„What if the movie sucks?”, fragt sich einer der Nerds in „Fanboys”, nachdem er und seine Freunde in das Haus von George Lucas einbrachen, um dort eine Kopie des sehnsüchtig erwarteten neuen Star-Wars-Films zu stehlen. Und es ist eine berechtigte Frage: Ende der 90er, als auf der Leinwand die Sternenkriege mit der Prequel-Trilogie von Neuem entfachten, war die Enttäuschung groß – das Lucas-Imperium habe die Kindheitserinnerungen ganzer Generationen geschluckt, lautete der Tenor. Nach 13 Jahren kommt „Star Wars: Episode I“ nun wieder in die Kinos. Als 3D-Konvertierung.

Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung - Trailer

Zeit für eine Revision

Mit der dreiteiligen Vorgeschichte seiner beispiellos einträchtigen Ur-Star-Wars-Filme, die man seither Episode IV bis VI nennen soll, wollte Lucas ganz neue Wege beschreiten. Das Weltraummärchen mit vollständig computergenerierten Spezialeffekten ausstatten, wie es sie zuvor nie gegeben hat. Die Geschichte komplexer und vielschichtiger, mit weitreichenden Allegorien und völlig neuen Sichtweisen der eigens gesponnenen Mythologie erzählen. Und, ganz vielleicht nur, wollte er auch schlicht von allem noch mehr, von der Marke Star Wars und vom vielen, vielen Geld.

„Die dunkle Bedrohung“, wie die erste der neuen Episoden getauft wurde, ging von einem niedlichen kleinen Jungen namens Anakin Skywalker aus, der später als populärster Filmbösewicht der Kinogeschichte Sohnemann, Töchterchen und die ganze Galaxie in Angst und Schrecken versetzen wird. Vom auserwählten Jedi, der das Gleichgewicht der Macht wiederherstellen soll, zum finsteren Herrscher Darth Vader – alles ward nun gezeigt, worüber unsere Helden in den frühen Filmen nur verbal rätseln konnten. So viele ins Dunkel gebrachte Lichtschwerter werfen die Frage auf: Hätte Lucas die Erwartungen eigentlich überhaupt je erfüllen können?

Unser aller Lieblingscharakter ist wieder da.

Glaubt man dem Nerd-Kanon, so ist Episode I der schlimmste aller Star-Wars-Filme und überhaupt und sowieso ganz unausstehlicher Mist. Sicherlich geht dem Film jener Charme ab, der die Ur-Trilogie nachhaltig beseelte. Selbstverständlich ist aller scheinbaren Naivität knallhartes Kalkül gewichen. Und ganz bestimmt auch radierten die digitalen Welten der neuen Prequel-Filme jeden Anflug von Schmutz, Grobkörnigkeit oder gar materiellem Bezug aus. Ja, das war eine neue Vorstellung von Star Wars, die Lucas da präsentierte, und sie war anders als die bisherige. Aber bedeutend schlechter, das war sie nicht unbedingt.

Die Schwächen, an denen Episode I leidet, sind so offenkundig wie verschmerzbar. Gewiss, die Politisierung des Stoffes ist problematisch. Weil die mit Demokratie- und Förderationsplattitüden geschwängerten Dialoge noch keine tiefsinnige Space Opera ergeben, und auch, weil man sich als ursächliche Vorgeschichte der heiteren Abenteuer mit Sicherheit etwas Besseres hätte vorstellen können als irgendeine Besteuerung von Handelsrouten oder gar geschwätzige Senatssitzungen. Auf die Ideologisierung der Jedi-Ritter samt Ratsorden und biologisch nachweisbarem Machtpotenzial (Midi-Chlorianer) hätte Lucas natürlich ebenso getrost verzichten dürfen.

Packshot zu Star Wars: Episode I - Die dunkle BedrohungStar Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung

Michse duse Gungan

Und klar, das Schlappohrwesen Jar Jar Binks, für viele der Inbegriff alles Schlechten in der neuen Trilogie, erwies sich in der – alten rassistischen Buddy-Stereotypen entlehnten – Sidekick-Konzeption eher als suboptimaler Neuzugang, dessen Volksstamm in der Endschlacht auch noch leichtfertig als Kanonenfutter verheizt wird. Das alles ändert jedoch nicht, dass dieser neue Star-Wars-Entwurf ein in sich stimmiger ist und war. Die anfängliche Betonung kindlicher Elemente, Jar Jar Binks inbegriffen, scheint im Lucas'schen Verständnis des Coming-of-Age-Prequels doch nur allzu sinnfällig.

Schön, Episode I wieder im Kino sehen zu können. Weniger schön, dass die 3D-Konvertierung flüssiger als überflüssig ist.Fazit lesen

So ist dann auch das Pod-Race, die digitale Variante des Wagenrennens aus „Ben Hur“, eine ganz wunderbare Metapher für die selbst gestellten Aufgaben des Erwachsenwerdens, ungeachtet dessen, wie Lucas hier lange vor Zack Snyder und Co. der Videospielästhetik einen spektakulären Höhepunkt setzte. Und wo, wenn nicht im großen finalen Kampf zwischen Qui-Gon, Obi-Wan und Darth Maul, hat es im Star-Wars-Universum jemals so viel wahres Pathos, so elegante Lichtschwertduelle und größenwahnsinnige Arrangements von John Williams gegeben?

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Ob es jetzt allerdings diese konvertierte 3D-Fassung eines so nie gedachten Films gebraucht hat, bleibt natürlich fraglich. Der Effekt ist, wenn überhaupt, nur in wenigen Momenten sichtbar und verleiht Episode I weder neue Tiefe noch einen visuellen Mehrwert. Selbst die vielen Actionszenen, wie eben das Pod-Race beispielsweise, bleiben nahezu vollkommen matt – ein Eindruck, der sich durch den leicht nebeligen Look des bearbeiteten Bildmaterials noch verstärkt. Anderweitig scheint Lucas keine Änderungen vorgenommen zu haben, die Version entspricht der Blu-ray-Fassung, für die der Film unter anderem auch eine neue Farbstimmung verpasst bekam.

Die durch die computergetrickste Variante aus Episode II und III ersetzte Yoda-Puppe dürfte übrigens ausnahmsweise zu den wenigen wirklich sinnvollen Abänderungen in der wohl ewig andauernden Nachbearbeitungsgeschichte der Filme gehören, aber auch das gab es ja schon auf Blu-ray zu bestaunen. Nicht unwahrscheinlich wenigstens, dass die Konvertierungen der beiden nachfolgenden Episoden (die mit einem Abstand von jeweils einem Jahr veröffentlicht werden sollen) überzeugendere Ergebnisse produzieren, so diese schließlich bereits digital gedreht und aufgeführt wurden.