Oft hat man das Gefühl, dass im Bereich des Zombie-Films mittlerweile alles getan und gesagt ist, aber dann gibt es doch immer mal wieder einen Film, der auf neue Ideen kommt. So der britische „Stalled“, der fast ausschließlich in einer Toilettenkabine spielt. Damit kommen Autor Dan Palmer und Regisseur Christian James nicht nur den begrenzten Möglichkeiten des Budgets entgegen, sondern erfüllen sich auch den Traum vieler Filmemacher: eine Geschichte auf extrem begrenztem Raum zu erzählen.

Stalled - Offizieller Trailer

W.C. (Dan Palmer) ist ein Hausmeister, der sich während einer Weihnachtsfeier auf die Damentoilette zurückzieht. Während er in einer der Kabinen sitzt, kommen zwei leicht bekleidete Damen daher. Sie bemerken ihn nicht und fangen an, miteinander rumzumachen – bis die eine sich in einen Zombie verwandelt und die andere anfällt.

Stalled - Fantastischer Schwachsinn: die lebenden Toten müssen aufs Klo!

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Zombies auf der Toillette. Dass man aber auch nirgendwo seine Ruhe haben kann.
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W.C. kommt aus der Toilette nicht mehr heraus, da sich immer mehr Zombies vor den Kabinen tummeln. Zwei Häuschen weiter sitzt Eve, die sich auch nicht mehr heraus traut. Beide überlegen, wie sie dem Zombie-Albtraum entkommen können. Die Stunden vergehen, die Gespräche werden tiefsinniger. So manche Überraschung erwartet W.C. und Eve, für die diese Klopause fast zu so etwas wie einem Date wird. Nur dass es zwischendrin immer wieder blutig zugeht …

Der neue Shaun?

Autor Kim Newman nannte „Stalled“ einen „würdigen Anwärter auf den Thron von Shaun of the Dead“. Das ist hohes Lob aus durchaus berufenem Munde, aber gar so weit sollte man wirklich nicht gehen. Zwischen „Shaun of the Dead“ und „Stalled“ liegen schon noch Welten. Sowohl in der Humordichte als auch der technischen Umsetzung. „Stalled“ merkt man immer wieder an, dass relative Amateure am Werk waren. Aber es ist sicherlich auch richtig, dass der ökonomisch kurze Film mit einer Nettolaufzeit von etwa 70 Minuten flott erzählt ist und keine Langeweile aufkommen lässt.

Er ergeht sich nicht in Gore-Szenen, obwohl es ein paar diesbezügliche Momente schon gibt. Der Humor ist, obschon man das angesichts der Prämisse erwarten könnte, nicht infantil, sondern aus der Situation geboren. Die Dialoge hätten bisweilen etwas cleverer ausfallen können, dafür weiß „Stalled“ aber mit der Charakterisierung seiner beiden Hauptfiguren zu punkten.

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Dan Palmer in der Rolle des Hausmeisters W.C.
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Denn inmitten des Zombietreibens findet der Film auch immer wieder die Ruhe, die Figuren zu vertiefen. Das sind kurze Momente, in denen sich W.C. und die Frau unterhalten – zwei Fremde in einer Ausnahmesituation, die darum auch deutlich offener sind, als man das ansonsten wäre.

Alberne und spannende Horrorkomödie, die man nicht im Klo runterspülen will. Dafür ist sie einfach zu sympathisch.Fazit lesen

Eng ist es

Die Idee, einen Film fast ausschließlich in einer Toilettenkabine spielen zu lassen, ist durchaus kühn. Es ist auch etwas Neues für den Zuschauer, allerdings muss man schon sagen, dass man zur Stundenmarke, als W.C. die Klos hinter sich lässt, schon auch der Moment überfällig ist, die Geschichte größer aufzuziehen.

Regisseur Christian James lässt sich zwar einiges einfallen, um den Film trotz des beengten Raums visuell interessant zu machen, die Möglichkeiten, in und um eine Toilettenkabine herum zu filmen, sind aber natürlich begrenzt. Darum ist es schon erfrischend, dass es zwischendrin mal eine Drogenhalluzination gibt, die zugleich eine amüsante Parodie auf Michael Jacksons „Thriller“ ist.

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Und wie war dein Tag so?
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Zwei sind einer zu viel?

In erster Linie ist „Stalled“ eine One-Man-Show für Autor Dan Palmer, der auch die Hauptrolle spielt. Die andere Hauptfigur, Eve, ist nur stimmlich präsent. Man sieht sie erst sehr spät im Film. Das ist aufgrund der gewünschten Pointe notwendig, schwächt aber den Film etwas. Als Zuschauer ist es schwer, ein Gefühl für sie zu entwickeln.

Mehr als einmal fragt man sich, ob sie vielleicht nur in der Einbildung von W.C. existiert, was auch damit zu tun haben mag, dass sie inmitten dieser albtraumhaften Situation ein paar höchst unpassende Witze zum Besten gibt. Aber gut, ein paar davon beschwören tatsächlich Lacher herauf.