Als „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ ein solch immenser Erfolg wurde, da wurden auch Stimmen laut, dass die Galaxie weit, weit entfernt schon ein recht weißes Örtchen ist. Farbige tauchten gar nicht auf. Dass der Schurke Darth Vader finster wie die Nacht war und noch dazu von James Earl Jones gesprochen wurde, war Wasser auf die Mühlen all derer, die eine Diskriminierung von Minderheiten erkannt haben wollten.

Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht - Deutscher TV Spot mit Rey im Fokus17 weitere Videos

Knapp 40 Jahre später ist alles anders. Zumindest für eine kleine Schar Verwirrter, die bei Twitter ein Fass aufmachen, weil „Episode VII“ laut ihrer Meinung „anti-white“ sein soll. Auf gut Deutsch: Den Herrschaften ist der Film nicht weiß genug, sie fühlen sich diskriminiert, haben Angst davor, dass ihre Kinder mit Multi-Kulti-Gedanken „verseucht“ werden und rufen zum Boykott auf.

Der Abgrund blickt zurück

Es mag müßig sein, aber versuchen wir doch mal, uns in die Gedankenwelt dieser Individuen zu begeben. Sie haben bislang die Trailer gesehen, hier und da eine News gehört und für sich erkannt, dass hinter dem neuen „Star Wars“-Film eine Agenda steckt. Das macht man scheinbar an John Boyega fest, dem mutmaßlichen Haupthelden der neuen Trilogie.

Und er ist nicht allein. Oscar Isaac ist auch dabei. Der ist immerhin in Guatemala geboren und für die weißen Boykott-Aufrufer damit sicherlich schon zu farbig. Zu guter Letzt ist auch noch Lupita Nyong'o dabei, auch wenn man sie nicht erkennen kann, weil sie eine Außerirdische spielt, die per Motion-Capture gestaltet wird.

Star Wars Inside - Der Sternenzerstörer ist voll

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 102/1041/104
Statt sich auf den Film zu freuen, fühlen sich einige "Fans" bedroht von der multi-kulturellen Schauspielerriege.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nun weiß man nicht, ob die Boykottierer sich wirklich an ihr stören, da sie ja eh nicht zu erkennen sind. Aber bei Gott, diesen armen, weißen Verängstigten steht schon einiges bevor: Drei Schauspieler mit ethnischem Hintergrund. Das ist doch im Grunde schon der Untergang des Abendlandes, nein, der Abend-Galaxie. Vielleicht sollten die Boykottierer sich gleich zu einer Art Gruppe zusammenschließen, Kundgebungen veranstalten und demonstrieren. Also quasi als SWFGEDAG, die Star-Wars-Fans gegen die Einfärbung der Abend-Galaxie. Verdammt, das liest sich aber schlecht. Eher wie ein Zungenbrecher. Da lässt sich nur schwer drauf gröhlen. Aber ein Fackellauf ist sicherlich drin, am idealsten in Stormtrooper-Rüstungen. Denn die sind immerhin schön weiß.

Weißgespült

Lassen wir es uns auf der Zunge zergehen. Diese merkwürdigen Gestalten fürchten sich vor drei Schauspielern bzw. Charakteren, die nicht weiß sind. Dass diesen eine Übermacht weißer Figuren bzw. Schauspieler gegenübersteht – Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Domhnall Gleeson, Adam Driver, Daisy Ridley und Max von Sydow, um nur ein paar zu nennen –, scheint dabei ganz und gar ignoriert zu werden.

Star Wars Inside - Der Sternenzerstörer ist voll

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht droht ein Boykott, so lächerlich die Gründe auch klingen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Interessanter finde ich persönlich, dass sich diese Gestalten zwar an John Boyega und Co. stören, aber mit all den Außerirdischen keine Probleme haben. Mal ehrlich, so wie es in „Star Wars“ von Aliens wimmelt – möglicherweise sogar illegalen! – muss man doch eher davor Angst haben. Überfremdung durch haarige Wookiees, pelzige Ewoks, schleimige Hutten und was sonst noch durch die Galaxie kreucht und fleucht. Das ist sozusagen der Albtraum eines jeden strammen weißen Verfechters des einzig wahren Wegs. Wo käme man da schließlich hin, wenn „Star Wars“ sich erdreisten würde, multikulturelle Vielfalt zu preisen? Immerhin spielt das in einer Galaxie mit tausenden Welten. Die haben gefälligst alle weiß zu sein. Und menschlich. Und verblödet. So wie diejenigen, die zum Boykott aufrufen.

Aber machen wir uns nichts vor. Die geschätzt zwölf Initiatoren dieses Boykott-Aufrufs werden wohl mit als erste in der Schlange stehen, um sich in eine fremde Galaxie entführen zu lassen. „Star Wars“ zu boykottieren ist in etwa so, als würde man die Menschen dazu auffordern, einfach das Atmen zu boykottieren.