grunwald, hörte er in seinen letzten Momenten den Soundtrack zu Der Sieger von 1952.

Es war die britische Verfilmung der Phantastischen Oper Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach von den Regisseuren Michael Powell und Emeric Pressburger aus dem Jahre 1951, die in den damals elfjährigen George Andrew Romero die Begeisterung für das Medium Film weckte, wie er in einem Interview erzählte. "Der Film weckte in mir die Begeisterung für die Macht visueller Medien", so Romero.

Am 4. Februar 1940 in der Bronx, New York, geboren, begann er bereits in jungen Jahren, Filme zu drehen. Nach einem Studium an der Carnegie Mellon Universität drehte er zunächst Beiträge für Nachrichtensendungen und Werbespots, bevor er sich daran machte, seinen ersten abendfüllenden Film zu produzieren.

Die Nacht der lebenden Toten

Wahrscheinlich rechnete Romero anno 1968 selbst nicht damit, ein komplettes Genre zu erschaffen, als er für relativ wenig Geld (114.000 Dollar) Die Nacht der lebenden Toten inszenierte. Inspiriert durch Richard Mathesons Roman Ich bin Legende, bezeichnete Romero die Untoten in seinem Drehbuch als Ghule und sah seinen Film als Metapher auf Rassimus und als Protest gegen den Vietnamkrieg. Der unglaubliche internationale Erfolg (über 30 Millionen Dollar weltweites Einspiel) verschaffte Romero gleich mit dem ersten Film den Durchbruch als Horror-Regisseur. Es folgten Crazies und Martin, die aber nicht an den Erfolg von Die Nacht der lebenden Toten anknüpfen konnten.

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Dann kam Dawn of the Dead, hierzulande auch bekannt als Zombie. Zehn Jahre nach seinem Debüt kehrte Romero ins Zombie-Genre zurück. Und wie! Mit einem Budget von 500.000 Dollar, und unterstützt von Italiens Horror-Papst Dario Argento, war Dawn of the Dead eine Allegorie auf den Kapitalismus. Der Film spielte weltweit über 55 Millionen Dollar ein und löste einen regelrechten Zombie-Boom aus. In Deutschland wurden zahlreiche Schnittfassungen des Films beschlagnahmt.

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Dennoch hatte Romero große Probleme mit der Finanzierung von Day of the Dead. Nachdem das Budget um die Hälfte gekürzt wurde, konnte Romero seinen ursprünglichen Plan eines epischen Streifens nicht mehr aufrechterhalten. Stattdessen verlegte er die Handlung in den buchstäblichen Untergrund. Bei Kritikern und Publikum fiel der ebenfalls beschlagnahmte Film durch.

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Nachdem Zack Snyder mit dem Remake zu Dawn of the Dead 2004 ein erneutes Zombie-Revival gelang, erhielt Romero die Chance, sein ursprünglich als Resident Evil-Film angelegtes Drehbuch zu verfilmen. Es entstand Land of the Dead. Danach folgten mit Diary of the Dead und Survival of the Dead zwei weitere, wesentlich kleinere Zombiefilme, bevor es um Romero ruhig wurde.

Sein Vermächtnis

Ohne die Pionierarbeit von Romero hätte es weder moderne Zombie-Werke wie The Walking Dead oder World War Z noch Videospielreihen wie Resident Evil noch das Genre an sich gegeben. Dennoch fühlte sich der Altmeister zuletzt überholt von aktuellen Werken und Ansprüchen. "Wegen World War Z und The Walking Dead kann ich keine kleinen Zombiestreifen mehr pitchen, die eine soziopolitische Bedeutung tragen. Sowas konnte ich damals unter all der Zombie-Action getarnt machen. Heute geht das nicht mehr. Sobald man das Wort Zombie erwähnt, heißt es, 'Hey, Brad Pitt hat 400 Millionen Dollar für sowas ausgegeben'", zeigte sich Romero im Oktober vergangenen Jahres enttäuscht.

Aber seine wahren Fans werden niemals vergessen, wer der Schöpfer der Untoten ist. Ruhe in Frieden, George.