Die Dreharbeiten für „Star Wars: Episode VII“ beginnen im Mai 2014. Das ist nicht mehr lange hin, ein paar kurze Wochen, wenige Tage, praktisch nichts, wenn man sich vor Augen hält, wie viel Zeit die Produktion eines Films in Anspruch nimmt. Und doch weiß man im Moment noch so gut wie gar nichts über „Episode VII“.

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Klar, ein paar Dinge sind bekannt: Die alten Recken Han, Luke und Leia sind wieder mit dabei, aber was ist mit Chewbacca? Da gibt es momentan nur Rätselraten, schon alleine deswegen, weil die Figur im „Expanded Universe“ das Zeitliche gesegnet hat. Sollte der Wookiee dabei sein, würde das schon mal einen Hinweis darauf geben, wie es mit dem erweiterten Universum weitergeht. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Star Wars Inside #3 - Hat J.J. Abrams überhaupt eine Vision?

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Fans bangen, dass ihr geliebtes Star-Wars-Universum von J.J. für immer zerstört werden könnte.
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Im Moment stelle ich mir vielmehr die Frage, ob J.J. Abrams eigentlich eine Vision für seinen „Star Wars“-Film hat. Grundsätzlich würde ich das bejahen, da er 2009 schon mit „Star Trek“ gezeigt hat, dass er ein altbewährtes Franchise neu und aufregend gestalten kann. Aber damals war deutlich schneller klar, wer mitspielt und worauf der Macher abzielt.

Bei „Star Wars“ kann man nur spekulieren. Zwar wurden im Lauf der Zeit schon Namen von Schauspielern genannt, die vielleicht in dem Film dabei sein könnten – u.a. Benedict Cumberbatch und Gary Oldman – und John Boyega („Attack the Block“) scheint tatsächlich verpflichtet worden zu sein, aber davon abgesehen wurde noch nicht viel bekannt. Das ist ungewöhnlich, wenn man sich so kurz vor dem Drehstart befindet.

Geld fürs Warten

Wie es heißt, hat Abrams eine ganze Reihe von Schauspielern blocken lassen. Das heißt, Schauspieler, die für Rollen in dem Film in Frage kommen, erhalten eine Zahlung dafür, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt keine anderen Engagements anzunehmen. Im Endeffekt werden die Leute fürs Abwarten bezahlt – und fürs Nichtstun. Denn pro Rolle sollen mehrere Schauspieler hoffnungsfroh auf ihren Einsatz warten. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass Abrams noch gar nicht so recht weiß, wie die Rollen angelegt sein sollen.

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Wer wird alles im siebten Teil mit dabei sein? Carrie Fisher vielleicht?
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Sicher, sie existieren in der Drehbuchversion, aber jeder Schauspieler bringt auch etwas Eigenes in seine Rollen mit. Nun kann man ähnlich gelagerte Typen auf Abruf bereithalten, aber selbst da sind Unterschiede unvermeidlich. Zumal sich das noch potenziert, wenn man an die zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Rollen mit den verschiedenen Schauspielern denkt. Das Zusammenspiel der Schauspieler ist eben auch essenziell. Bei der einen Kombination kann die richtige Chemie gegeben sein, bei der anderen eben nicht.

Im Moment wirkt es so, als würde Abrams noch immer die Karten mischen und herauszufinden versuchen, welche Hand die Beste ist. Aber sollte das gut vier Wochen vor Drehstart der Fall sein? Oder ist das nicht eher ein Indiz dafür, dass der Mann noch nicht so genau weiß, wie sein „Star Wars“ aussehen soll?

Der Druck ist enorm

Sicherlich ist der Druck, der auf Abrams lastet, gewaltig. Hier geht es um deutlich mehr als um den Neustart eines Universums, wie er es mit „Star Trek“ getan hatte. Abrams muss hier das Kunststück gelingen, zwei Generationen von Fans miteinander zu versöhnen.

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Was dürfen wir von J.J. Abrams und "seinem" Star Wars erwarten? - Foto by Zahir Batin
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Die alteingesessenen Fans, für die die klassische Trilogie das Nonplusultra ist und die neuen Fans, die die Prequels und die Animationsserie „The Clone Wars“ lieben. Es ist eigentlich ein Spagat, der kaum zu schaffen ist, irgendjemand muss fast zwangsläufig enttäuscht werden.

Diese Aufgabe anzugehen, muss in etwa so erdrückend sein, wie es das für George Lucas war, bevor er sich daran machte, „Episode I“ zu produzieren. Damals hatte man häufig das Gefühl, dass er vor allem deswegen nicht mit „Star Wars“ weitermachen wollte, weil er instinktiv fürchtete, dass man der Erwartungshaltung, der er begegnen musste, nie auch nur im Ansatz gerecht werden konnte.

Das war im Grunde auch so, aber das neue „Star Wars“ war notwendig, um auch eine neue Generation für diese Galaxie weit, weit entfernt zu begeistern. Nichtsdestotrotz, das waren die Phasen 1 und 2 von „Star Wars“, die dritte folgt nun, mit der das Universum weit stärker aufgefächert wird. Mit „Episode VII“ muss Abrams den Grundstein für ein neues „Star Wars“-Universum legen, das in Film und Fernsehen weit stärker aufgefächert werden wird, als das jemals zuvor der Fall gewesen ist.

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Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen und in die Zukunft zu blicken?
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Dementsprechend ist es spannend, ob der Macher dem eigenen, aber auch dem zersplitterten Fananspruch gerecht werden kann. Auf jeden Fall muss ein Filmemacher in einer solchen Situation eine ganz starke eigene Vision haben, die er gegen alle Widrigkeiten durchpeitscht. Er muss davon überzeugt sein, dass er – und nur er! – weiß, wie die Geschicke dieses Universums gelenkt werden müssen.

Das mag sich in der Nachschau als richtig oder falsch erweisen, aber eines darf „Episode VII“ nicht sein: Ein Film, der so aufgeweicht ist, dass er es allen recht machen will. Er muss alte und neue Fans abholen, aber im Endeffekt auch einen Neustart – inklusive der Gewinnung einer neuen Fangeneration – darstellen. Aber dafür braucht es eine gewaltige Vision. Ob J.J. Abrams die hat?