Das Plakat gibt die Richtung vor: Von den Produzenten von „Insidious“ und „Paranormal Activity“ prangt da in großen Lettern. Tatsächlich vermengt „Sinister“ mehr oder weniger klassischen Haunted-House-Grusel mit den unverzichtbaren Found-Footage-Bildern des neueren Horrorkinos. Ethan Hawke stößt darin als True-Crime-Autor auf Filme, die den Tod bedeuten.

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Hawke spielt Ellison Oswalt, einen Schriftsteller im Karrieretief. Sein letzter Bestseller liegt Jahre zurück, sein Verhältnis zu Ehefrau Tracy (Juliet Rylance) ist zunehmend angespannt. Um sich für ein geplantes Tatsachenbuch über einen rätselhaften Familienmord besondere Anregungen zu verschaffen, zieht Ellison in jenes Haus, das den Tatort der zugrunde liegenden Todesfälle bildet – seiner Frau und den Kindern verschweigt er diese Information jedoch wohlweislich.

Das klingt nicht nur zufällig nach einem ähnlichen Ausgangsszenario wie in „The Shining“. Kurz nach dem Umzug schon häufen sich merkwürdige Ereignisse, Ellisons Verhalten wird allmählich sonderbar, während der Recherche beginnt er übermäßig zu trinken. Auf dem Dachboden des neuen Hauses findet er alte Super-8-Videos, die sich als daheim gedrehte Snuff-Filme entpuppen und drastische Familienmorde dokumentieren.

Auf allen Videos ist eine entstellte Fratze zu sehen, die bald Ellisons ganze Wahrnehmung bestimmen wird. Der Rest ist gleichermaßen unaufhaltsam wie leider auch vorhersehbar. Stephen King schaut „The Ring“, so etwa ließe sich das schaurige Treiben zusammenfassen. „Sinister“ ist wie der Dachboden, in dem wichtige Teile des Films spielen. Eine Rumpelkammer voller Mottenkisten und abgestandener Genreutensilien, die nicht ohne Grund längst verstaut in der Ecke lagern.

Ein interessanter Dreh gelingt dem reichlich handlungsorientierten und darum umso mehr zopfigen Film jedoch durch seine Integration der Found-Footage-Sequenzen, die in Kombination mit der herkömmlich inszenierten Gruselhaushandlung vielleicht sogar effektiver wirken, als sie es eigentlich sind. Die wie von Geisterhand gedrehten Super-8-Filme bescheren „Sinister“ zumindest seine gruseligsten Momente.

Sinister - Filme, die den Tod bedeuten

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Ellison (Ethan Hawke) findet auf dem Dachboden verstörende Snuff-Movies.
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Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 18/201/20

Gestrecktes Grauen

Der Film spart nicht mit vordergründigen Schocks, die vorwiegend auf der Tonspur stattfinden, und unheilvollen Bildern, in denen entscheidende Details für Unbehagen sorgen. „Sinister“ ist durchaus unheimlich, weil er den Zuschauer lange Zeit im Unklaren über die Ereignisse lässt und mit einer wirkungsvollen Suspense-Strategie auf das nicht ganz so überraschende Finale hinarbeitet. Einem Publikum, das sich bei Horrorfilmen schnell und ausgiebig in die Hosen macht, dürfte das unter Garantie gefallen.

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Doch so angenehm es ist, dass Regisseur Scott Derrickson (der mit „Hellraiser V – Inferno“ und „Der Exorzismus von Emily Rose“ schon zuvor eher mediokre Genrefilme verantwortete) das Grauen langsam und sorgfältig vorbereitet, sich viel Zeit nimmt für die Entwicklung der Figuren und die Etablierung des Spielorts, so sehr leidet seine auf Plausibilität setzende Konstruktion eines Horrorszenarios unter dem wenig glaubwürdigen Verlauf der Handlung.

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Das Grauen nimmt seinen Lauf...
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Selbst einem Zuschauer, der unempfänglich ist für so genannte Logiklöcher, dürften die folgenlos bleibenden Vorzeichen des Schreckens aufstoßen. Gerade weil „Sinister“ so dicht an seinem von Ethan Hawke gespielten Protagonisten bleibt, mit ihm gemeinsam ungläubig die Vorkommnisse registriert, wirken dessen (mutmaßliche) Versuche, die eindeutig übernatürlichen Ereignisse zu ignorieren, schlicht unglaubwürdig.

Altbekanntes Horror-Allerlei, das man allerdings auch schon weitaus weniger effektiv aufgetischt bekam. Nichts Neues, aber immerhin solide.Fazit lesen

Hier wird allzu offensichtlich, dass der Film lediglich seine Laufzeit über die Runden bringen muss, obwohl die Geschichte schon längst erzählt ist. Das wirkt dann spätestens nach der Hälfte nur noch wie verrichtete Arbeit, wie ein Abhaken der Story-Kästchen. Von solchen Strategien freilich leben dieser und andere Gruselhaus-Filme, doch wurden sie eben auch schon mit deutlich mehr Geschick überpinselt.