Heuern und feuern, das geht in Hollywood ganz, ganz fix. Meistens schiebt man kreative Differenzen vor. Damit können Feuernder und Gefeuerter ihr Gesicht wahren. Der eine wirkt nicht wie ein Täter, der andere nicht wie ein Opfer. Aber hin und wieder fällt auch in Hollywood die Maske und man kann hinter die Fassade blicken.

Rogue One: A Star Wars Story - Seht euch den neuen Trailer an2 weitere Videos

Nun hat es „Star Wars“ erwischt. Noch bevor überhaupt der Titel des zweiten Spin-off-Films bekannt gegeben wurde, hat man den Regisseur auch schon vor die Tür gesetzt. Trank ist weg... Schade ist das nicht. Finde ich zumindest.

Kinberg hat die Macht

Simon Kinberg arbeitet nicht nur als Produzent beim „Star Wars“-Spin-off-Film, er ist auch als Autor bei „The Fantastic Four“ dabei. Und war dort alles andere als erfreut darüber, wie Josh Trank sich bei dieser Multimillionendollarproduktion schlug.

Schon seit einer ganzen Weile hört man, dass man bei Fox mit dem Regisseur auch nicht zufrieden ist. Letztes Jahr hieß es gar, man suche im Geheimen nach einem Regisseur, der Trank mitten in der Produktion ersetzen könnte. Später wurde das alles dementiert, die noch anstehenden Re-Shoots wurden als Kleinigkeit bezeichnet. Aber angesichts der jüngsten Entwicklungen kann man wohl davon ausgehen, dass das alles eben doch der Wahrheit entsprach.

Rogue One: A Star Wars Story - Hochmut kommt vor dem Fall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Simon Kinberg passt auf sein Baby gut auf.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Fox ist mit dem Film nicht zufrieden. Es ist mit seinem Regisseur nicht zufrieden, der entscheidungsschwach ist und darum die Produktion auch immer wieder verzögert. Zudem ist er isolationistisch – er spricht einfach mit niemandem.

Das mag bei einem Film wie „Chronicle“ mit überschaubarem Budget angehen, wenn man aber 150 Millionen Dollar und mehr zu verantworten hat, dann werden die Anzugträger im Studio nervös.

Es ist kein Geheimnis, dass Fox noch immer nicht so recht weiß, was es mit „The Fantastic Four“ anfangen soll. In die Situation will sich Lucasfilm erst gar nicht begeben. Darum hat man sich von Trank getrennt – auf Anraten und Drängen von Simon Kinberg.

Ex und hopp

Kinberg hat bei der Produktion von „The Fantastic Four“ selbst erlebt, wie problematisch Trank sein kann. Er intervenierte darum bei Lucasfilm, was dazu führte, dass Trank bei der „Star Wars Celebration“ in Anaheim schon fehlte. Damals angeblich wegen Krankheit, in Wahrheit, weil man ihn gebeten hatte, der Veranstaltung fernzubleiben.

Rogue One: A Star Wars Story - Hochmut kommt vor dem Fall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Wir sind schon sehr gespannt auf den Film - Und ihr?!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich mit Tranks Verpflichtung alles andere als zufrieden war. „Chronicle“ ist ein solider Film, mehr aber auch nicht. Für Trank war er das Eintrittsticket zu größeren Projekten. Das hat ihn schlichtweg verdorben. Oder vielleicht war er das auch schon zuvor, aber gemerkt hat man es erst in der Nachberichterstattung von „Chronicle“.

Trank ist ein arroganter Typ. Solche Menschen gibt es, nicht nur in Hollywood, einfach überall. Es sei ihnen auch unbelassen, dass sie sich etwas auf ihre Fähigkeiten oder ihr Werk einbilden. Aber damit eckt man eben auch an, und das umso mehr, wenn man nicht mehr als ein routiniertes Projekt abgeliefert hat, aber dem Glauben verfallen ist, so etwas wie den „Citizen Kane der Science Fiction“ erschaffen zu haben.

Es geht bergab

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Und Josh Trank stürzt gerade ganz tief. Wenn er Glück hat, wird „The Fantastic Four“ nicht das Fiasko, das viele erwarten, so dass er mit einem (relativen) Hit zu einem neuen Projekt weiterspringen kann, wenn er Pech hat, geht das Ding unter wie ein Stein, was zusammen mit der „Star Wars“-Entlassung für ein paar bittere Jahre sorgen könnte.

Rogue One: A Star Wars Story - Hochmut kommt vor dem Fall

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Josh Trank ist raus aus dem Projekt. Gott sei Dank, sagen wir.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für den Spin-off sehe ich das aber als Glücksfall an. Es gibt beileibe viele interessante junge, aber auch arrivierte Regisseure, von denen es zweifelsohne interessanter ist, einen Abstecher in eine Galaxis weit, weit entfernt zu sehen.

Klar, da man so gut wie nichts darüber weiß, hätte natürlich auch Josh Tranks „Star Wars“ was ganz, ganz Tolles werden können. Allein, mir fehlt der Glauben (auch und gerade nach dem durchwachsenen „The Fantastic Four“-Trailer). Da ist es mir doch lieber, Trank wird aus der Gleichung genommen. Es kann nur besser werden.

Und falls dem doch nicht so und die nächste Wahl für den Regieposten des zweiten Spin-offs noch grauenhafter sein sollte, dann weiß ich zumindest schon, womit ich mich in einer künftigen Kolumne beschäftige…