Ich wuchs auf im letzten Haus links am Hügel der blutigen Augen und stieß viermal den Schrei aus, als ich im Haus des Vergessens die Schlange im Regenbogen als eine tödliche Bedrohung durch meine mörderischen Träume kriechen sah, während das Ding aus dem Sumpf, der tödliche Freund, mit einem verfluchten Shocker meine Brust öffnete und kalt wie Eis der Music of the Heart lauschte, deren Klänge einem Vampir in Brooklyn glichen bei seinem Nachtflug in den Tod. Dem Tode geweiht nahm ich rasch den Ausgang ins Nichts...

Klingt ungewöhnlich, ist es auch. Noch ungewöhnlicher ist jedoch, dass sich aus den Titeln von Wes-Craven-Filmen eine nette kleine Geschichte fabrizieren lässt. Und wer alle Titel des ersten Absatzes erkannt hat, ist wirklich ein Fan dieses Meisters des Horrors.

Wes Craven war einer der ganz Großen, ein Maestro des Horrors, der seine Geschichten smart erzählte und für das Genre in den letzten Jahrzehnten wegweisend war. Wie die aller großer Helden endete auch seine Geschichte – und zwar am 30. August 2015. Wes Craven erlag im Alter von 76 Jahren den Folgen eines Hirntumors.

Ein weiteres Video

Der junge Craven

Wesley Earl Craven wurde am 2. August 1939 als Sohn einer strenggläubigen Baptistenfamilie in Cleveland, Ohio, geboren. Wie sich Craven in manchen Interviews später erinnerte, verlebte er eine normale glückliche Kindheit, hatte aber auch keinerlei Vergleich, weswegen er wohl mit dem, was er hatte, letztendlich zufrieden sein musste. Über seine Kindheit ist nur wenig bekannt, da Craven immer darauf achtete, weniger über seine Familie als vielmehr über seine Filme zu sprechen. Ein Indiz für das relative Unwohlsein, das er auch später empfunden haben mag, ist aber die Scheidung der Eltern und der bald darauf folgende Tod des Vaters, den Craven im Alter von fünf Jahren erleben musste.

Seine Familie war stark religiös und so beschäftigte sich Craven auch viel mit seinem eigenen spirituellen Hintergrund bevor er später - schon im College - ein anderes Leben für sich entdecken sollte. Er berichtete aber auch, dass er als Kind von schlimmen Alpträumen geplagt wurde, was sein Interesse für Träume geweckt haben dürfte. Diese Albträume und die Erkenntnis, dass die Urängste der Menschen in den ersten Lebensjahren gefördert werden, nutzte er später auch für seine Filme.
Seine eigene Angst vor einem größeren Kind, das ihn schikanierte und schlug, verarbeitete er in gewisser Weise in „Nightmare – Mörderische Träume“ (1984). Dem Schurken des Filmes gab er den Namen des Jungen, der immer hinter ihm her gewesen war.

Craven war der erste in seiner Familie, der das College besuchte. Am Wheaton College in Illinois studierte er Literatur und Psychologie und später an der John Hopkins Universität in Baltimore Philosophie. Während seiner Jahre auf dem College begann er, sich künstlerisch zu betätigen. Er schrieb sowohl Prosa als auch Poesie, malte kleine Cartoons und hatte ein Faible für Musik.

Filme bedeuteten ihm damals noch nicht sehr viel. Während der Kindheit waren die meisten ohnehin für ihn verboten, so dass er in seiner Jugend niemals der Popkultur von Filmen oder Comics wirklich näher kam.

Auf dem College sah er dann vor allem europäische Filme, deren Macher wie Luis Bunuel, Frederico Fellini oder Ingmar Bergman ihn mehr beeindrucken konnten als der normale amerikanische Mainstream. Damals dachte er aber nicht an eine Karriere beim Film, sondern folgte weiter dem vorbestimmten Weg, der zum Leben eines Lehrers führen würde. 1964 arbeitete er dann als Lehrer im Fach Englisch und traf seine künftige Frau Bonnie Broecker, mit der er bald darauf zwei Kinder, Jonathan und Jessica, haben sollte.

Während den Jahren am Clarkson College in Potsdam arbeitete er mit einigen Studenten an einem kurzen Film, der ihm trotz aller Widrigkeiten auch zeigte, dass er hier etwas gefunden hatte, das wirkliche Bedeutung für ihn hatte. Das Leben eines Lehrers war ihm längst zu langweilig und eintönig geworden.

Im Jahr 1968 verbrachte er den Sommer in New York auf der Suche nach Möglichkeiten, Arbeit beim Film zu bekommen. Zwar konnte er in dieser Zeit einige Kontakte knüpfen, aber eine Chance erhielt er nirgendwo. Im Herbst arbeitete er erneut als Lehrer an einer High School. Wenig später traf er wieder mit Steve Chapin, einem seiner ehemaligen Schüler, zusammen. Dieser machte ihn mit seinem Bruder Harry bekannt, der als Cutter in New York arbeitete. Im darauf folgenden Sommer zogen die Cravens nach Brooklyn, von wo aus Wes nun endlich ernste Bemühungen unternahm, im Filmgeschäft Fuß zu fassen.

Bei Peter Lockes “You’ve got to walk it like you talk it or you’ll lose that beat” (1971) lernte er alles über das Schneiden eines Filmes. Die Zeit in New York war für Craven enorm wertvoll, da er sich in der Atmosphäre ständig vorhandener Kreativität richtig entfalten konnte. Seine Ehe konnte sich unter ständig präsenten finanziellen Problemen und der Unsicherheit, die ein Leben beim Film bot, kaum entfalten, weswegen eine Scheidung unumgänglich wurde.

Mit seiner filmischen Karriere ging es indessen langsam bergauf. Zusammen mit Sean S. Cunningham, der später mit „Freitag, der 13.“ (1979) sehr erfolgreich sein sollte, arbeitete er an dem Sexfilm „Together“ (1971). Wenige Monate später sollte dieser ersten Zusammenarbeit mit Cunningham Cravens erster eigener Film folgen.

Ein weiteres Video

Es ist nur ein Film

Nachdem sich der erste gemeinsame Film, bei dem Craven neben dem Schnitt auch einige Sequenzen inszenierte, als Erfolg erwies, waren die Geldgeber nur zu begierig darauf, einen weiteren Film der jungen Talente zu finanzieren. Die einzige Bedingung lautete "Mehr Gewalt" und davon sollten sie dann auch mehr als genug bekommen.
Cunningham bot Craven an, das Drehbuch zu schreiben, den Film zu inszenieren und schließlich auch zu schneiden. Ohne lange nachzudenken, nahm er das Angebot an. In nur zwei Tagen schrieb er sein Skript, das nur wenig Ähnlichkeit mit einem echten Drehbuch hatte. Da er nie zuvor daran gedacht hatte, im Horrorfach einzusteigen, benutzte er bei seiner Geschichte einfach Dinge, von denen er glaubte, sie würden wirkliche Angst bereiten.

Natürlich wurden an dem Drehbuch noch viele Veränderungen vorgenommen, da zum einen nur schwer verfilmbare Szenen, zum anderen noch weit grausamere Momente als jene, die im fertigen Film zu sehen sind, enthalten waren. Bei einem Budget von knapp 90.000 Dollar musste man zudem auch darauf achten, alles in finanzierbaren Grenzen zu halten.

Aus "Sex Crime of the Century" wurde schließlich „Das letzte Haus links“ (1972), der den Leidensweg der zwei Teenager Maryi und Phyllis beschreibt. Die zwei Teenager geraten in die Fänge einer Bande von Psychopathen, angeführt von dem Mörder Krug Stillo (David Hess in einer Paraderolle), und werden von diesen langsam umgebracht. Am Ende machen die Mörder einen Fehler und bekommen es schließlich mit dem Zorn der Eltern zu tun, die in ihren Methoden nicht weniger zimperlich sind als Krug und seine Leute.

Der Film beeindruckt auch heute noch durch seine schonungslose Realitätsnähe, bei der in den zuhauf stattfindenden Gewalttaten nicht einfach abgeblendet wird oder der Schrecken im Schatten stattfindet, sondern die Kamera genau draufhält. Seine verstörende Wirkung wird auch durch den beinahe schon dokumentarischen Stil erreicht.

Der erfolgreiche Film brachte Craven auch etwas Geld ein, womit sich ihm die Möglichkeit bot, sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Für Peter Locke arbeitete er wieder als Cutter und musste schließlich feststellen, dass ihm sein Erstling den Ruf eines Horrorfilm-Regisseurs eingebracht hatte, was dazu führte, dass Cunningham und er fünf Drehbücher, die andere Genres betrafen, nicht an den Mann bringen konnten. Nachdem eine Horror-Anthologie mit dem Titel „Tales that will tear our heart out“ nicht zustande kam, arbeitete er ein weiteres Mal mit Peter Locke zusammen.

Ein weiteres Video

Rückkehr zum Horror

Hatte sich Craven bisher nicht dazu überwinden können, wieder zum Horror zurückzukehren, so blieb ihm nun, da seine finanziellen Mittel sich langsam erschöpften, keine große Wahl mehr. Er begann mit der Arbeit an dem Drehbuch zu „Hügel der blutigen Augen“ (1977) und achtete diesmal auch gleich darauf, Szenen zu entwickeln, die mit einem moderaten Budget zu verwirklichen waren.

Der Film erzählt die Geschichte der Carters, die mit ihrem Wohnwagen in der kalifornischen Wüste liegen bleiben. Als wenig später ihr böses Gegenstück, eine kannibalische Familie aus den Bergen, über die Carters herfällt, ziehen diese auf den Pfad der Rache.

Mit einem Budget von gerade mal 230.000 Dollar schuf er seinen zweiten Terror-Film, der zum Kulthit avancierte, wenngleich er nicht gar so wirkungsvoll wie sein Vorgänger war.

Im darauf folgenden Jahr wandte sich Craven dem Fernsehen zu. Für NBC inszenierte er „Eine tödliche Bedrohung“ (1978), einen zahmen Gruselfilm. Während der Film eigentlich nichts hat, womit er glänzen kann, bedeutete er für Craven doch, dass er nun den Ruf eines Exploitation-Regisseurs los wurde und Produzenten ihn auch für andere Filme, die mehr dem Mainstream entsprachen, in Betracht zogen. Mit seinem nächsten Film „Tödlicher Segen“ (1981) kehrte er auf die große Leinwand zurück und erzählte abermals eine Horrorstory. Sein nächster Film war die Verfilmung des damals eher obskuren „Das Ding aus dem Sumpf“ (1982) und entwickelte sich zu einem der Flops des Jahres.

Im Lauf der Zeit wurde der trashige Film jedoch zu einem kleinen Kulthit, der vor allem im Fernsehen recht erfolgreich lief und seinen Produzenten letztlich doch noch Gewinne bescherte. Bei dem Drehbuch, das Craven selbst verfasste, nahm er einige Änderungen zur Vorlage vor, blieb aber im vertretbaren Rahmen. Es geht um den Wissenschaftler Alec Holland, der einen Wirkstoff herstellt, mit dem Pflanzenwachstum beschleunigt wird. Als man versucht, seine Formel zu stehlen, kommt Holland mit dem Stoff in Berührung und verbrennt. Wenig später erhebt sich das Ding aus dem Sumpf.
Craven war mit dem Endergebnis recht zufrieden und fand während der Suche nach den richtigen Locations auch seine zweite Frau. Millicent Meyer wurde alsbald zu Mimi Meyer-Craven und übernahm auch kleinere Rollen in den Filmen ihres Mannes. Swamp Thing wurde zu Cravens erstem Film, der sein Geld nicht wieder einspielte.

Ein weiteres Video

1,2, Freddy kommt vorbei

Wes Craven hatte längst eine neue Idee. Er ging schon Jahre vor der Entstehung des eigentlichen Films mit der Idee schwanger. Craven unterhielt sich beim Mittagessen mit Steve Miner, wobei beide über einige merkwürdige Zeitungsberichte diskutierten, in denen davon berichtet wurde, dass einige Menschen von unglaublich schrecklichen Albträumen erzählt hatten und sich regelrecht davor fürchteten, wieder einzuschlafen. Sie versuchten, solange wach zu bleiben wie irgendwie möglich, aber nachdem sie der Schlaf übermannte, wurden sie wenig später nur noch tot in ihren Betten aufgefunden.

Craven erkannte instinktiv, dass sich dahinter eine großartige Geschichte verbarg. Die Geschichte von einem Killer, der seine Opfer in ihren Träumen aufsuchte. Er machte sich daran, Ideen für seine Geschichte zu sammeln und sie immer weiter auszuschmücken. Da der Regisseur sich schon immer für Träume interessiert hatte, fand er den Stoff, je mehr er sich damit beschäftigte, immer aufregender.

Im Verlauf verschiedener Drehbuchversionen von „Nightmare – Mörderische Träume“ erhielt Freddy schließlich sein Markenzeichen: den klingenbewehrten Handschuh. Dieser stellte nicht nur ein äußerst originelles Mordwerkzeug dar, sondern trug auch dazu bei, Freddy noch bedrohlicher wirken zu lassen.

Nancy und ihre Freunde, allesamt unbeschwerte Teenager, werden in ihren Träumen von einer Kreatur namens Freddy bedroht. Der Mann mit dem verbrannten Gesicht, dem rotgrün gestreiften Pullover, der Klauenhand und dem Hut terrorisiert die Jugend von Springwood. Ein Jugendlicher nach dem anderen findet schließlich im Schlaf den Tod, weswegen Nancy, die versucht, wach zu bleiben, herausfinden muss, wer dieser Krueger ist. Die Wahrheit ist so einfach wie schrecklich: Krueger war ein Kindermörder, der von den braven Bürgern von Springwood gelyncht wurde, nachdem das System versagt hatte.

Mit dem fertigen Drehbuch in der Hand versuchte Craven, das Projekt an den Mann zu bringen, aber auch wenn jeder von der Geschichte begeistert war, wollte doch keiner so recht mitziehen. Nur Robert Shaye, der Kopf des kleinen Studios New Line Cinema, sah in dem Stoff das Potenzial, das schließlich verwirklicht werden sollte.

Ein weiteres Video

New Line Cinema brachte ein Budget von 1,8 Millionen Dollar auf. Von größter Wichtigkeit war die Besetzung von Freddy Krueger. Craven hatte zuerst David Warner für die Rolle ins Auge gefasst, doch der lehnte ab, da er nicht schon wieder einen Schurken spielen wollte. Als Robert Englund für die Rolle vorsprach, wollte er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Darum legte er sein Haar mit Unmengen von Gel zurück, ließ sich einen Dreitagebart wachsen und trat so vor Wes Craven, den er mit einem durchdringenden Blick musterte: Craven war von Englunds Erscheinen begeistert und so erhielt er den Zuschlag für den Part.

Nach dem Kinostart 1984 waren die Kritiker von dem ungewöhnlichen Stoff begeistert und das Publikum kam zahlreich. Im Verlauf seiner Kinoauswertung machte der Film mehr als 25 Millionen Dollar und startete damit das erfolgreichste Horror-Franchise der 80er Jahre.

New Line Cinema wollte natürlich ein Sequel und man bot Craven auch die Regie an, doch der war mit dem anvisierten Drehbuch nicht zufrieden und schlug aus. Stattdessen wollte er sich einer anderen Fortsetzung widmen und in die Wüste zurückkehren. Craven inszenierte „Im Todestal der Wölfe“ (1984) und musste einen herben Flop erleben.

Für das Fernsehen realisierte Craven den von Disney produzierten Fernsehfilm „Die Superdetektive“ (1986), der in eine völlig andere Richtung als seine bisherigen Filme ging und eine reinrassige Komödie war. Speziell mit diesem Film hoffte er, seinem eigenen Schicksal zu entkommen, aber die Rechnung ging nicht auf, da der kleine Kinderfilm wie Auftragsarbeit wirkte und sang- und klanglos unterging.

Ebenfalls für das Fernsehen realisierte er „Chiller – Kalt wie Eis“ (1985), der ein äußerst sanfter Grusler wurde und ihm durchwegs schlechte Kritiken einbrachte. Danach kehrte Craven ins Kino zurück. Das Ergebnis war „Der tödliche Freund“ (1986), in dem ein Junge seine tote Freundin als Roboter zum Leben erweckt.

Ein weiteres Video

Das ernste Fach

Mit seinen nächsten Projekten sollte er jedoch sehr viel mehr Glück haben. Als er das Angebot erhielt, „Die Schlange im Regenbogen“ (1988) zu inszenieren, musste er nicht lange überlegen, da ihm das zugrunde liegende Buch sehr gut gefallen hatte. Für Craven bedeutete dieser Film, der sich mit Voodoo und realen Zombies beschäftigte, einen Sprung in ein etwas anderes Genre. Natürlich ist es immer noch ein Horrorfilm, aber es ist auch ein Film, der die Situation in Haiti darstellt und ein eher erwachseneres Publikum anspricht. Zudem verfügte Craven hier über das für seine Verhältnisse fürstliche Budget von sieben Millionen Dollar und hatte die Gelegenheit, echte Massenszenen mit 4.000 Menschen zu inszenieren.

Ein weiteres Video

Nach diesem Erfolg unterschrieb er bei Alive Films einen Vertrag für zwei Filme, bei denen er die völlige kreative Kontrolle hatte. Craven begann mit der Arbeit an seinem neuen Horrorhelden, von dem er hoffte, dass er wie Freddy zuvor zu einem echten Franchise werden würde.

Dieser berufliche Erfolg wurde aber wieder einmal von seinem Privatleben überschattet, als sich er und seine Frau voneinander scheiden ließen. Craven tröstete sich mit dem Verfassen des Drehbuchs von SHOCKER (1989) und fing kurz darauf mit der Produktion des Films an. Mit Horace Pinker entwickelte er einen Killer, der nach seinem Tod die Fähigkeit hat, über Energiewellen in die Körper anderer Menschen zu gelangen und so weiter seiner Mordlust frönt.

Nachdem sich der gewünschte Erfolg trotz eines recht passablen Films nicht eingestellt hatte, schrieb und inszenierte er für das Fernsehen „Das Grauen hat vier Gesichter“ (1990) und erzählte damit eine Serienkillergeschichte. Mit seiner Serie „Nightmare Cafe“ (1992), mit der er sich intensiv beschäftigte und für die er auch Robert Englund gewinnen konnte, hatte er ebenfalls nicht mehr Glück. Die an und für sich interessante Show, die mehr oder minder auf den Horror-Anthologie-Pfaden vieler ähnlich gelagerter Serien wandelte, konnte im harten TV-Geschäft aber nicht genug Quoten bringen und wurde baldigst wieder eingestellt.

Mit seinem nächsten Film konnte Craven jedoch wieder vollends überzeugen. „Das Haus der Vergessenen“ (1991) basiert auf ein paar Zeitungsausschnitten, die er lange Zeit bei sich zu Hause hatte. Die Geschichte um ein verrücktes Pärchen, das seine Kinder im Keller gefangen hält, ist sowohl als Horrorfilm als auch als Satire sehr gelungen und kann darüber hinaus den einen oder anderen bissigen sozialen Kommentar anbringen.

Ein weiteres Video

Noch ein Albtraum

1994 begann die Arbeit an „Freddy’s New Nightmare“, dem letzten Film der Reihe, der sämtliche bisher gesetzten Regeln auf den Kopf stellte und zu einer ganz neuen Definition der Freddy-Persona wurde.

Nach vielen Jahren hatte Craven sich von Shaye breitschlagen lassen, einen neuen Albtraum zu erschaffen. Erst als die Serie ihr Ende gefunden hatte kam Robert Shaye auf die Idee, sie mit einem ganz besonderen Film abzuschließen. Doch er wollte Wes Craven, der die Serie neu definieren und grandios abschließen sollte.

Craven war klar, dass er Heather Langenkamp wieder im Film haben wollte. Darum traf sich Craven mit der Schauspielerin zum Mittagessen. Man redete über Allgemeines, aber auch über Langenkamps unerfreuliche Erfahrungen mit einem fanatischen Fan. Das gab Craven die Idee, die er brauchte. Der Film sollte davon handeln, dass sie alle - Craven, Englund, Langenkamp, der komplette Produktionsstab - einen neuen Nightmare-Film machen müssen, da ein uraltes Böses in der Gestalt von Freddy Krueger gefangen war, aber nach dem Ende der Filme frei und in unsere Welt gekommen ist. Um es ein für allemal zu vernichten, muss ein neuer Nightmare-Film gedreht werden. Ein Film, in dem Nancy ein letztes Mal gegen das Böse zu Felde zieht und es besiegt.

Ein weiteres Video

Da Freddy Krueger in diesem Film eine böse Entität war, etwas, das nur noch entfernt mit dem Mörder aus den vorherigen Filmen zu tun hat, war es nötig, sein Erscheinungsbild etwas zu ändern. Noch immer trägt er den Hut und den rotgrünen Pullover, aber die Farben wurden etwas gedämpft. Hinzu kommen ein Mantel und eine Klingenhand, die nicht länger ein Handschuh ist.

Nach dem Erfolg seines Freddy-Abenteuers hatte Craven das erste Mal die Gelegenheit, mit einem wirklich großen Star zu arbeiten. Die Vorbereitungen für „Vampire in Brooklyn“ (1995) liefen schon bevor „Freddy’s New Nightmare“ zum Erfolg wurde, aber das gute Abschneiden von Cravens letztem Albtraum schien ein gutes Omen für das nun folgende Projekt zu sein. Eddie Murphy hatte lange nach einem Stoff gesucht, mit dem er zum einen ein Comeback feiern, zum anderen aus dem Komödienfach ausbrechen konnte. Für Craven bot der Film ein weiteres Mal die Arbeit mit einem großen Studio und dazu noch einen echten Star.

Was aber alle übersahen war, dass jeder mit dem Film etwas anderes erreichen wollte. Während Murphy von der Komödie weg wollte, wollte Craven gerade dort hin. Zusammen mit dem Studio Paramount, das natürlich einen lustigen Eddie Murphy-Film wünschte, konnte das Ergebnis nur zum Fiasko werden. An den Kinokassen erwies sich der Film als Flop.

Ein weiteres Video

Der letzte Schrei

Wes Craven erhielt von Miramax das Angebot „Scream“ (1996) von Newcomer Kevin Williamson zu verfilmen. Die Geschichte blieb, vom ersten Drehbuch bis zum fertigen Film, im Grunde genommen gleich und machte nur kleinere kosmetische Veränderungen durch. Erzählt wird von Sidney Prescott, die zum bevorzugten Ziel eines Killers wird. Dieser Killer, verkleidet mit Maske und Kostüm, hat bereits mehrere Menschen getötet und ist nun hinter ihr her.

Als „Scream“ im Dezember 1996 in die amerikanischen Kinos gebracht wurde, wurde er von Kritikern und Publikum gefeiert. Positive Mundpropaganda brachte zahlreiche Besucher ins Kino und sorgte so dafür, dass der Film nach seiner 32-wöchigen Laufzeit mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt hatte. Damit übertraf die 14 Millionen Dollar teure Produktion die kühnsten Erwartungen aller Beteiligten und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten.

Angesichts des Erfolgs wurde für die Produktion des Sequels sofort grünes Licht gegeben. Die Produktion wurde enorm schnell angekurbelt, so dass man „Scream 2“ (1997) schon ein Jahr später in den Lichtspielhäusern dieser Welt bewundern konnte. Das Sequel war ein würdiger Nachfolger des Originals und recht clever gestaltet. Die Zuschauer belohnten die Qualität mit einem nicht minder großen Einspiel.

Ein weiteres Video

Miramax wollte natürlich schnell einen dritten Teil und damit den Abschluss der Trilogie, doch man musste sich gedulden, denn Craven nutzte die Gunst der Stunde und kümmerte sich nun um einen Film, den man ihm nur ein paar Jahre zuvor niemals überantwortet hätte: Er inszenierte das Drama „Music of the Heart“ (1999), in dem Meryl Streep die Hauptrolle spielte. Damit konnte sich Craven einen Herzenswunsch erfüllen, doch an der Kinokasse verschwand der Film. Seine Fans wollten spannendere Stoffe sehen.

Der Abschluss der Trilogie kam im Jahr 2000 mit „Scream 3“. Kevin Williamson hatte nicht mehr die Zeit, das Drehbuch zu schreiben, weswegen Ehren Krueger das übernahm. Das Ergebnis ist jedoch weniger ein Slasher-Film als vielmehr ein Thriller, da der Film auch formal neue Wege beschreitet. Der Film war noch immer ein Erfolg, aber das Einspiel war deutlich geringer als bei den beiden Vorgängern. Die Trilogie hatte ihr Ende gefunden und an einer Wiederbelebung war niemand interessiert - fürs Erste.

Mit Williamson arbeitete Craven erneut bei dem Werwolf-Film „Verflucht“ (2005) zusammen, doch das Projekt, das niemals ein Liebling des Regisseurs war und mehr aus Dankbarkeit gegenüber Miramax bzw. Dimension Films übernommen wurde, war ein echtes Waterloo. Die Produktion musste in der Mitte gestoppt werden. Das hanebüchene Drehbuch von Kevin Williamson wurde in großen Maßstab umgeschrieben und dabei vermutlich nicht besser. Als man weiterdrehen konnte, waren einige Schauspieler nicht mehr verfügbar, so dass man neu casten musste.

Weit mehr Erfolg war Craven mit „Red Eye“ (2005) beschieden. Hier bot sich ihm ein waschechter Thriller, bei dem er noch dazu auf den aufstrebenden Jungstar Cillian Murphy zurückgreifen konnte. Gute Kritiken und ein ordentliches Einspiel nicht nur in den USA, sondern auch im Rest der Welt machen diesen Film um eine ungewöhnliche Entführung und Erpressung wahrlich sehenswert.

Ein weiteres Video

Nach einem Segment im Episodenfilm „Paris, je t'aime“ (2006) dachte Craven über eine Verfilmung seines Romans “Fountain Society” nach, konnte aber keine Finanzierung auf die Beine stellen. Die Jahre zogen ins Land und Craven präsentierte 2010 den Slasher „My Soul to take“, der auf die falsche Art und Weise altmodisch wirkt.

Ein Jahrzehnt nach dem Ende der Scream-Trilogie kehrte Craven dann zusammen mit Kevin Williamson zu dem Franchise zurück. „Scream 4“ (2011) sollte eine neue Trilogie beginnen, aber schon während der Dreharbeiten gab es Kämpfe mit dem Studio, das auf ein anderes, die Geschichte effektiv abschließendes Ende setzte und dem Film so viel von seiner Wirkung raubte - das Kinoeinspiel war dann auch nicht mit den Vorgängern vergleichbar.

Ein weiteres Video

Es blieb sein letzter Film, als ausführender Produzent war er aber noch für Serien wie die Fortführung von „Scream“ und „The Disciples“ tätig. Zudem schrieb er das Skript zum Film „Coming of Rage“, das von Steve Niles als Comic umgesetzt wurde. Als Schauspieler war er selten zu sehen, manchmal spielte er sich selbst, wie 2013 in einer Folge von „Castle“.

Wes Craven hat uns über all die Jahre an seinen Albträumen teilhaben lassen. Er hat eine Intelligenz in das Genre eingebracht, die bei vielen seiner Zeitgenossen sträflich vernachlässigt wurde. Und er hat Filme erschaffen, die aus dem Kollektivgedächtnis nicht mehr wegzudenken sind. Ob Freddy Krueger oder Horace Pinker, ob Krug Stillo oder die Ghostface-Killer, das Werk von Wes Craven ist ein starkes Vermächtnis. Nun hat er die große Bühne verlassen, aber seine Filme werden auch künftige Generationen das Fürchten lehren.