Was ist eigentlich mit dem Action-Genre los? Einst gab’s fette, handgemachte Action und kernig-charismatische Macho-Typen und heute? Entweder Kasperlquatsch à la „The Expandables“ oder Filme von Typen wie Ara Paiaya. So genannte „Allrounder“, die alles (hier tätig als: Regie, Autor, Darsteller, Produzent, Kamera, Schnitt, Action- und Kampfchoreograph und Colorist) können, aber nichts richtig. Um davon abzulenken wird dann eine ganze Legion abgetakelter Stars vor die Kamera gezerrt, weswegen „Skin Traffik“ ein bisschen wie eine Folge Dschungelcamp mit Geballer und Gekloppe wirkt.

Skin Traffik - Sein letzter Auftrag - Achtung: Resterampen-Alarm!

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Ein voller alter Bekannter. Hier zu sehen: Mickey Rourke.
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Okay, erstmal genug gelästert, Zeit für den Plot: Es geht um den Londoner Auftragskiller Bradley (der Film heißt in Großbritannien übrigens „ A Hitman In London“), gespielt von Gary Daniels, der wegen seines Jobs emotional etwas abgeflacht ist. Allerdings hatte er, wie gleich zu Anfang erwähnt wird, nur böse Menschen abgemurkst und somit ist das Innenleben nicht allzu sehr in der Schräglage, denn „einige Menschen müssen einfach sterben“ (womit dann auch gleich die Stoßrichtung des Films klar wäre – Paul Kersey lässt schön grüßen!). Eines Tages gibt’s bei einem Auftrag aber einen Kollateralschaden, beziehungsweise eigentlich zwei, denn die unschuldig Gemeuchelte war schwanger! Bradley kriegt ein schlechtes Gewissen, taucht unter, beschließt dann aber, als Prostituierte vor seiner Behausung vermöbelt werden, einen fiesen Frauenhändlerring plattzumachen.

Man sieht sich immer zweimal im Leben

Wer nach „Skin Traffik“-Trivia sucht, stößt auf gleich zwei Wiedervereinigungen: Mickey Rourke, Eric Roberts und Daryl Hannah finden hier zum ersten Mal nach „Der Pate von Greenwich Village“ (1984) erneut zusammen, Daryl Hannah und Michael Madsen haben zuletzt in „Kill Bill“ Vol.1 (2003) und Vol.2 (2004) miteinander gearbeitet. Ob man sich ein Wiedersehen allerdings so vorgestellt hat, ist fraglich und das aus zweierlei Gründen, eigentlich drei, aber große Mäkeleien bezüglich der Handlung sparen wir mal aus, es wird halt gekickt, geballert und zwischendurch gelabert, wobei sich „Skin Traffik“ wie so unendlich viele C-Actioner der letzten Jahre unnötig komplex gibt, was vor allem in der zweiten Hälfte phasenweise ganz schön müde Augen bedeutet.

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Regie? Zum Haare raufen!

Viel schlimmer: Dass Regieführen nur einer der vielen Jobs von Ara Paiaya ist, glaubt man nach allerkürzester Zeit, denn „Skin Traffik“ sieht im besten Fall aus wie „Sturm der Liebe“, sprich potthässliches Fernsehen. Dass digital gedreht wurde, ist vielleicht ein Grund, aber noch lange kein Hindernis, zuletzt hatte zum Beispiel John Hyams mit seinen beiden fantastischen „Universal Soldier“-Filmen bewiesen, dass man auch mit modernen Digitalkameras wie der von Paiaya ebenso benutzten Red Epic beeindruckende Bilder kreieren kann.

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Action kann der Film schon, wenn er es auch nur selten zeigt.
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Den schlechten Eindruck kann der Herr Regisseur allerdings mit den (zu wenigen) Actionszenen wieder etwas auffangen, denn vor allem die Fights sind passabel choreographiert und übersichtlich abgefilmt - allerdings trüben viehisch schlechte CGI-Bluteffekte den Spaß dann auch gleich wieder. Bizarr ist die Tonspur: Das gleichförmige, todlangweilige Gefiedel von Sefi Carmel (größter Erfolg: das Re-Recording der türkischen Tonspur des Nicolas-Cage-Heulers „Nur noch 60 Sekunden“ von 2000) klebt nahezu jede Szene zu und passt tonal fast nie zu dem, was gerade zu sehen ist. Zum Ausgleich sind die Sounds in den Kampfszenen komplett unterproduziert, scheinbar handelt es sich um die Originalgeräusche, weswegen häufig der Eindruck entsteht Daniels befindet sich mit seinen jeweiligen Kontrahenten im Gymnastikraum. Es ist zum Haare Raufen!

Geister der Vergangenheit

Doch nun zum eigentlich Interessanten von „Skin Traffik“. Den Stars. Und da wird’s beim Wiedersehen vielleicht die eine oder andere größere Überraschung gegeben haben. Da hätten wir: Beauty-OP-Opfer Mickey Rourke. Hockt in beiden Szenen rum und hat schmutzige (und zittrige) Finger. Schauspiel? Hinter einer Maske. Seinem Gesicht. Check. Daryl Hannah. Einstiger, wunderschöner Superstar der 80er-Jahre. Hatte wohl irgendwann mal den Plan sich operativ Mickey Rourke anzunähern. Nicht geklappt. Sieht jetzt aus wie Cher auf Crack. Check. Eric Roberts. Mittlerweile über 400 Auftritte, sitzt aber in mindestens 295 mit einem Telefon hinter einem Schreibtisch. Würde niemanden wundern, wenn der Mann Eric-Roberts-sitzt-mit-einem-Telefon-hinter-einem-Schreibtisch-Clips auf Halde produziert. Check. Dominique Swain. Gab 1997 als Lolita ihr Debüt in „Lolita“. Spielt 2015 eine Prostituierte in „Skin Traffik“. Check.

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Eric Roberts, wie immer hinter dem Schreibtisch.
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Michael Madsen. Aktuell rund 250 Auftritte. Mittlerweile wieder mit etwas mehr Spaß bei der Sache, allerdings immer noch allerfettigstes Schnaps-Charisma. Muss man mögen. Beste Szene mit Daryl Hannah (und sichtbar viel Freude): „Weißt Du, was ich an Dir mag?“ - „So ziemlich gar nichts!“ BANG! Check. Jeff Fahey. Wie guter Wein. Wird mit dem Alter immer besser und besser. Heutzutage auch gefeierter Theaterschauspieler in London. Filmkarriere allerdings eher bla. Einstiger Rasenmähermann, dann Videothekenregal, in den letzten Jahren kleines Karrierehoch mit „Lost“, danach aber wieder Regal. Trotzdem gut. Auch hier kleines Glanzlicht. Check.

Alan Ford. Wiederholt seinen (bekanntesten) Part aus „Snatch“ (2000). Spricht immer noch mit dem Unterkiefer. Check. Und natürlich zu guter Letzt noch die Hauptrolle: Gary Daniels. Es ist unfassbar: Der einstige Posterboy der 90er-Jahre-Videothekenaction hat mittlerweile einiges an Charisma draufgepackt, spielt auch viel besser als der größte Teil der hier vertretenen Pappnasen UND ist trotz 52 Lenzen immer noch erstaunlich fit. Hut ab. Da schmerzt es doppelt und dreifach, dass „Skin Traffik“ solch ein dilettantischer Gulasch geworden ist, der höchstens Hardcore-Actionfans ein klein wenig ansprechen wird. Oder besonders schadensfrohe Naturen.