Shutter Island – Filmkritik

Meisterlicher Inselhorror von Martin Scorsese

8
von Martin Beck, 26. Februar 2010 13:50 Uhr

Hinter „Shutter Island“, der neuesten Regiearbeit von Martin Scorsese, stand seit letztem Oktober ein Fragezeichen. Zu diesem Zeitpunkt nämlich beschloß Paramount, den Film nicht ins Oscar-Rennen zu schicken, sondern ihn lieber auf Februar zu verschieben. Sollte etwa der große Martin Scorsese ein Opfer geschmackloser Studio-Honchos geworden sein…oder ist „Shutter Island“ einfach nur so schlecht, dass man ausbleibende Oscar-Nominierungen und negative Presse vermeiden wollte?

Das Cabinet des Dr. Scorsese

„Shutter Island“ ist großes Genrekino mit erlesenen Zutaten, das die eigenen Ansprüche etwas zu sehr hochkocht und dabei besonders am Ende in hohles Tamtam abdriftet.FazitMit einer gewissen Erleichterung darf man am Ende des Films zu dem Schluß kommen, dass keine der beiden Alternativen ins Schwarze trifft. „Shutter Island“ ist zwar auf keinen Fall ein hell strahlendes Glanzlicht in der Karriere seines Regisseurs, doch unter satte Mainstream-Unterhaltung der gehobenen Güteklasse rutscht er zum Glück auch nicht. Kein Fall für die Oscars, Tatsache, sondern lieber ein Kandidat für ein reißerisches Genre-Puzzle. Fast könnte man gar nicht merken, dass „Shutter Island“ filigrane Tiefgründigkeit fehlt, so laut und forsch wird hier um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt.

Screenshot zu: Meisterlicher Inselhorror von Martin ScorseseDie US-Marshalls sollen einen mysteriösen Fall aufklären: Eine Patientin ist trotz extremer Sicherheitsmaßnahmen verschwunden.

Die Geschichte des Films basiert auf dem Bestseller von Dennis Lehane und erzählt von einem US Marshal (Leonardo DiCaprio), der zusammen mit seinem Partner (Mark Ruffalo) eine auf einer abgelegenen Insel vor der amerikanischen Ostküste gelegene Anstalt für geistesgestörte Gewaltverbrecher aufsucht. Früher wandelte in dem majestätischen Schatten-Labyrinth wahrscheinlich ein gewisser Dr. Caligari, doch jetzt hausen hier sinistre Ärzte und jede Menge mysteriöse Geheimnisse. Eines davon ist zugleich der Anlass für den Besuch der beiden Dicks: eine Patientin (Emily Mortimer) ist spurlos aus der Anstalt verschwunden.

Was bei „Shutter Island“ zunächst auffällt, ist seine saftige Inszenierung. Kameramann Robert Richardson („Inglorious Basterds“) haut auf die geleckte Film Noir-Kacke, dass es eine wahre Freude ist, Cutterin Thelma Schoonmaker zündet sämtliche bekannte Trick ihrer Zunft und auf der Soundtrack-Spur, wir befinden uns schließlich in einem Martin Scorsese Film, ertönt eine selbstredend eklektische Mixtur aus großartigen Songs und vollem Orchester-Einsatz. Das Motto dabei: der Zuschauer soll keinen Film Noir sehen, sondern einen FILM NOIR.

Screenshot zu: Meisterlicher Inselhorror von Martin ScorseseBildsprache, Sound, Schnitt - alles schreit hier nach "Film Noir".

Bei vielen anderen Regisseuren wäre die Genrebezeichnung in Großbuchstaben ein Widerspruch in sich, doch Martin Scorsese kriegt tatsächlich weitgehend die Kurve. „Shutter Island“ schlängelt sich mit Kinetik, Verve und enormer Stilsicherheit durch sein vertracktes Plot-Puzzle und reichert die Film Noir-Basis mit breiten Pulp-Strichen, psychothischen Thriller-Schatten und deftigen B-Schüben an. Im Grunde rumort hier nichts anderes als ein klassischer Genrefilm, der tatsächlich mit beiden Beinen in seiner Ecke bleiben möchte und dabei aber ein geradezu überschäumendes Mainstream-Buffet hochkocht.

Kommentare 8
Bitte Logge dich ein oder aktiviere Javascript um einen Kommentar zu schreiben.
nie mehr leser28.05.2010 16:54
ok, alles klar
from paris with love 7/10
shutter island 7/10

keine fragen mehr! danke und tschüss auf nimmerwiedersehen...
Zitieren
Lance UppercutLance Uppercut10.05.2010 22:08
Shutter Island....
Ich habe mir den Film angesehen weil so viele von einer überraschenden Wendung und guter Story geredet haben. Als ich den Kinosaal verlassen habe (die letzte halbe Stunde hab ich geschlafen) war ich wütend.
Wo war der überraschende Twist? Wo die gute Geschichte? Das einzig Unterhaltsame an dem Film waren die Drogenträume von unserem Psycho. Nachdem unser Sherlock erfahren hat, dass ein Patient vermisst wird war mir schon klar was dieser überraschende "Twist" ist. Kommt schon Leute, wenn ihr nicht gerade während euer Kindheit das Hirn mit Kleber weggeschnüffelt habt.
Wie auch immer, ich hab 8€ dafür bezahlt dass ich eine halbe Stunde schlafe.... :(
Zitieren
Lea312Lea31208.04.2010 01:05
mir ging es ähnlich wie daCo.
ein guter film, eine wundervolle umsetzung, jedoch zu viel erklärung. die geschichte war interessant, wenn auch schon bekannt. von mir gäbe es ca. 7/10 punkten.
Zitieren
SerummonerSerummoner23.03.2010 00:44
Also ich fand den Film richtig gut. Wenn Avatar eine 10 bekommen hat, sollte dieser hier eine 11 bekommen meiner Meinung nach.

Zum Glück hatte ich vorher rein gar nichts über den Film gelesen, das ist auch ein Film den man am besten mehrmals ansieht. Freue mich schon wenn der auf DvD/BlurRay rauskommt.
Zitieren
MamiS_GroßeR_LieblinG15.03.2010 12:05
Find's immer wieder toll wie sich leute Kritiker schimpfen. Ich geh mal davon aus das der Herr hier oben selber schon mehrere Blockbuster verfilmt hatt und somit genau weis wie es besser geht. Also Herr Scorsese sie Amateurfilmemacher lesen sie die hier aufgeführte Kritik und lassen sie sich von Menschen belehren die Ihren Job 100mal besser machen würden.

Meiner Meinung nach ist Kritik nur angebracht von anderen Regisseuren, denn diesen haben Ahnung wovon Sie reden. Also sollte Kritik nur von denen verlautet werden die wissen wovon sie reden.
Zitieren
MamiS_KleineR_LieblinGMamiS_KleineR_LieblinG08.03.2010 16:56
Kann ich nicht bestätigen, mir war kein einziges Mal langweilig, man ist immer dabei und hofft das es doch noch gut ausgeht.
Kann aber auch daran liegen, dass sich sonst eher weniger Psycho-Thriller schaue.
Aber Shutter Island hat mir sehr gut gefallen -> 8/10
Zitieren
grumpy27.02.2010 13:43
fand den film übel... langatmig, das ende dauert VIEL zu lange was bei einem solchen film einfach nicht sein darf...ausserdem fand ich das ursprungs versprechen des films sehr viel interessanter als was man schlussendlich erhielt....
Zitieren
daCo27.02.2010 12:35
volle Zustimmung zu dieser Kritik. Perfekte Inszenierung aber eine knappe halbe Stunde vor Schluss hat der Film mich verloren. Die penible Aufklärung der (doch nicht allzu überraschenden) Vorgänge, dazu mit dieser aufgesetzten Ein- bzw Aufdringlichkeit, werden dem restlichen Film nicht gerecht. Trotzdem sehenwert.

(Memento + Fight Club + Einer flog übers Kuckucksnest)*Film Noir = Shutter Island
Zitieren
Shutter Island
Shutter Island FilmplakatRegie: Martin ScorseseGenre:ThrillerFilmstart: Darsteller:Emily Mortimer, Elias Koteas, Jackie Earle Haley, Michelle Williams, Ben Kingsley, Max von Sydow, Mark Ruffalo, Leonardo DiCaprio
Interessiert mich!
Hab ich
Will ich
Schon gesehen

  • SWTOR Klassenguides
  • TERA PreOrder auf dlgamer.com
  • Moviepanel Xbox 360 Gewinnspiel