Nach „Prisoners“ und „Enemy“ ist Denis Villeneuve zweifellos einer der interessantesten Filmemacher unserer Zeit. Er bringt eine Sensibilität ein, die ihresgleichen sucht. Zudem interessiert ihn ein Thema besonders: die Frage nach der Moral und wie sie immer mehr zu verwischen droht. Seine Figuren sind dabei nie eindimensional, sondern höchst ambivalent. Es sind solche Stoffe, die ihn anziehen – und so findet Villeneuve Drehbücher, die nur darauf warten, von ihm verfilmt zu werden.

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So wie das von „Sicario“, das von dem Schauspieler Taylor Sheridan geschrieben wurde. Man kennt ihn am ehesten als Deputy Chief David Hale in „Sons of Anarchy“. Die Idee zu „Sicario“ hatte er, weil er als junger Mann häufig mit Freunden über die Grenze nach Mexiko gefahren ist. Um zu feiern. Heute wäre das undenkbar, sind Grenzstädte wie Juarez doch mittlerweile brandgefährlich geworden.

Sicario - Ein großartiger Thriller - „Dies ist jetzt ein Land der Wölfe“

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Der Film läuft bei uns am 01.10.2015 in den deutschen Kinos an.
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Kate Macer (Emily Blunt) ist Agentin beim FBI und führt zusammen mit ihrem Partner Reggie (Daniel Kaluuya) einen Angriff auf ein Haus in Phoenix durch, in dem Geiseln vermutet werden. Gefunden werden jedoch Tote, die in den Wänden verborgen wurden. Und eine Sprengladung, die zwei Beamten das Leben kostet.

Wenig später wird Kate zu einer Besprechung zitiert. Mehrere Männer stellen ihr Fragen über den Drogenbaron Manuel Diaz. Nicht ihr Spezialgebiet, ist sie doch auf Entführungen spezialisiert. Wie sich herausstellt, will Matt (Josh Brolin) sie für sein Team. Er leitet eine Task Force, die Diaz‘ Boss überführen will. Kate meldet sich freiwillig, doch schon bald muss sie feststellen, dass nicht alles so ist, wie man es ihr gesagt hat. Und dass der geheimnisvolle Alejandro (Benicio del Toro) mehr ist, als er zu sein scheint.

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Auf der Jagd nach einem Drogenbaron.
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Es ist eine komplexe Welt

„Sicario“ mag auf den ersten Blick wie eine Geschichte erscheinen, die schon häufig erzählt worden ist. Es geht um Korruption, um Drogenhandel, um verdeckte Operationen – nichts davon ist neu, aber in der Komposition wird daraus mehr. Villeneuve zeichnet das Bild eines Kriegsgebiets, dessen Ausläufer bis in die USA reichen. So erinnert die Szene, in der die Sondereinheit mit mexikanischem Geleitschutz durch Juarez fährt, als sei man in Somalia oder im Irak.

Villeneuve inszeniert dies auf eine Art, dass man sich an Filme wie „Black Hawk Down“ erinnert fühlt. Der Klimax auf amerikanischer Seite der Grenze ist indes ganz anders, schnell, hart, effizient. Ein Ausbruch der Gewalt, der momentan ist und so schnell endet, wie er begonnen hat. In „Sicario“ gibt es Gewaltspitzen, aber sie sind niemals selbstzweckhaft. Sie sind das Ergebnis einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.

Vielschichtiger Thriller über den Kampf gegen den Drogenhandel. Und das erste Opfer dieses Krieges: die Moral.Fazit lesen

Was ist richtig, was ist falsch?

Mit jeder Minute wird klarer, dass in „Sicario“ die Grenzen verwischen. Der Zweck heiligt hier die Mittel, Recht und Gesetz sind nur noch schale Worte, für all jene gedacht, die nicht im Land der Wölfe leben. Die noch daran glauben, dass das Gute am Ende obsiegt – und nicht durch seine eigenen Taten korrumpiert wird.

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Eine bekannte Geschichte - aber überraschend spannend erzählt.
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Emily Blunt ist die Aufrechte unter lauter Gefallenen, die Identifikationsfigur für den Zuschauer. Das macht das Ende umso eindringlicher, weil hier niemand gewinnt – außer jenen, die bereit sind, Grenzen zu überschreiten.

Benicio del Toro ist dabei großartig. Er ist stoisch. Die von ihm ausgehende Ruhe ist trügerisch, denn seine Figur ist die, welche man am wenigsten abschätzen kann. Er ist der Sicario, der Auftragskiller, aber welcher Mission er dient? Das wird erst zum Ende hin klar. In einer Szene, die sich augenblicklich ins Gedächtnis einbrennt!