Wenn das keine albtraumhafte Vorstellung ist: Abend für Abend schleicht sich der hauseigene Portier in die Wohnung einer jungen Frau und beobachtet sie während ihres Schlafes. Jede Nacht betäubt er sie, durchwühlt und benutzt ihre Sachen, vergeht sich unbemerkt an ihr. Und tagtäglich begrüßt sie im Foyer des Mietshauses nichts ahnend eben jenen Mann mit einem strahlenden Lächeln, der ihre intimsten Geheimnisse kennt.
Ein Psychothriller voller Gemeinheiten und bitterem Zynismus, dessen Prämisse jedoch nach der Handschrift eines Meisterregisseurs verlangt.FazitEin eigentlich ganz fassbarer, ganz plausibler Schrecken, der ein heimliches Eigenleben im Verborgenen und jenseits unserer Wahrnehmung führt, der so konkret wie doch undeutlich scheint und dabei tiefste Urängste in Kraft setzt. Das ist die gemeine Prämisse des Psychothrillers „Sleep Tight“. Der spanische Regisseur Jaume Balagueró, Genrefreunden durch seine Gruselerzählung „Darkness“ oder die Mitarbeit an den „Rec“-Filmen längst ein Begriff, inszenierte mit ihm seinen ersten wieder selbst verantworteten Film seit sieben Jahren.
Der Concierge César (Luis Tosar) sagt, er könne nur dann Glück empfinden, wenn er die Menschen um ihn herum leiden sieht. Die stets gutgelaunte, ihm allmorgendlich zulächelnde Clara (Marta Etura) muss ihm also ein besonderer Dorn im Auge sein. Jede Nacht ist er ihr näher, als sie je annehmen könnte, und lässt die junge Frau das in anonymen Drohbriefen auch genüsslich wissen. César ist, wie der Regisseur anmerkte, eine Art Anti-Amélie: In seiner fabelhaften Welt kann er nicht anders, als Mitmenschen Unrechtes tun.
Tagsüber der liebe und nette Concierge, in der Nacht ein Monster.Eines Nachts jedoch wird die bizarre Prozedur des galanten Psychopathen unterbrochen: Clara kommt am Abend nicht allein heim, sondern mit ihrem Freund. Durch ein Missgeschick inhaliert der geheime Eindringling selbst das Betäubungsmittel und erwacht erst am nächsten Morgen. In dieser spannendsten Szene des Films dreht sich Césars perfides Spiel plötzlich um, sein täglicher Zufluchtsort – Claras Wohnung – wird zur nervenaufreibenden Falle.
Interessant ist, wie Balagueró in diesem Abschnitt das ambivalente Verhältnis zwischen gemütskrankem Protagonisten und Publikum zuspitzt, das mindestens zeitweise zur Identifikation mit César verleitet wird. Aus der Frage, ob es dem gleichermaßen abstoßenden wie bemitleidenswerten Portier gelingen wird, die Wohnung so unbemerkt verlassen zu können, wie er sich auch Zutritt zu ihr verschaffte, generiert Balagueró einige sehr mitreißende Suspense-Momente.
Die Idee zum Film habe er selbst getestet, verriet Balagueró auf den Fantasy Filmfest Nights, wo „Sleep Tight“ seine Deutschlandpremiere feierte. Seiner Frau hätte er gesagt, er würde zur Arbeit gehen, legte sich aber stattdessen wie César unbemerkt unter ihr Bett. Method Directing müsste man das wohl nennen. Letztlich spielt die Plausibilität der Idee als solche aber natürlich auch gar keine Rolle, der Film ist nahezu konsequent aus der Perspektive Césars erzählt, teilt also dessen verzerrte Eindrücke und Verhältnisse.
Unterm Bett verändert sich für ihn die Welt.„Sleep Tight“ ist dabei ein immer wieder spannender, abgründiger und auch fieser psychologischer Thriller, dessen wirklicher Horror schlussendlich aber doch auf allzu leisen Sohlen dahinschreitet. Der behutsamen Spannungsdramaturgie setzt Balagueró, von der kurzzeitigen Umkehrung der Prämisse im Mittelteil abgesehen, keine nennenswerten Höhepunkte entgegen, sondern legt eher noch den Blick frei für eine im Kern doch recht konventionelle Inszenierung, der es dann eben auch formal zu sehr an Ecken und Kanten fehlt, um sich wesentlich von den Standards des Genres abheben zu können.
Regie: Jaume BalagueróGenre: Thriller, HorrorFilmstart:
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Der Film ist doch ein Remake von "The Resident"
Ist die echte Welt
Ist die echte Welt nicht schon schlimm genug?
Den Film möchte ich sehen, wo ein junger Mann in eine neue Wohnung zieht und von seiner Vermierterin oder der Hausdame "belästigt" wird. Da klatschen die Freunde doch High Five ab, wenn man das in der Kneipe erzählt ;-)
Geht, nicht ich hab es versucht. ^^
Ist wie Ekel-Essen im TV.
Mir schon klar, dass ich mir die Riesen-Made gerade nicht in den Mund schiebe (und ja im Vergleich macht das dann wirklich jemand), aber manche Dinge kann man im Kopf nicht abschalten.
Der Film ist bestimmt gut, zweifel ich gar nicht an, aber definitiv nichts für mich.
Trifft mich irgendwie mehr als Filme wie SAW, die zwar im ersten Moment erschreckend sind, aber dann doch wieder so entfernt der realen Vorstellung liegen, dass auch im Unterbewusstsein klar ist: Fiktion und Film.
Und generell mag ich keine Filme in denen Frauen solche Opferrollen zukommt.
Ist die echte Welt nicht schon schlimm genug?
Von Polanski? Dann muss Clara aber minderjährig und im Pool von Jack Nicholson sein... Aber immerhin passt die Sache mit der Betäubung einigermaßen.