Die Liste der Hassobjekte im Star-Wars-Universum ist lang und das, obwohl es so viele Filme gar nicht gibt. Über Jahre hinweg führten die Ewoks die Liste an. Die Knuddelbären aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ lassen regelmäßige Warsler rot sehen, weil sie der Inbegriff der Kommerzialisierung des Franchises sind. So nach dem Motto: Die wurden eingeführt, weil sich damit viele Teddybären verkaufen lassen.

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Aber gegen den Kronprinz des Grauens, den Schlabberohren-Schreck von Naboo, den Dümmsten aller Dummen, nehmen sich die Ewoks geradezu putzig aus. Jar Jar Binks, den hassen alle mit Inbrunst. Außer vielleicht George Lucas und ganz kleine Star-Wars-Fans.

Der Schock seines Auftritts vor 15 Jahren ist noch immer nicht verwunden. Inmitten einer Geschichte, in der es um Handelskriege und Blockaden ging, trieb dieser Hanswurst sein Unwesen. Infantilität traf auf eine halbgare politische Geschichte, das konnte ja nur schiefgehen.

Der Weg zum Edel-Trash

Aufgrund der Reaktionen des Publikums wurde Jar Jar Binks in „Episode II“ kaum noch eingesetzt (von einem langezogenen „Obi“-Schrei abgesehen) und in „Episode III“ fällt er auch nicht weiter auf. Bei den „Clone Wars“ bekam er aber hin und wieder sogar eigene Geschichten. In denen funktionierte er, oder man hatte sich an seine Art gewöhnt.

Star Wars Inside - Ein guter Grund, warum Jar Jar Binks doch ganz interessant ist

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Star-Wars-Hassobjekt #1: Jar Jar Binks, die alte Kackbratze.
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Was „Episode I“ angeht, so kann man sich aber kaum an ihn gewöhnen. Die geballte Ladung an Tollpatschigkeit ist einfach zu viel. Aber sie hilft auch, aus dem Film etwas zu machen, das man bei einer Multi-Millionen-Dollar-Produktion nicht unbedingt erwartet: sie macht ihn zum Trash.

Nicht billigen, auf Inkompetenz gegründeten Trash, sondern edlen Trash. Solchen, der sauteuer ist, der nie als Trash konzipiert worden ist, bei dem aber alles schief lief. Ein gutes Beispiel dafür ist Joel Schumachers „Batman und Robin“.

Aber zurück zu „Episode I“. Gäbe es Jar Jar Binks nicht, wäre der Film besser (das weiß man, wenn man den ominösen „Phantom Edit“ ansieht), aber auch etwas dröger. Denn im Vergleich zu den weiteren Teilen, vor allem aber den alten Filmen ist die Geschichte etwas am Schwächeln. Was auch daran liegt, dass Jake Lloyd als junger Anakin Skywalker eines der liebsten Hassobjekte nach Jar Jar Binks ist.

Also doch cool?

Wenn man der Lesart folgt, dass erst Jar Jar Binks so etwas wie Einzigartigkeit in „Episode I“ eingebracht hat, ist er ja eigentlich schon ganz cool. Auf seine nervige, im Original zudem rassistisch angehauchte Art und Weise. Oder ist einfach nur bemerkenswert, dass George Lucas die Eier oder aber das mangelnde Verständnis hatte, was der dümmliche Akzent, den er seiner Figur gegeben hat, eigentlich aussagt?

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Im Grunde nicht. Was es ist, das die Figur letzten Endes doch rehabilitiert, ist eine Szene aus „Episode II“. Wie gesagt, auch dort hat Jar Jar Binks nicht viel zu tun, aber wenn man es genau betrachtet, ist er es, der der Republik den Todesstoß versetzt, da es seine Rede ist, die den Senat dazu bringt, Kanzler Palpatine weitreichende Sonderbefugnisse zu erteilen. Erst dadurch hat Palpatine die Machtfülle, dem Senat die Gründung des Ersten Galaktischen Imperiums zu diktieren und damit dessen Absetzung praktisch vorzubereiten.

Dass es ein Hansdampf wie Jar Jar Binks ist, der als Auslöser gesehen werden kann, welcher die Demokratie zu Grabe trägt, ist das eigentlich Geniale. Weil aus einer bewusst dümmlich gestalteten Figur ganz plötzlich – und ohne Vorwarnung – eine immens tragische wird.

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Star Wars Rebels hat nun die ideale Gelegenheit, dem sonst so blassen Jar Jar Binks etwas Persönlichkeit zu verschaffen.
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Es gibt keine Geschichten, die sich damit befassen, was mit Jar Jar Binks nach dem Ende der Klonkriege passiert ist. Das ist das, was man aber eigentlich sehen wollen würde. Man kann es sich durchaus gut vorstellen.

Ein gebrochener Gungan

Zu Zeiten von „Episode IV“ sitzt Jar Jar Binks irgendwo auf Naboo, ein gebrochener Gungan, der schwer an der Last dessen zu tragen hat, was er mitzuverantworten hat. Wie mag dieser Binks sein? Hätte er noch die kindische Tollpatschigkeit seiner Jugend? Wäre er noch ein Hansdampf in allen Gassen? Oder würde nur noch brütend in seiner Behausung sitzen?

Interessante Fragen, die nicht zwangsläufig unbeantwortet bleiben müssen. Mit „Star Wars Rebels“ gibt es nun die Möglichkeit, zu dieser Figur zurückzukehren, zu einem Zeitpunkt, an dem alles anders ist. Ob es passieren wird, steht auf einem anderen Blatt. Wenn es das tut, muss sich zeigen, ob die logische Entwicklung dieser tragischen Figur auch wirklich voll und ganz durchgezogen wird. Geschieht dies nicht, wäre es eine verschenkte Chance.