Wir halten fest: Nach fast zehn Jahren gibt es mit dem Teaser zu „Episode VII“ das erste Live-Action-Material zu sehen. Inhaltlich verrät der Clip nichts. Soll er auch nicht, er soll nur ein paar Impressionen liefern und die Stimmung anheizen. Die alten Recken sind auch nicht zu sehen, aber den Rasenden Falken bekommt man immerhin geboten. Dazu kurze Snippets mit John Boyega und Daisy Ridley, die beiden Jungstars des Films, dann noch ein Sith, der Adam Driver sein könnte – oder auch nicht –, ein paar X-Wings, ein lustiger rollender Droide. Das war’s.

88 Sekunden „Star Wars“, die letzten Freitag in der Tat für Aufsehen sorgten und gerade die sozialen Netzwerke zum Klingeln brachten. Es gab nur noch dieses eine Thema. Neben Aufregung und Freude gab es aber auch was anderes: Es wurde gleich wieder losgemotzt.

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Jammern, bis sich die Balken biegen

Man kann das schon seit einigen Jahren beobachten. Die Fans zerreißen sich im Vorfeld das Maul. Über praktisch alles: den Cast, die Crew, die Story, die Designs, kein Detail ist zu nichtig, als dass es nicht für Furore sorgen könnte. Das gab es auch schon im analogen Zeitalter, aber mit dem Erfolgszug des Internets hat sich auch die Meckerkultur gewandelt. Sie ist heute weit präsenter. Jeder hat eine Stimme, sofort, ohne Verzögerung, hinausposaunt in den Äther.

Musste man früher noch langwierig Leserbriefe schreiben – und hatte keine Ahnung, ob sie je abgedruckt werden würden – machen Foren, Websites und soziale Netzwerke das alles viel leichter. Jede Meinung kann sofort rund um den Globus gehen.

Nicht gemeckert, ist genug gelobt?

Das macht sich nun auch wieder bei diesem Teaser bemerkbar. Die einen – vor allem in den USA – echauffieren sich darüber, dass John Boyega ein Stormtrooper ist. Die Schwarzen fühlen sich diskriminiert, weil einer der ihren in der Rüstung des Bösen zu sehen ist. Dass Boyega einer der Guten sein wird, ist aber schon lange bekannt. Es geht also mal wieder um … heiße Luft.

Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht - 88 Sekunden – und das Motzen beginnt

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John Boyega aus dem offiziellen Teaser zu Episode VII.
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Die anderen mokieren sich über das Lichtschwert des Sith mit Parierstange. Weil es das in den bisherigen Filmen nicht gegeben hat und schön alles so bleiben soll, wie es immer gewesen ist. Schön gestrig halt. Altmodisch, gemütlich, so wie man es schon immer gewohnt war. Dass etwa 30 Jahre seit „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ vergangen sind und sich die Welt weiterentwickelt hat? In der Realität schön und gut, aber bei „Star Wars“ soll doch bitte alles in gewohnten Bahnen verlaufen, so, wie es eben immer war. Veränderung? Was für ein schlimmes Schimpfwort. Evolution? Das ist Teufelszeug!

Packshot zu Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der MachtStar Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht

Vom Saulus zum Paulus?

Aber damit nicht genug. Zwei Sekunden eines Droiden, dessen Unterkörper rollt. Der Aufschrei ist groß. Kinderkram sei das. Kein echtes „Star Wars“ sei das. Niedlich-kitschig sei das. Zwei Sekunden. Das reicht aus. Mehr muss gar nicht gesehen werden, um den Untergang des Abendlands – pardon – des Imperiums (oder der Neuen Republik, je nach Façon) heraufzubeschwören.

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Zwei Sekunden rollender Droide. Zwei Tage Shitstorm. Mindestens.
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Kurios auch der Wandel in der Wahrnehmung so mancher Fans. J.J. Abrams wurde von einigen „Star Trek“-Fans (auch den Ewiggestrigen, für die alles immer so bleiben muss, wie es war) vorgeworfen, er würde Gene Roddenberrys Vermächtnis zu Grabe tragen. Nach dem „Star Wars“-Teaser konnte man nun miterleben, wie die einen sich freuen, weil der Teaser ihnen gab, was sie sich erhofften, und die anderen gleich einwandten: „Ihr bejubelt allen Ernstes einen J.J.-Abrams-Film?

Warum nicht? Der Mann hat in Film und Fernsehen mehr Gutes als Schlechtes gemacht. Aber gejammert wird trotzdem, und sei es nur aus Prinzip und weil Objektivität oft genug das Opfer von Subjektivität wird.

Viel verändert sich

„Das Erwachen der Macht“ – der Titel allein dürfte der Sorte Fan, die nur ja keine Veränderung sehen will, schon die Zornesröte ins Gesicht treiben. Denn er deutet an, dass sich in „Episode VII“ gewaltige Veränderungen ergeben werden, dass die Macht selbst neu definiert wird (und wie gut Fans darauf reagieren, konnte man 1999 sehen, als die zugegeben alberne Idee der Midichlorianer in die Saga integriert wurde).

Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht - 88 Sekunden – und das Motzen beginnt

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Das neue Design der Stormtrooper-Rüstungen ist natürlich auch doof...
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Wenn sich die Gerüchte bewahrheiten, wenn es eine Neudefinierung dessen gibt, was die dunkle und die helle Seite der Macht ist, wenn Heldenfiguren auf der falschen Seite landen, wenn J.J. Abrams und Co. es also wagen, die nächste Stufe zu zünden und wirklich etwas zu verändern, dann wird der Aufschrei erst recht riesengroß sein. Oder zumindest so erscheinen. Denn im Internet hat zwar jeder eine Stimme, aber am Lautesten schreien doch immer noch die, die mit etwas nicht zufrieden sind. Wem’s gefällt, der genießt meist still.