Angemessen niederträchtige Weihnachtsfilme gibt es ja leider noch immer längst nicht genug. Viel zu fest befinden sich die klebrigen Bilder von Santa Claus und Tannebaum im Griff kommerzieller Festtagskultur, als dass selbst das Horrorkino sich ihrer in mehr als nur ein paar Ausnahmen blutbesudelt entledigt hätte. Zumindest theoretisch also ist ein Film wie „Silent Night“ geeignet, das friedliche Weihnachtsfilmgeschäft schön garstig zu sabotieren.

Weihnachtswüterich

Dass gegen dessen Vorlage, den äußerst schäbigen Weihnachts-Slasher „Silent Night, Deadly Night“, einst gar Eltern- und Kirchenverbände protestiert haben sollen, verleiht dem ganzen ja schon mal einen absolut richtigen Kontext. Wenn das zu „Silent Night“ abgekürzte Remake auch sonst nicht viel zu bieten hat (und das hat es leider tatsächlich nicht), erinnert es wenigstens an ein Weihnachtsfilmmodell, das sich nie recht durchzusetzen vermochte.

Silent Night - Am Weihnachtbaum, die Köpfe brennen

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Sieht beinahe aus, als würde er lächeln. Aber der Eindruck täuscht natürlich: Dies ist ein ganz besonders garstiger Weihnachtsmann, blutrünstig durch und durch.
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Der hierzulande einst unter dem Titel „Stille Nacht, Horror Nacht“ in untere Videoregale verbannte Weihnachtswüterich von 1984 steht nun wahrlich nicht unter Klassikerverdacht, aber das spielt im Geschäft um Horrorremakes ja ohnehin keine Rolle mehr. Immerhin brachte er es mit vier Fortsetzungen zu einer recht kuriosen Genrefilmserie, die sich von eher irdischen Motiven zunehmend in Richtung phantastisch-absonderlicher Gefilde bewegte.

Knapp 30 Jahre später also die Neuauflage eines Films, der selbst nur als Exploitation-Fußnote von Relevanz ist. Viel haben er und sein offizielles Reboot dann auch eigentlich kaum gemein, zumindest inhaltlich. Erzählte das Original noch die Geschichte eines traumatisierten Kindes (in übrigens 30minütiger Exposition, ehe die Gegenwartshandlung einigermaßen in Gang kommen wollte), folgt „Silent Night“ akribisch der klassischen Slasherfilm-Struktur.

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Es hat schon subtilere Verweise auf Filme der Coen-Brüder gegeben: Deputy Aubrey Bradimore (Jaime King) weist einen sleazigen Santa Claus zurecht.
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Statt des verstört auftretenden Jugendlichen, der seine Opfer nach religiösem Erziehungsmuster schon für kleinste Sünden zu bestrafen pflegte, rückt die Neufassung mit der Provinzpolizistin Aubrey (Jaime King) nun eine Identifikationsfigur ins Zentrum. Das ist schon daher langweilig, weil die Vorlage um das sonst pflichtschuldige Repertoire sympathischer Protagonisten (vor allem des sogenannten Final Girls) ganz entschieden einen Bogen machte.

Dem Film gelingt es nur mühsam, ein gesondertes Interesse an Deputy Aubrey aufzubringen. Erst einmal scheint sie als Figur ohnehin kaum über den Rang eines „Fargo“-Zitates auf zwei Beinen hinauszukommen, steht aber auch in keinerlei nennenswerten emotionalen Beziehung zu irgendetwas anderem, als der bloßen Suche nach dem Killer im Weihnachtsmannkostüm. Dessen Backstory erweist sich dabei als eine Variation des 1984er-Films und wird lediglich kurz vor Schluss einmal angerissen.

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Internetpornographie muss hier selbstredend ebenso bestraft werden wie zur Schau gestellte Lüsternheit. Maria (Cortney Palm) darf den blutigsten Tod des Films sterben.
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Blutflöckchen, Rotröckchen

Für unsere Aubrey fällt Heiligabend nun jedenfalls flach. Sheriff Cooper (altehrwürdig, aber offenbar auch schmerzfrei bei seiner Rollenwahl: Malcolm McDowell) zitiert sie ins Büro, nachdem ein unbekannter Stadteindringling ihren Kollegen aus dem Weg räumte – ausgerechnet an Weihnachten, wenn die Ortspolizei sowieso schon allerhand zu tun hat. Vom Vorschlag, selbst nach einem halben Dutzend gefundener Leichen Verstärkung anzufordern, hält Sheriff Cooper natürlich nichts.

Und so ist der unbekannte Meuchelmörder den Polizisten von Cryer, Wisconsin immer einen Schritt voraus: Bereits am helllichten Tage setzt er nervige Gören unter Strom und wirft barbusige Erotikmodels in für Weihnachtsbäume vorgesehene Häckslermaschinen. Immerhin: Die enorm sadistischen, ausgespielten Tötungsszenen sind ganz nach Peergroup-Bedarf entworfen – und der Bodycount zudem so hoch, wie es sich für zünftige Slasherunterhaltung gehört.

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Flammenwerfermorde, wenn auch leider nur digital: Der Schlussteil atmet den Geist des frühen John Carpenter, ohne eindrückliche Spuren zu hinterlassen.
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Ganz besonders viel scheint diesem neuen „Silent Night“ daran gelegen, die Exploitation-Elemente des Vorbildes noch einmal deutlich zu übertreffen. Sündige Kleinstadtbewohner, denen Santa Claus mit Sichel, Hackebeil oder sogar Flammenwerfer den Garaus macht, reichen hier längst nicht aus. Die Figuren müssen vielmehr so widerlich schmierig sein, dass nicht allein der Gore-, sondern auch Sleaze-Faktor auf Anschlag gedreht werden kann.

Einige schön-schäbige Einfälle vereint auch dieses Remake auf sich, aber die Tabubrüche haben hier leider schon viel zu sehr Methode. The Ho-Ho-Horror.Fazit lesen

Das ist mitunter amüsant, wenn notgeile Pfarrer den leicht bekleideten Damen des Weihnachtschors nachsteigen (und dafür natürlich die Griffel abgesäbelt bekommen), aber zuweilen auch arg lästig in seinem coolen Zynismus: Koksende Flittchen, lüsterne Pornofotographen, Pädowitze reißende Polizisten – irgendwann hat man dann auch verstanden, dass diesen Arschlochfiguren der Tod an Heiligabend offenbar ganz recht geschieht.

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Von Grusel ist in alledem keine Spur, darum ging es natürlich auch nie. Aber eine stimmige Atmosphäre, hübsche Setpieces, kompetent ausgeführte Horrorstandards – all das, was schon dem Original fehlte, mag auch „Silent Night“ nicht nachreichen. Stattdessen betont das buchstäblich eintönige Finale (in dominantem Grün und Rot gehalten, leider weit entfernt von Dario Argento oder interessanter Genreästhetik) noch einmal Fernsehlook und Kreativitätsmängel dieses schlussendlich doch allzu verzichtbaren Remakes.