Gary Oldman ist ein Schauspieler der alten Riege. Glamour steht ihm nicht, Ruhm will er nicht, er will schauspielern und schert sich einen Dreck um seinen Ruf. Und warum er die geilste Schauspieler-Sau auf Erden ist, das bewies er einmal mehr in einem Interview in der aktuellen US-Playboy-Ausgabe.

Wer ein erfolgreicher Star ist, hat in gewisser Weise auch eine Vorbildfunktion für seine Fans, denn als Person des öffentlichen Lebens steht man unweigerlich im Fokus der Medien. Alles, was man tut, wird beobachtet und bewertet. Entgleisungen wie sie sich ein Justin Bieber erlaubt, sollte man tunlichst vermeiden, will man auch weiterhin Jobs von einflussreichen Verantwortlichen erhalten. Da ist es klar, dass ein Star sich meistens einer Meinung enthält oder dem allgemeinen Konsens zustimmt.

Es gibt aber auch Stars, die sich dem völlig entziehen, und sich nicht verstellen. Robert De Niro ist so einer. Doch so freimütig wie ein Gary Oldman gibt selbst er sich nicht. Oldman ist eben von der alten Schule. Hart, aber herzlich. Und das bewies er mal wieder in der aktuellen US-Play-Ausgabe.

So halte er die Hollywood-Sanktionen gegen Mel Gibson für ausgemachte Scheiße. Natürlich, er war betrunken und hat ein paar unpassende Dinge gesagt. "Aber wer hat das nicht? Wir sind alles verdammte Heuchler. Das ist es, was ich darüber denke", so Oldman. "Der Polizist, der ihn verhaftete, hat natürlich noch nie das N-Wort benutzt oder verdammter J...gesagt?" Er verteidige nicht die antisemitischen Äußerungen Gibsons, sondern prangere die geheuchelte politische Korrektheit an.

Auch dass aus Alec Baldwins Schimpftirade gegen einen Paparazzi in den Medien so breitgetreten wurde, finde er völlig absurd. Er war genervt, sie haben ihn nicht in Ruhe gelassen. Er könne seine Reaktion völlig verstehen.

Die Heuchelei gipfele für ihn regelmässig in den Awards. Allen voran natürlich die Oscars und die Golden Globes. "Wenn man nicht für Twelve Years A Slave gestimmt hat, war man sofort ein Rassist." Klar müsse man aufpassen, was man sagt, Oldman habe seine Meinung über gewisse Dinge und Ansichten, die nicht jeder teile, doch das mache ihn nicht gleich auch noch zum Faschisten oder Rassisten. Die Golden Globes selbst sei eine Veranstaltung, bei der sich alle nur besaufen und einander anbiedern würden.

Und obwohl Oldman in den letzten Jahren in sehr vielen High-Budget-Streifen mitgemacht hat, die allesamt äußerst erfolgreich liefen, wie Christopher Nolans 'Dark Knight'-Trilogie und den 'Harry Potter'-Filmen, sehe er das wesentlich nüchterner. "Es war Arbeit", so sein trockener Kommentar. Allerdings würde er Passanten, die ihn ansprechen und für den oder den Film loben, nicht blöd anreden, das sei etwas, das eher Sean Penn tun würde. "Ich bedanke mich dafür und gehe meines Weges."