Mehr Action

Das Einspielergebnis war positiv, wenn auch unter den Erwartungen, da die Produktionskosten weit über der Planung lagen, die Kritiken vernichtend, die Zukunft ungewiss. Roddenberrys erster Star-Trek-Kinofilm sollte zugleich sein letzter sein. Man nahm ihm die Kino-Abenteuer aus den Händen und degradierte ihn zum Berater. Womöglich zum Besseren für die Serie, die mit der ersten Fortsetzung gleich den Höhepunkt der zehn Filme umfassenden Kino-Saga markierte. Sci-Fi-Fans, die nicht ihr leben lang hinter dem Mond gelebt haben, wissen um den Kultstatus, den „Star Trek II: Der Zorn des Kahn“ seit der Veröffentlichung 1982 generierte. Geringe Kontinuitätsfehler ausgenommen, geht es um die wohl beste direkte Fortsetzung einer TV-Episode, die je auf Zelluloid gebannt wurde.

50 Jahre Star Trek - Fernsehen für Philosophen

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Der zweite Kinofilm mit Bösewicht Khan ist heute purer Kult, dabei gingen Fans einst gegen den Tod Spocks auf die Barrikaden.
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Bösewicht Kahn Noonien Singh, - personifiziert durch den exzellent spielenden Ricardo Montalban – war nicht nur eine direkte Verbindung in die TV-Ära der Serie, sondern auch ein greifbarer, diabolischer Gegenspieler mit einer persönlichen Vendetta. Geringeres Budget und eher klassisch angehauchte Regiearbeit von Nicholas Meyer schadeten keinesfalls. Allerdings ging Roddenberry das ein oder andere gegen den Strich. Etwa der Entwurf einer Uniform, die sich an Navy-Standards orientierte. Die dicken roten Jacken und schwarzen Hosen samt Seefahrer-Schlag gehören seit jeher zu den favorisierten Outfits unter den Fans, aber dem Schöpfer der Serie gefielen sie nicht, weil sie die Sternenflotte militärischer darstellten, als er es im Sinn hatte. Action dominierte, militärische Traditionen hielten Einzug. Dinge, die Roddenberry stets vermied und die er schon bald korrigieren wollte. Doch bei den Filmen hatte er kaum noch Einfluss.

Der Rest ist Geschichte: Newsfetzen aus Messe-Leaks verrieten den Tod Spocks im Voraus, was in massenhaft Protestbriefen endete. Glücklicherweise ließen sich die Macher der Film-Fortsetzung davon nicht beirren, zumal mit dem Ereignis positive Wendungen für zukünftige Filme einhergingen. Leonard Nimoy konnte die Regie in Teil 3 übernehmen, ohne gleichzeitig vor der Kamera stehen zu müssen. Ein Star-Trek-Interner am Ruder? Für Schöpfer Gene Roddenberry ein positives Zeichen. Er konnte beruhigt dem nächsten Projekt entgegentreten, nämlich dem erneuten Versuch, Phase II der TV-Serie zu zünden.

Ein Franzose als Kapitän
Phase II nach dem Kino-Erfolg? Unmöglich! Niemand zieht den gleichen Hasen zweimal aus dem Hut! Roddenberrys Kollegen und selbst Freunde zweifelten am Erfolg einer weiteren TV-Serie im Schatten der Kinofilme. Doch sie sollten sich irren, denn der inzwischen reifere Geschichtenerzähler hatte die Konsequenzen längst ausgelotet und verfrachtete seine neue Serie zwecks gesteigertem Kontrast kurzerhand in das nächste Jahrhundert. Oder vielmehr über achtzig Jahre nach der ersten Enterprise.

Mit Star Trek: The Next Generation stand nicht nur ein zeitlicher Sprung auf dem Plan. Die Saga sollte auch vom actionlastigen Kinoerlebnis zurücktreten, um im Fernsehen erneut humanistische Werte zu vermitteln. Deutlich zügelloser, wohlgemerkt. Kein Amerikaner-Raufbold / Frauenheld mehr als Kapitän, nein, ein kühl denkender Europäer würde die Mannschaft anführen. Mehr Aliens, ein moderneres Raumschiff mit neuen Lösungsansätzen für die Bewältigung weltlicher Probleme, Zivilisten an Bord und viele andere Neuerungen entsprachen diesmal durchweg Roddenberrys Vorstellungen.

In seiner neu interpretierten Zukunft gab es kein Geld und keine weltlichen Nöte mehr. Simsalabim, alles erscheint aus dem wundersamen Replikator, ob Essen, Kleidung oder was man sonst so benötigt. Konflikte innerhalb der Crew beschränkten sich auf minimale Auseinandersetzungen, da der Mensch gereift ist. Die Gemeinschaft war wichtiger als das Individuum.

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Roddenberrys größter Triumph war die Wiederbelebung der Serie durch Star Trek: Das nächste Jahrhundert.
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Tolle Idee, nur leider eine verdammt zähe Ausgangssituation für Drehbuchautoren, was in den ersten beiden Staffeln nicht zu übersehen war. Ohne interne Konflikte und mit der Absicht, auch nach außen hin friedenstiftend zu agieren, verkam „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ zu einer Art Sozialpädagogen-Freakshow. Friede Freude Eiersalat mit einem Raumschiff voller Zivilisten und Außenmissionen vor Pappmaschee-Kulissen, die noch lächerlicher aussahen als bei der Original-Serie. CBS ging tatsächlich davon aus, dass die Star Trek-Neuauflage keine zwei Staffeln überleben würde.

Aber es kam ganz anders. Das nächste Jahrhundert würde erfolgreicher sein als das Original und – zur Überraschung einiger Darsteller - volle sieben Staffeln durchhalten. Der „Shakespearian Actor“ Patrick Stewart, dessen Manager versprach, er wäre den Job nach einem Jahr wieder los, lernte die Rolle des französischen Captains Jean-Luc Picard erst mit den Jahren zu schätzen.

Sozialismus im Weltraum?

Natürlich musste sich Roddenberry einiges an Kritik gefallen lassen. In den USA und anderen westlichen Staaten waren linkspolitische Ideen mit Anti-Wirtschafts-Ideologien nicht gerne gesehen. Was „Next Generation“ benötigte, war ein moralischer Anker, der Kritiker besänftigte, mehr Spannung in die Drehbücher brachte und zugleich den Kampf für westlich verstandene Freiheit manifestierte. Gebraucht wurde ein Feindbild, und es kam mit den Borg.

Jene Androiden, die durch das Weltraum zogen, um allerlei Spezies zu assimilieren, verkörperten das, was vor allem Amerikaner an linkem Gedankengut hassten, ja gar fürchteten, nämlich die Gleichmacherei des menschlichen Individualismus. Mit ihnen konnten die Schreiber der Serie verdeutlichen, dass ihnen nicht um politische linkslastige Belehrungen ging, und schon gar nicht um jene gesellschaftliche Unterdrückung zugunsten politischer Kasten, die dem augenblicklich zerbröselnden Ostblock zu Schaffen machten. Es ging schlicht um die Idee, dass der Mensch anhand seiner eigenen Ambitionen zu einem reiferen Wesen heranwachsen könnte.

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Haben denkende und eigenständig handelnde Androiden Rechte? Dürfen sie "Nachwuchs" heranziehen? Star Trek sprenge oft die Grenzen üblicher Philosphie.
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Solche Ideen waren zwar im Fernsehen unerhört, aber fruchteten. Immerhin war der bekannteste Kinofilm der Star Trek Reihe inzwischen Teil 4 – ein Film, in dem mit der Umsiedlung von Buckelwalen Umwelt- und Tierschutz zum Thema gemacht wurden. Stoff, den man zuvor zu automatischen Rohrkrepierern erklärt hatte, weil Dokus und Kunstfilme dieses Schlags stets an der Kinokasse versagt hatten.

Roddenberrys Traum war der einer gerechten, einer erwachsenen Menschheit, die sich nicht mehr um Ressourcen stritt oder aus Neid und anderen niederen Motiven handelte. Eine Menschheit, die reif genug ist, den Weltraum zu erforschen, ohne alles niederzuschießen, was zuerst nach einer Bedrohung aussieht. Kommunikation, Verständnis, Entgegenkommen, das Abbauen von Vorurteilen gegenüber Fremden – das ist, was Star Trek zu seiner Glanzzeit vermittelte, und was heute in der Fernsehlandschaft fehlt. „Darmok und Jalad“ ist der Name einer Folge der „Next Generation“, die diese Botschaft beispielhaft vermittelt. Zwei Raumschiffkapitäne stehen hier auf sich gestellt einer Bedrohung gegenüber und müssen lernen, trotz Sprachbarriere miteinander zu kommunizieren, sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen.

Leider verstarb Gene Roddenberry noch bevor die letzte TNG-Staffel abgedreht wurde. Das letzte, was er von seinem Werk zu sehen bekam, war ein Rohschnitt des Kinofilms „Star Trek 6: Das unentdeckte Land“. In der Tat eine der erfolgreichsten und inhaltlich besten Filme der Reihe, aber bei Gene nicht übermäßig beliebt. Er konnte sich nicht damit abfinden, dass James T. Kirk eine geradezu rassistische Abneigung gegenüber den Klingonen pflegte, und ausgerechnet dann, wenn sie am ehesten Hilfe benötigten, ja gar den Arm zur Friedensschließung ausstreckten, sie ihnen verweigern wollte. Der Schöpfer von Star Trek hatte ein utopisches, ja gar ein wenig naives Bild der Menschheit, das jegliche Spannung aus den Geschichten nahm. Aber letztendlich ist es doch eine Menschheit, wie man nur hoffen kann, dass sie eines Tages mal sein wird. Somit hinterließ er weit mehr als nur eine Fernsehserie. Roddenberry hinterließ eine Idee, an der die Menschheit wachsen könnte, wenn sie denn daran interessiert wäre. Der aktuellen Entwicklung politischer Verhältnisse zufolge besteht ein solches Interesse aber nicht. Bedauerlich!

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