Als Franz Schubert seine Sinfonie in h-Moll komponierte, da entschied er sich, dass sie mit zwei anstatt der üblichen vier Sätze vollständig war. Das brachte der Sinfonie ihren anderen Namen – „die Unvollendete“ – ein. Schubert war nach gemeinläufiger Meinung der Ansicht, dass er in die ersten zwei Sätze alle Kraft und all sein Können gesteckt hatte. Mehr war nicht nötig.

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Für George Lucas sind seine „Star Wars“-Filme auch eine Unvollendete. Nicht, weil er der Meinung wäre, mehr wäre nicht notwendig. Eher, weil er wieder und wieder an diesen Filmen herumschraubt, Bild, Ton und Inhalt ändert, und einfach nicht loslassen kann.

In den Augen eines Künstlers ist ein Kunstwerk nie beendet, aber irgendwann muss man es der Öffentlichkeit übergeben. Normalerweise ändert sich daran dann nichts mehr, außer man ist George Lucas und hat die Macht auf seiner Seite.

Dementsprechend gibt es auch bei der Blu-ray-Edition der kompletten Star Wars Saga einige Veränderungen, an die sich die Fans wieder einmal gewöhnen müssen.

Neeeeeeeeeeeeeein

Es gibt Änderungen, die fallen auf, und Änderungen, die niemand bemerkt. Zudem gibt es Veränderungen, die niemanden besonders stören oder die einen vorherigen Fehler ausmerzen. Letzteres kann man in der klassischen Trilogie beobachten, wenn sich die Lichtschwerter kreuzen. Bei der Auswertung der Filme auf DVD gab es hier Farbveränderungen, die den harten Fans natürlich auffielen.

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In „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ liefern sich Darth Vader und Luke Skywalker einen Kampf mit den Lichtschwertern. In der alten DVD-Fassung war die Farbgebung falsch, so dass die sich überkreuzenden Lichtschwerter ihre jeweilige Farbe am Schnittpunkt behielten. Nun wurde es wieder dem Original angeglichen, so dass der Schnittpunkt quasi miteinander verschmilzt.

Eine farbliche Veränderung gab es auch bei „Eine neue Hoffnung“, als Luke an Bord des Rasenden Falken mit dem Lichtschwert trainiert. Die Farbe wurde hier aufgebessert, damit sie zum Rest des Films passt.

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Eine andere Änderung ist bei dem Angriff des Wampas auf Luke in „Das Imperium schlägt zurück“ zu finden. Hier gab es einen Fehler, weswegen man am linken unteren Eck den Arm des Puppenspielers sehen konnte, der im Wampa-Arm steckt. Das wurde nun endlich ausgebessert.

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Bei „Die dunkle Bedrohung“ gibt es mehr Bild zu sehen. Aufgrund der damaligen technischen Gegebenheiten war es nicht möglich, alles zu zeigen. Der Unterschied ist minimal, aber an allen vier Seiten fehlen ein paar Millimeter Bildinformation, die nun wiederhergestellt sind.

Das sind die nützlichen kleinen Veränderungen, die die Kohärenz der Filme stärkt. Allerdings gibt es auch inhaltliche Änderungen, die nicht auf jedermanns Zuspruch stoßen werden. Man kann sicherlich damit leben, dass Lucas in „Die dunkle Bedrohung“ die Yoda-Puppe durch einen voll digitalisierten Yoda ersetzt hat. Allerdings gibt es auch Änderungen, die nerven oder schlichtweg dümmlich sind.

Bei „Eine neue Hoffnung“ gibt es nun einen sehr merkwürdigen, langgezogenen Schrei von Obi-Wan Kenobi, als er auf die Sandleute zuläuft und Luke auf Tatooine rettet. Es klingt fast wie Jodeln – und nimmt der Szene ein wenig ihre Dramatik.

Auch damit könnte man sich arrangieren, auch wenn es eine der Veränderungen ist, die nervt. Eine andere ist jedoch narrativer Form. Bislang war es bei „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ so, dass am Ende der Imperator mit seinen Blitzen Luke quält und Vader still zusieht. Er blickt zwischen seinem Sohn und seinem Meister hin und her, bis er sich schließlich entscheidet, sich gegen den Imperator zu stellen.

Nun wird dieser innere Konflikt, der sogar durch eine starre Maske hindurch für den Zuschauer lesbar war, auch noch für den Letzten erklärt. Denn Lucas baute hier nun noch ein zusätzliches „Nein“ ein, das Vader in seinem Geist murmelt und selbst dem Zuschauer mit höchstem Aufmerksamkeitsdefizit telegraphiert, dass der dunkle Lord zwischen Liebe zu seinem Sohn und der Loyalität seinem Herrn gegenüber hin- und hergerissen ist.

Bild und Ton

Es wird niemanden überraschen: Besser als hier haben die sechs Star-Wars-Filme noch niemals zuvor ausgesehen. Die klassische Trilogie weist in der Regel eine hohe Detailschärfe auf, allerdings fällt in manchen Szenen an den Rändern schon etwas Unschärfe auf, was auf die anamorphen Linsen, mit denen der Film gedreht wurde, zurückzuführen ist. Störend ist dies aber nicht. Generell gilt, dass die Filme nicht ihrem Alter gemäß aussehen, sondern wirken, als hätte man sie gerade erst gedreht.

Die neue Trilogie sieht noch etwas besser aus, wobei „Die dunkle Bedrohung“ im Vergleich zu den beiden folgenden Filmen etwas abfällt. Grund ist, dass dieser noch auf Film gedreht wurde, während „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ mit High-Definition-Kameras gedreht wurden.

Die Episoden II und III sehen nicht weniger als brillant aus. „Schärfer als die Realität“ – das ist hier tatsächlich so. Der Detailreichtum, die farbliche Pracht, die Tiefenwirkung – all das ist extrem beeindruckend. Bei manchen Szenen sieht man nun sogar Elemente, die früher nicht auffielen, etwa bei einer Vogelperspektive-Aufnahme des Jedi-Tempels, bei der man winzige Figuren am Boden laufen sieht.

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Der Ton beider Trilogien ist von sehr hoher Qualität. Allerdings war das deutsche Tonmaterial der alten Trilogie nie so gut wie das Original. Das macht sich hier auch bemerkbar, vor allem in den Dialogen, wo mitunter bei scharfen Lauten ein Zischen zu vernehmen ist. Die neue Trilogie hat dieses Problem natürlich nicht.

Extras noch und nöcher

Es gibt neue Audiokommentare zu den Filmen, wobei diese aber „nur“ aus Interview-Material bestehen, das passend kombiniert wurde. Die Disks 7 bis 9 beinhalten an die zehn Stunden an Bonusmaterial. Geboten sind zeitgenössische, umfangreiche Dokumentationen zur Entstehung der alten Trilogie, aber auch ungewöhnliche Dokumentationen wie „Sternenkrieger gesucht“, die sich mit der 501. Legion befasst.

Eine Box der Superlative.

Dies sind Fans, die sich organisiert haben, Kostüme tragen und auch auf Charity-Events auftreten. Amüsant sind die mehr als 90 Minuten an Star-Wars-Parodien, bei denen Material aus „How I Met Your Mother“, „Conan O’Brien“, „Saturday Night Live“, „Die Muppets“ und vielen anderen Shows zum Tragen kommt.

Das größte Highlight des Bonus-Pakets sind jedoch die entfallenen Szenen zur klassischen Trilogie, die Momente zeigen, auf die Fans schon lange warteten, etwa Lukes Treffen mit seinen Freunden in der Toshe-Station, der Angriff der Wampas auf die Echo-Basis auf Hoth oder der Sandsturm auf Tatooine.