Es ist der Mief der Kleinstadt, der „Small Town Murder Songs“ durchzieht. Vom ersten Moment an wittert man ihn, fühlt sich gefangen in einer Gesellschaft, in der jeder jeden kennt. Schlimmer noch, in der jeder jedermanns dunkelste Stunden kennt – und man sich darüber hinter vorgehaltener Hand die Mäuler zerreißt.

Small Town Murder Songs - Offizieller Trailer (US)

Diese Welt beschwört Ed Gass-Donnelly mit seinem Film herauf. Er erzählt von einem Verlorenen, einem Mann, in dessen Inneren es brodelt. Ein Polizist, denn Männer in solchen Geschichten sind immer Polizisten. Wohl, weil es die Natur des Jobs ist, dass er Männer vernichtet, auch wenn Kleinstadt-Cops davor gefeit sein sollten.

Irgendwo im Nirgendwo, eine Kleinstadt, in der man nicht tot über dem Zaun hängen will. Aber eine junge Frau ist hier gestorben. Eine Fremde, nackt und geschändet hier zurückgelassen. Polizist Walter (Peter Stormare) ist einer der Ersten am Tatort. Eigentlich wäre er für die Ermittlungen zuständig, doch einen Mord hat er noch nie gehabt und so erhält er von der Ontario Provincial Police Unterstützung.

Die Ermittlungen beginnen, aber für Walter steht der Schuldige schon fest: Steve (Eric McIntyre), der neue Freund seiner Ex Rita (Jill Hennessy). So stellt sich die Frage, ob es Steve wirklich war oder ob sich Walter nicht nur wünscht, dass er es gewesen sein könnte. Selbst wenn er es war, so ist es schwierig, ihm das nachzuweisen, da jeder Anwalt erklären würde, Walter würde eine Privatfehde gegen den Mann führen. Und vielleicht ist es auch so, ist er doch in seiner Stadt ein Ausgestoßener, nachdem er Monate zuvor die Beherrschung verloren und in eine Prügelei geraten ist.

So wird Walter von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt, die in der Gegenwart so viel lebendiger und schöner erscheint als alles, was ihm im Leben geblieben ist…

Small Town Murder Songs - Kleine Morde unter Nachbarn

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Jeder kennt hier jeden - und jeder hat ein düsteres Geheimnis.
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Der tiefe Blick in die Seele

Gass-Donnelly hat Glück, dass er für die Hauptfigur seiner außergewöhnlich kurzen Geschichte einen Schauspieler vom Format eines Peter Stormare verpflichten konnte. Der Schwede ist ein Chamäleon, der nicht nur Rollen spielt, sondern zu dem Menschen wird, den er darstellt. Wo das Skript bei weitem nicht genügend Material bereit hält, um Stormare zu bedienen, schafft er es dennoch, sich über die behäbige Geschichte zu erheben und Momente emotionaler Tiefe zu präsentieren, die bei geringeren Mimen wohl nicht zu finden gewesen wäre.

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So hat der Regisseur es seinem Star zu verdanken, dass „Small Town Murder Songs“ besser ist, als er sein sollte. Denn an der spannungsfreien Geschichte liegt es nicht. Dies ist ein Krimi, in dem es gar nicht um die Frage geht, wer der Killer ist. Der Film präsentiert ohnehin nur einen Verdächtigen und braucht lediglich eine gute Stunde, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

Visuell und musikalisch sehr schöner Film mit einem großartigen Peter Stormare, der jedoch an der langatmigen Inszenierung und der substanzschwachen Geschichte leidet.Fazit lesen

So muss man annehmen, dass es Gass-Donnelly nicht um den Krimi-Aspekt ging. Ihn interessierte das Psychogramm eines Polizisten, eines Mannes, der von seiner Freundin entsorgt wurde und darüber fast schon die Züge eines Stalkers annimmt. Dass man dies – zumindest teilweise – spürt, ist Stormares Verdienst.

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Wer kann hier wem trauen?
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Für Auge und Ohr

„Small Town Murder Songs“ verschwindet inhaltlich geradezu in der Versenkung. Es gibt kaum etwas, das den Zuschauer bei der Stange halten kann. Wären da nicht die Kameraarbeit von Brendan Steacy und die Musik von Bruce Peninsula. Sie beide erheben den Film über sich selbst. Ersterer, weil er stimmungsvolle Bilder einfängt, die zum Verweilen und Staunen einladen, Letzterer, weil er die Geschichte mit Songs unterlegt, die fast wie ein Fremdkörper wirken, aber auch den religiösen Gehalt der Geschichte akzentuieren.

Dass es eine Geschichte von biblischen Ausmaßen ist, serviert Gass-Donnelly mit dem Holzhammer, indem er immer wieder Bibelzitate in großen Lettern platziert. Dass es die gemeinhin bekannten sind, die dementsprechend schon fast mit Plattitüden gleichzusetzen sind, stört ihn nicht. Als Zuschauer mag, kann und soll man das aber anders sehen.