Ethan Hawke und Anhang haben die Schrecken des profitablen Low-Budget-Horrorfilms „Sinister“ zwar nicht überlebt, aber ihren entscheidenden Teil zu deren metaphysischer Ereigniskette beigetragen. Nun muss sich eine andere Familie gegen Dämon Bughuul und seine zum Töten abgerichteten Kinder behaupten – hat Erfolgsproduzent Jason Blum also mit „Sinister 2“ ein nächstes beliebig fortsetzbares Horror-Franchise zum Laufen gebracht.

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Kinder des Zorns

Freilich greift „Sinister 2“ die Idee des ersten Films auf: Wer in ein Haus mit blutiger Vergangenheit zieht, wird künftig um seine Liebsten bangen müssen. Dem klassischen Motiv des Haunted-House-Films, einem der wohl ältesten und immer noch vitalsten aller Horrorkinosujets, fühlte sich „Sinister“ besonders verpflichtet – der Einzug ins Gruselhaus reaktivierte dort einen unheimlichen Spuk, damit der Erlösung vom Bösen versprechende Auszug den dämonischen Plan überhaupt erst vollziehen konnte.

Sinister 2 - Neue Besetzung, alte Geister

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Bughuuls böse Buben: Der familiäre Terror geht diesmal von einem Zwillingsbrüderpaar aus, das von Kindern des Zorns zum Töten rekrutiert wird.
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Umzugsbemühungen müssen von daher erst einmal aussichtslos bleiben. Privatdetektiv Soundso (der tatsächlich so heißt und erneut von James Ransone gespielt wird, dem einzigen wiederkehrenden Mitglied der Originalbesetzung) ist entsprechend bedacht, die Familie einer allein stehenden Mutter vor übereifrigen Fluchtmanövern zu bewahren. Was jedem Horrorfilm nur zuträglich sein kann: Alles Grauen ertragen und aussitzen zu müssen, weil es andernfalls noch viel schlimmer kommen würde.

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Courtney (Shannyn Sossamon) soll ihr neues Landhaus, einen ehemaligen Tatort äußerst garstiger Ritualmorde (die wir selbstverständlich in 16mm-Heimfilm-Rückblenden zu sehen bekommen), also keineswegs verlassen – obgleich sich ihre Kinder, die Zwillingsbrüder Dylan (Robert Sloan) und Zach (Dartanian Sloan), längst schon im Bann des finsteren Bughuul befinden (der übrigens immer noch wenig beängstigend wie die Bühnendekoration eines Slipknot- oder Lordi-Konzerts ausschaut).

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Ex-Deputy Soundso (James Ransone) steht der von Geistern und einem brutalen Ehemann geplagten Courtney (Shannyn Sossamon) mit Rat und Tat zur Seite.
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Das Sequel nimmt andere Erzählperspektiven ein als der erste Film. Ging es zuvor um einen erfolglosen Schriftsteller und Vater, der das Geheimnis spektakulärer Familienmorde lüften wollte (um stattdessen langsam in den Wahnsinn abzugleiten), stehen nun jene Geisterkinder im Mittelpunkt, die sich am Schluss des Vorgängers als eigentliche Übeltäter der infernalischen häuslichen Tragödien entpuppten. Oder anders: Wo „Sinister“ keinen Wissensvorsprung gestattete, lässt uns „Sinister 2“ stets großzügig an allem teilhaben.

Viel ändert sich dadurch allerdings nicht, es entsteht lediglich ein Bezug zu neuen Referenzvorbildern: Statt Stephen Kings „The Shining“ jetzt halt Stephen Kings „Kinder des Zorns“. Die Zwillingsbrüder (welche leider wesentlich uncharismatischer gecastet sind als ihre aktuellen Gegenpole im sowieso viel besseren Horrorfilm „Ich seh, ich seh“) werden von den mordlustigen Altergenossen hier sogar in Nähe eines Maisfeldes zu rekrutieren versucht – und am Ende zückt eines von ihnen schließlich auch die Sichel.

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Neben unheimlichen 16mm-Heimfilmen der Star beider „Sinister“-Filme: Dämon Bughuul, über dessen Gruselpotenzial man sicherlich geteilter Meinung sein kann.
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Beklemmende Ausweglosigkeit

„Sinister 2“ bleibt den Konventionen des Haunted-House-Kinos in vielerlei Hinsicht treu. Übernatürliche Schrecken sind darin oft Katalysatoren allzu irdischer Bedrohungen, deren Erfahrungswirklichkeit den Figuren Kraft spendet, reale traumatische Ereignisse ebenso wie unbegreifliche Geistererscheinungen bewältigen zu können. Courtney muss ihre beiden Söhne deshalb nicht nur vor dem mörderischen Fluch ihres neuen Wohnortes, sondern besonders den Rückeroberungsversuchen eines brutalen Ehemanns beschützen.

Patriarch Clint (Lea Coco) bringt somit einen Horror in den Film, der ungleich konkreter, vor allem aber wesentlich unheimlicher ist als die – leider ohnehin ziemlich abgeschmackten – Genrebeilagen. Zumindest kurzzeitig produziert „Sinister 2“ in den Szenen häuslicher Gewalt eine höchst unangenehme und eben tatsächlich gruselige Atmosphäre von beklemmender Ausweglosigkeit – und beinahe störend wirkt es da, wenn alle paar Minuten wieder eine Geisterfratze als Jump-Scare durchs Bild huscht.

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Der Film kommt bei uns am 17.09.2015 in die Kinos.
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Weniger interessant gestalten sich demnach Horrorfilmmomente im herkömmlichen Sinne. Die aus dem Vorgänger bekannten Home Movies von Zelluloid werden diesmal noch variantenreicher, wenn auch nicht unbedingt wirkungsvoller eingesetzt. Und auch die Fortsetzung bezieht ihre Horroreffekte aus vergangenen Medien, bei denen alles Reliktartige schon automatisch unheimliche Stimmung generieren soll: 16mm-Projektoren, dissonante Grammophone, gespenstisch rauschende Radios von anno dazumal.

Wer sich schon beim Vorgänger wohlig gruselte, wird vermutlich auch der nur minimal schwächeren Fortsetzung einiges abgewinnen können.Fazit lesen

Ein gewisses ästhetisches Niveau hält zwar auch dieses von Erfolgsproduzent Jason Blum initiierte Sequel, gibt es rein formal also wenig auszusetzen am kompetent gemachten Geistergedöns. Doch haben sich die mittlerweile sehr generischen Konzepte der einträglichen Horrorfilmschmiede Blumhouse („Paranormal Activity“, „Insidious“, „Ouija“) längst auch ziemlich abgenutzt: Neue Namen und neue Franchise-Serien, aber immer nur wieder altbekannter Grusel aus der Genremottenkiste.