Wenn Harmony Korine (Drehbuch zu „Kids“), das Enfant Terrible des amerikanischen Independentfilms, ein neues Werk vorstellt, dann ist das per se interessant. Weil Korine Filme erschafft, die weniger durch ihre Narrative als vielmehr durch ihre Erlebniswelten faszinieren.

Spring Breakers - Red Band "Behind the Scenes Photos"10 weitere Videos

Umso interessanter wird das Ganze natürlich, wenn er eine Reihe angesagter junger Starlets in Hauptrollen besetzt. Wer nun jedoch glaubt, mit „Spring Breakers“ würde Korine sich dem Mainstream annähern, der irrt ordentlich. Der „Kids“-Autor verschafft seinen Stars vielmehr die Möglichkeit, aus ihrem Teeniestar-Käfig auszubrechen.

Vier Studentinnen wollen zum Spring Break in Florida – allerdings mangelt es an dem dafür notwendigen Kleingeld. Darum beschließen drei – Brit (Ashley Benson), Candy (Vanessa Hudgens) und Cotty (Rachel Korine) – ein Restaurant zu überfallen. Mit dem erbeuteten Geld geht es in Richtung Dauerparty, wobei sie ihre Freundin Faith (Selena Gomez) mit im Schlepptau haben.

Der Spring Break erweist sich als das, was die vier Mädchen sich erträumt haben: Alkohol, Drogen, Party, Spaß. Aber dann werden sie wegen Drogenbesitzes verhaftet. Das Geld für die Kaution fehlt, allerdings mag Rapper und Drogenhändler Alien (James Franco) die Mädchen und kauft sie frei.

Faith erliegt Aliens Charme nicht, aber die anderen werden ihm hörig – und er ihnen. Es beginnt eine verhängnisvolle Abhängigkeit voneinander, nach der ihrer aller Leben nie wieder so sein wird, wie es einmal war.

Spring Breakers - Sex, Drugs and Rock’n‘Roll, Bitches!

alle Bilderstrecken
Was auf den ersten Blick nach frivolem Partyfilmchen aussieht, ist in Wirklichkeit höchst experimentelles Independentkino.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 60/621/62

Fühlen und Sehen

Was in der Inhaltsangabe vielleicht wie ein ganz gewöhnlicher Film anmutet, ist in Wahrheit kühnes Experimentalkino, das sich weniger für die Geschichte, als vielmehr für seine metaphorische Aussage interessiert. Korine gestaltet seinen Film als eine Geschichte der Verpuppung.

Packshot zu Spring BreakersSpring Breakers kaufen: ab 7,68€

Er nimmt vier junge Frauen und stürzt sie in ein Abenteuer, das sie ganz und gar verändert – jede von ihnen auf sehr eigene Art und Weise. Keines der Mädchen ist nach dem Spring Break noch das gleiche, auch wenn sie alle an ihre Universität zurückkehren. Doch sie haben die Düsternis erlebt und gespürt – in ihrer Umwelt, aber auch in sich selbst.

Disney-Stars vor!

Die Besetzung ist Korines Coup. Neben seiner Frau Rachel hat er drei Teenie-Stars besetzt, die hier völlig gegen den Strich spielen. Lediglich Selena Gomez‘ Figur wird unschuldiger gezeichnet, als es in diesem Film üblich ist. Ihre Faith ist – der Name gibt es vor – eine gläubige Frau. In einer der plumperen Sequenzen seines Films stellt Korine den Spring Break als fast religiöse Erfahrung einer Montage gegenüber, in der Faith in einer Kirchengruppe betet.

Von den Stars sollte man sich nicht täuschen lassen. Dies ist keine geradlinige Komödie, sondern kühnes Independentkino, das mit seiner Form und Geschichte experimentiert.Fazit lesen

Sie ist auch die erste, die sich Aliens Anziehungskraft entzieht. Aber anders als ihre Freundinnen ist sie ihm nie wirklich erlegen. Die anderen drei Mädchen sind jedoch drauf und dran, ein neues Leben zu beginnen, abseits aller Konventionen und Erwartungen, frei von Zwängen und Normen, ganz und gar sich selbst erfindend und definierend.

Sie leben, so postuliert es Korine in wenig verklausulierter Form, den amerikanischen Traum, der längst bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Ihm hält Korine mit seinem Film den Spiegel vor, entlarvt ihn als das, was er längst geworden ist: Erfolg, für den man über Leichen gehen muss.

Ein sympathischer Verbrecher

So paradox es erscheint, gelingt es „Spring Breakers“, James Francos Figur unglaublich sympathisch erscheinen zu lassen. Man vergisst fast, dass er ein Drogenhändler ist, der mit Waffen hantiert und auch weiß, wie er sie benutzen muss. Dass Franco sich von diesem Film angezogen fühlte, überrascht nicht. Der Mann ist vom Ungewöhnlichen fasziniert. Die Bilderwelten, die Korine ersinnt, dürften ganz und gar Francos ästhetischem und intellektuellem Empfinden entsprechen.

Spring Breakers - Sex, Drugs and Rock’n‘Roll, Bitches!

alle Bilderstrecken
Fucked up! Spring Breakers führt den amerikanischen Traum als pervertiertes Wunschdenken vor.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 60/621/62

So gibt es bizarre Bildkompositionen, die „Spring Breakers“ weit abseits jedweder Konformität verankern. Wenn Franco am Pool auf dem Klavier einen Britney-Spears-Song anstimmt und die drei Mädchen in Bikinis, rosa Mützen und Knarren um ihn herum tanzen, transzendiert der Film zu einem Panoptikum des Surrealen.