In diesem Jahr gibt es im Kino mehrmals Märchenstunde. „Snow White and the Huntsman“ will das altbekannte Märchen der Gebrüder Grimm jedoch erwachsener erzählen. Oder zumindest als großes Fantasy-Spektakel. So darf man sich auch nicht wundern, dass hier ein Troll auftaucht, dessen Existenzberechtigung lediglich Erschrecken des Huntsmans ist, dann aber ohne große Erklärung einfach von dannen zieht. Aber wir schweifen ab. Alles beginnt – wie könnte es auch anders sein? – mit altbekannten Worten.

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Es war einmal vor langer Zeit ein Königreich, in dem herrschte Wohlstand und Friede, doch als die Frau des Königs stirbt, verdunkelt sich sein Herz. Es ist von Trauer geplagt und wird erst wieder froh, als es der wunderschönen Ravenna gewahr wird. Schon am Tag darauf heiraten der König und Ravenna, die ihren Gemahl in der Hochzeitsnacht umbringt. Mit ihrer Armee reißt sie nun das Königreich an sich und kerkert Snow White, die Tochter des Königs, ein.

Jahre später muss Ravenna von ihrem geliebten Spiegel erfahren, dass sie nicht mehr die Schönste im Lande ist. Das ist nun Snow White. Mehr noch: Wenn sie Snow Whites Herz verschlingt, wird sie ewige Jugend erleben. Bevor sie die Tat vollbringen kann, gelingt Snow White die Flucht in den Dunklen Wald.

Snow White & the Huntsman - Märchenstunde für die Generation Herr der Ringe

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"Twilight"-Star Kristen Stewart als Schneewittchen... pardon, Snow White.
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Man schickt ihr den Huntsman hinterher, der sie flugs findet, aber dann seine Meinung ändert und ihr hilft. Er erklärt sich bereit, sie zu Duke Hammond zu bringen, wo Snow White den Widerstand organisieren und danach mit einer Armee ausrücken will, um Ravenna zu vernichten und das Land wieder aufblühen zu lassen.

Modernes Märchen

In „Snow White and the Huntsman“ ist Snow White – ja, man belässt es auch in der Synchronisation abstruserweise beim englischen Namen – nicht die Maid, die in Gefahr schwebt und dieser nur entgehen kann, weil ihr ein schnieker Held und mehrere Zwerge helfen. Sie braucht Hilfe, das ist schon wahr, allerdings ist diese Snow White sehr viel selbstbewusster, stärker und gewillt, in den Krieg zu ziehen.

Macht sie am Ende auch. Und hey, das ist mutig, denn die Kleine hat gerade mal ca. 20 Sekunden Kampftraining vom Huntsman bekommen. Mehr nicht, aber das reicht, um am Ende in schimmernder Rüstung schwertschwingend richtig aufzuräumen.

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Man sieht schon, mit der Logik sollte man es so genau nicht nehmen. Denn es gibt noch mehr hanebüchene Momente, die zumeist nur dadurch gnädig überspielt werden, dass gefällige Action einsetzt.

Snow White & the Huntsman - Märchenstunde für die Generation Herr der Ringe

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Die Schönste im Land?Charlize Theron als böse Königin.
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Die Königin und die Zwerge

„Snow White and the Huntsman“ leidet etwas darunter, dass die Heldenfiguren – Snows alter Freund William oder der sich wegen des Verlusts seines Weibes sich grämende Huntsman – recht schwach ausgeprägt sind. Auch Snow White wirkt oftmals anämisch, aber das mag weniger an der Rolle als vielmehr an Kristen Stewart liegen, die als Märchenfigur hier schon wieder zwischen zwei Männern steht, sich eigentlich entscheiden müsste, aber im Verlauf der Geschichte einfach nicht dazu kommt.

Ein Märchen als großes Fantasy-Epos. Defizite bei Handlungsträgern und der Geschichte werden durch Action und Spektakel wettgemacht.Fazit lesen

Grandios ist indes Charlize Theron, die als böse Königin eine erstaunlich vielschichtige Darstellung abliefert. Sie ist in der Lage zu lieben, sie hat Gründe dafür, warum sie ist, wie sie ist, und sie folgt – unbeachtet all des Schlechten, das sie tun muss – dem Pfad, den sie für den richtigen hält. Das macht Ravenna nicht sympathisch, aber es macht sie interessant. Und zwar mehr als alle Heldenfiguren zusammen. Abgesehen vielleicht von den Zwergen.

Die tauchen erst spät im Film auf und haben im Grunde auch kaum charakterbildende Momente, aber das wird wettgemacht, da sie von Mimen wie Ian McShane, Toby Jones, Bob Hoskins, Ray Winstone und Nick Frost gespielt werden, die alle mit Versatzstücken ihrer bekanntesten Rollen arbeiten und damit auch die Zwerge angenehm lebendig werden lassen.

Snow White & the Huntsman - Märchenstunde für die Generation Herr der Ringe

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Action à la Herr der Ringe: Schneewittchen, wie es sich die Gebrüder Grimm nie erträumt hätten.
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Herr der Ringe light

Teilweise hat man das Gefühl, den Gefährten zuzusehen, wie sie durch Mittelerde marschieren. Zwar kommt „Snow White and the Huntsman“ nicht an die Größe der Tolkien-Trilogie heran, aber im Bereich der höher budgetierten Fantasy ist der Film durchaus sehenswert – auch wenn man, wie oben angeführt, in Teilbereichen Abstriche machen muss.

Jedes Defizit macht der Film durch ein hohes Maß an Action und ein paar visuell wirklich tollen Ideen wett (Pilze mit Augen!). Hin und wieder gelingen ihm gar Momente, die Gänsehaut-Feeling verursachen, etwa als Snow White im Land der Feen auf eine Kreatur trifft, die niemand erwartet hätte.