"Wenn ihr mir Spoiler aus "Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht" erzählt, verätze ich eure Fingerkuppen mit Säure und hole eure Augäpfel mit einem Radiergummi raus!"... Autsch. Wir können aber gerne sehen und mögen unsere Finger so wie sie sind. Also gut, also schön. Wir sagen euch wie der neue "Star Wars"-Film ist und verraten dabei nichts von der Geschichte. Abgemacht. Dafür lasst ihr die Radiergummis stecken und unsere Augen "Star Wars"-tauglich. Danke.

Da man sich - trotz dem Kanon gekehrtem Rücken - bereits im Vorfeld darüber einig war, dass das Expanded Universe immer noch ein Quell der Ideen und Inspiration sein darf, kann sich der harte Fan-Kern sicherlich eh grob denken, was sich in den letzten Jahrzehnten in einer Galaxie, weit, weit entfernt, zugetragen hat oder haben könnte. Wie viel davon richtig ist, werdet ihr schon sehen und was sich in den nächsten Teilen noch ergibt, wird für einige Zeit ein Geheimnis bleiben.

Die gute Nachricht ist jedoch schon im Vorfeld zu nennen: "Episode VII" hat alles richtig gemacht, wenn man den Film als das sieht, was er ist. Eine direkte Fortsetzung zu der Legenden behafteten Original-Trilogie. Hier reiht er sich perfekt ein und zeigt, dass man die alte Space-Opera auch in der Neuzeit singen kann. Ein paar Anpassungen mussten gemacht werden, doch Regisseur J.J. Abrams bleibt der Vorlage treu. Nicht dem Expended Universe. Nicht der Prequel-Trilogie, die neben dem Original wie der hyperaktive, leicht gewaltorientierte Halbbruder wirkte, der vielleicht einen oder zwei dumme Witze zu viel am Tag vom Stapel lässt. Sondern dem echten Stoff, der noch heute Fanherzen höher schlagen lässt und täglich neue, auch junge Anhänger gewinnt.

Der Film als Film

Das liegt vor allem daran, dass man sich stark an dem Aufbau der ersten drei Teile, also Episode IV bis VI, orientiert hat. Die Bilder, die Einstellungen der Kamera, die Schlachten, die ruhigen Momente, die freakigen Charaktere und die echten Legenden. Alles ist da. Gut, Böse, Spannung, Humor, Charme. Das ist ganz großes Kino, dass Spaß macht. Zwar könnte man negativ anmerken, dass man die Vorgänger bedingt kennen sollte und der Film sich daher - rein theoretisch - eher für Kenner eignet. Doch gleichzeitig glauben wir kaum, dass jemand in einen Film geht, der den Titel "Episode VII" trägt, ohne zu wissen, was da auf ihn zukommt.

Star Wars: Episode VII - Unsere spoilerfreie Kritik: Das ist der Film, nach dem ihr sucht!

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Han Solo ist zurück und stolpert in sein nächstes Abenteuer.
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Und selbst wenn. Ihr müsst die Originale nicht wirklich gesehen haben, um mit "Das Erwachen der Macht" gut unterhalten zu werden. Der Film ist nämlich auch als das - ein reiner Film - erstklassig inszeniert und in Szene gesetzt. Die alte Garde um Harrison Ford und Carrie Fisher macht einen einwandfreien Job und die neuen Haupt- und Nebendarsteller überzeugen auf ganzer Linie - auch wenn der gute Harrison alles und jeden an die Wand spielt.

Die Geschichte ist spannend aufgebaut und macht das Warten auf "Episode VIII" zu einem unmenschlichen Geduldsspiel. Auch, wenn man bisher nicht viel mit Star Wars zu tun hatte. Man muss sich nur darauf einlassen und darf Sci-Fi nicht gänzlich abgeneigt sein. Der Rest passiert quasi von alleine.

Packshot zu Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der MachtStar Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht

Doch kleine Ruckler gibt es trotzdem; wie in eigentlich jedem Film. Perfekt bis ins Detail ist niemand. Und so leidet auch "Episode VII" ein wenig unter Logiklöchern und Einstellungen, die teilweise hart an den Haaren herbei gezogen wirken und Fanservice, der für den Film an sich unnötig ist. Wer weiß, ob diese Löcher in den nächsten beiden Teilen geschlossen werden, aber hier und heute tun sie ein klein bisschen weh. Macht den Film jedoch ganz sicher nicht schlecht. Und ansonsten kann man an dem gesamten Machwerk nichts mehr aussetzen. Wer es nie mochte, wird es immer noch nicht mögen. Eben, weil es echtes Star-Wars Feeling atmet.

Star Wars: Episode VII - Unsere spoilerfreie Kritik: Das ist der Film, nach dem ihr sucht!

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Die neuen Helden schlagen sich sehr gut.
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Der Film als Star Wars

Was uns gleich zum nächsten Punkt bringt. "Episode VII" im Vergleich zu den anderen Teilen. Wie schon angedeutet, werdet ihr genau dort abgeholt, wo euch "Episode VI" hat stehen lassen. Aber mit einigen Einschränkungen. Die Fortsetzung wurde der Moderne hier und dort angepasst, um der heutigen Zeit gerecht, aber den Originalen nicht ungerecht zu werden. Man hält sich eisern an das, was die alten Teile zu einem Phänomen gemacht hat; verstümmelt dabei nichts, sondern formt es nur neu.

Außerdem meinen wir mit unserem Vergleich lediglich die ruhigere, story-orientierte Geschichte der Originale. Nicht das Aufeinandertreffen von gigantischen Armeen und Schlachten von nie da gewesenen Ausmaßen. In "Das Erwachen der Macht" steht eine komplexe Geschichte im Vordergrund, die einen neuen Gegner hervorbringt, zeigt, was aus den alten Helden wurde und wer für die nächste Generation in die Schlacht zieht - und warum. Die Figuren stehen dabei deutlich im Vordergrund, die Kampfhandlungen sind lediglich ein Nebenprodukt der Ereignisse und ganz sicher kein Grundpfeiler der Erzählung.

Die Bestie Star Wars lebt und sie brüllt so gewaltig und wundervoll wie lange nicht mehr.Fazit lesen

Dabei beruft man sich immer wieder auf die Vorgänger (nicht die Prequels) und baut vielleicht ein wenig zu viel Fanservice ein. Aber für Fans von IV bis VI ist die Portionierung genau richtig. Was sollen wir noch sagen? Was gibt es noch zu sagen? "Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht" ist ein würdiger Nachfolger, der die alte Bestie Star Wars noch einmal laut brüllen lässt und ihr viele weitere Jahrzehnte verspricht. Wenn die so ernst, humorvoll, spannend und erstaunlich sein werden, wie dieser erneute Ausflug in eine Galaxie, weit, weit entfernt, dann soll es uns nur recht sein.