Man ist es gewöhnt, den ehemaligen Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson entweder in Komödien oder in Actionfilmen zu sehen. „Snitch“ hat eine gewisse Verwandtschaft mit letzterem – es gibt auch ein paar Shootouts –, aber unterm Strich ist dies eher ein Drama mit Thriller-Elementen, das dem Schauspieler die Gelegenheit gibt, sich einmal in anderer Form zu präsentieren. Das gelingt ihm recht gut, der knallharte Actionheld ist er hier nicht, wohl aber ein Vater, der bereit ist, alles für seinen Sohn zu tun.

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Jason (Rafi Gavron) erhält von einem Freund ein Päckchen, in dem sich Drogen befinden. Schon im nächsten Moment wird er verhaftet. Sein Kumpel hat diese Verhaftung arrangiert, um selbst mit einer geringeren Strafe davonzukommen. Die Staatsanwaltschaft greift auf solche Deals zurück, um weitere Drogenhändler verhaften zu können. Jason wiederum weigert sich, jemanden zu belasten, da er niemandem das antun will, was ihm gerade geschieht. Ihm drohen jedoch zehn Jahre Haft.

Snitch - Ein riskanter Deal - Mehr Drama als Action: The Rock mal anders

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Dwayne "The Rock" Johnson in einer ungewöhnlich dramatischen Rolle.
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Das will sein Vater John (Dwayne Johnson) nicht einfach so hinnehmen. Der Fuhrunternehmer spricht mit Staatsanwältin Joanne Keeghan (Susan Sarandon) und handelt einen Deal aus. Er liefert die Verhaftung eines großen Fischs, dafür wird die Strafe seines Sohns verringert.

Über einen seiner Angestellten, der erst vor kurzem aus dem Knast kam, findet John Kontakt zu einem Drogenkartell, dem er seine Lieferwagen anbietet, um mit ihnen Drogen zu schmuggeln. Dabei lässt sich John auf ein gefährliches Spiel ein, da es plötzlich nicht mehr nur um die Freiheit seines Sohnes, sondern auch um sein eigenes Leben geht.

Das System mit den Drogen

„Snitch“ basiert auf einer wahren Geschichte. Oder besser: Das System, das er porträtiert, ist real. Er illustriert recht beeindruckend, wie ein Deal-System der US-Justiz, das dazu gedacht war, an die ganz großen Drogendealer heranzukommen, längst ins Gegenteil verkehrt wurde und dafür sorgt, dass Kleinkriminelle oder Abhängige mit gewaltigen Strafen Jahre oder Jahrzehnte weggesperrt werden.

Das ist ein interessantes Thema. Typisch Hollywood ist jedoch, dass Dwayne Johnsons Sohnemann natürlich absolut unschuldig ist. Der Authentizität hätte es nicht geschadet, wenn man ihn mit etwas weniger weißer Weste gezeichnet hätte. Auch in anderen Bereichen schrammt der Film natürlich an einem realistischen Ambiente vorbei, etwa bei dem Überfall auf den Lastwagen bzw. der Verfolgungsjagd am Ende.

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Ein bisschen Action muss aber natürlich auch sein.
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Bei diesen Sequenzen ist Regisseur Ric Roman Waugh zu sehr darauf bedacht, es möglichst cool aussehen zu lassen, geradeso, als hätte er am liebsten einen reinrassigen Actionfilm inszeniert. Das wäre bei seinem Hintergrund als Stuntman nicht ungewöhnlich, aber dann hätte er auch das dafür entsprechende Skript schreiben müssen.

Zwei Familien für The Rock

„Snitch“ ist in erster Linie ein Drama mit Thriller-Elementen. Unterstützt wird dies auch durch ein interessantes Familiengefüge, das man Johnsons Figur gegeben hat. Er hat einerseits eine Ex-Frau und einen Sohn, der nun sitzt, andererseits eine neue Frau und jungen Nachwuchs, der ihn braucht. Die Fehler der Vergangenheit will der Fuhrunternehmer nicht wiederholen, aber er muss dafür alles riskieren, da er Gefahr läuft, nicht nur seine erste, sondern auch seine zweite Familie zu verlieren.

Kein Actionfilm, aber eine Mixtur aus Drama und Thriller, die auch ein paar Actionpassagen besitzt. The Rock darf sich mal in einer etwas anderen Rolle austoben.Fazit lesen

Der Widerspruch, beiden gerecht zu werden, bietet Johnson die Gelegenheit, schauspielerisch in Terrain vorzustoßen, das ihm ansonsten eher verwehrt ist. Und man muss sagen: Er schlägt sich wirklich gut, wenn er eine Verwundbarkeit zeigt, die nur einem hingebungsvollen Elternteil innewohnen kann.

Uneinheitliche Erzählung

„Snitch“ ist ein relativ durchschnittlicher Film, der die Vorteile, die das gute Ensemble – Susan Sarandon, Barry Pepper, Jon Bernthal und Benjamin Bratt – bietet, nicht ganz ausnutzen kann. Das Skript ist nicht immer stimmig, speziell im Mittelteil ergeben sich langatmige Strecken, die mit einer Straffung deutlich wirkungsvoller hätten sein können.

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Snitch ist u.a. mit Susan Sarandon hochkarätig besetzt, zieht daraus aber nur wenig Kapital.
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Oftmals lebt der Film eher von seinen Darstellungen als von seiner Inszenierung. Speziell das Zusammenspiel von Johnson und Bernthal weiß zu gefallen. Ein paar der anderen Schauspieler bleiben schlichtweg unterfordert, vor allem gilt dies für Pepper, der als Undercover-Cop eine Menschlichkeit an den Tag legt, die Susan Sarandons Figur abgeht.

Für Regisseur Waugh ist dieser Film indes mehr ein weiterer Lernschritt. Er verbessert sich, seit er vor mehr als zehn Jahren das Stuntgewerbe an den Nagel gehängt hat. Aber er ist noch nicht angekommen, einen richtig guten Film abzuliefern. Ordentlicher Durchschnitt ist aber auch mehr, als man erwarten konnte.