Julius Averys Langfilm-Debüt erzählt die Geschichte von Gewalt, Verrat, Liebe und dem ganzen Kram, den man schon tausend Mal gesehen hat. Das ist ja auch nicht weiter tragisch, so lange sie wenigstens gut erzählt wird. Oder spannend. Oder abwechslungsreich. Hauptsache nicht der gleiche Käse wieder und wieder nach oben gewürgt. Manchmal ist es aber auch Mischbrei, der unseren Rachen ein zweites Mal besucht. Den Geschmack des größten Brockens kennt man, aber von einigen Noten ist man sich nicht sicher, wann man das eigentlich gegessen hat. So oder so ähnlich dürft ihr euch „Son of a Gun - Jeder kriegt das was er verdient“ vorstellen.

Son of a Gun - Jeder kriegt das was er verdient - Offizieller DVD Trailer

Brother from another mother

Der Grundstein der Geschichte von „Son of a Gun“ ist so ein Beispiel für Dinge, die man einfach schon zu oft hatte. Ein junger Mann begeht eine kleine Dummheit und kommt ins Gefängnis. Dort hat er Probleme, sich den Regeln und Gesetzen der Knastbrüder anzupassen und so dauert es nicht lange, bis er echte Probleme an der Backe hat. Doch zu seinem Glück ist einer der größten Gangster des Landes auf ihn Aufmerksam geworden und hilft ihm aus der Patsche.

Als Gegenzug soll der Jüngling, sobald er seine recht kurze Haft abgesessen hat, dabei helfen, den kriminellen Wohltäter aus dem Knast zu befreien. Als Belohnung darf dieser bei einem ganz großen Raubüberfall mitmachen und ein Vermögen verdienen. Dann gibt es da natürlich noch eine Frau, in die sich der junge Kerl verliebt und irgendwann geht alles irgendwie ganz böse schief. Alter Käse eben.

Son of a Gun - Jeder kriegt das was er verdient - Diesen Film hab ich doch schon mal gesehen!?

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Der Film erscheint am 14.04.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Routine

Jetzt ist der Punkt gekommen wo man sagt: „Na, ja. Irgendwann sind halt die gröbsten Storyabläufe alle schon mal irgendwie in in irgendeiner Form dargestellt worden.“. Das wäre dann also der Moment, wo der Film mit besonderen Einfällen punkten könnte und müsste, sofern er sich denn von der Masse an „Direct to DVD“-Schund abheben will, der wöchentlich auf den Markt geschwemmt wird, wie Müll an die entlegenen Strände dieser Welt.

Doch hier kann „Son of a Gun“ nur mit zwei Pro-Punkten prahlen. Zum einen ist der Film schön rasant erzählt und lässt kaum Langeweile aufkommen, zum anderen gefällt die australische Landschaft des Streifens. Visuell äußerst gefällig.

Der Rest ist Routine. Ohne die zu gewollt wirkende Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und der Gangsterbraut, wäre die Bewertung vielleicht etwas höher gewesen, denn diese bremst die flotte Erzählung unnötig ab und das Publikum ist in einem Thriller sowieso eher an der Struktur und den Machenschaften der kriminellen Bande und ihrer Figuren interessiert, als an ihren liebestollen Eroberungen. Leider geht "Son of a Gun" wenig auf die Beweggründe der Hauptfigur ein und lässt den Grund für die meisten Entscheidungen im Dunkeln.

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Kennen wir leider alles schon. Schade.
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Die einzelnen Figuren bleiben leider ebenfalls recht Form- und Ideenlos. Alle wirken wie aus Schubladen entkommen, in denen Charaktere der letzten 20 Jahre aus Film und Fernsehen eingesperrt wurden. Wer nicht erst seit gestern Krimis und Thriller guckt, wird jede Person in dem Film wiedererkennen. Nur mit dem Unterschied, dass keiner von ihnen wirklich mehr zu bieten hat als das, was nach den ersten zwei Minuten ersichtlich wird.

Und auch wenn Ewan McGregor und Brenton Thwaites durchaus gut spielen, erscheinen sie doch den ganzen Film über etwas lustlos. Das wirkt sich auch auf das Bauchgefühl aus, welches die gesamte Zeit über dominant in den Vordergrund tritt und brubbelnd und glucksend darauf aufmerksam macht, dass man seine Zeit momentan auch besser verbringen kann.

Gefälliger Thriller mit Schablonengeschichte. Kann man gucken - muss man aber nicht.Fazit lesen

Am Ende hat man einen Film gesehen, den man schon kennen dürfte und die Geschichte von Leuten gehört, die man schon getroffen hat. „Son of a Gun“ ist keinesfalls ein schlechter Film. Er ist nur einfalls- und lustlos. Man kommt nicht umher, nach den Credits an eine große Bestie zu denken, die keine Lust mehr hatte, sich weiter zu bewegen als vom Schlafplatz bis zum Fressen. Genauso präsentiert sich dieser Thriller. Gewaltige Möglichkeiten: ungenutzt.

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