Sherlock Holmes ist eine der bekanntesten literarischen Figuren aller Zeiten, und auch eine der meistverfilmten. Nun schickt der Meister des coolen Gangsterfilms, Guy Ritchie, Sherlock Holmes auf die Leinwand zurück und versucht dabei, jegliche Klischees über Bord zu werfen und der Materie einen frischen Anstrich zu verpassen. Doch das Resultat ist nicht modern – sondern sehr altmodisch.
Der moderne Holmes (Robert Downey Jr.) trägt kein Karo, hat nicht ständig eine Lupe vor der Nase und auch den bekannten Hut sucht man vergeblich. Holmes ist kein hagerer, hakennasiger Gentleman-Ermittler, der seine Langeweile mit Drogen bekämpft und jeden neuen Fall als eine sportliche Herausforderung sieht. Der neue Film bemüht sich, kein einziges Klischee zu bedienen und wirklich überall andere Wege zu gehen. Der moderne Holmes ist ein Soziopath – ein Ekel, der sich zum Zeitvertreib in billigen Spelunken prügelt, keine Manieren kennt und auch äußerlich eher einem Penner gleicht als einem Meisterermittler.
Zauberei? Bösewicht Lord Blackwood (Mark Strong) hat vermeintlich übernatürliche Kräfte!Dann gibt es natürlich noch Holmes ewigen Begleiter, den gutmütigen Dr. Watson, der ewig staunend über Holmes Logikkunstücke so etwas wie die Fanboy-Position in der ersten Reihe einnimmt. Aber auch hier ist nichts, wie es sein sollte: Guy Ritchies Watson (Jude Law) ist ein notorischer Spieler, scharfzüngig und brillant, und als einziger in der Lage, mit Holmes in jeder Beziehung mitzuhalten – sowohl, was die physischen, als auch was die geistigen Herausforderungen angeht. Tatsächlich agiert das Duo wie gleichwertige Partner, die sich den ganzen Film über ironische Wortgefechte liefern, während sie der dunklen Bedrohung in Form des Lord Blackwood (Mark Strong) auf die Spur kommen und die Geheimnisse hinter seinen vermeintlich übernatürlichen Fähigkeiten aufklären.
Woher kennt man das? Zwei Ermittler, die ohne den nötigen Ernst durch ein actionreiches Abenteuer stolpern und den bösen Buben immer mit einem Witz auf den Lippen das Handwerk legen? Richtig – das ist das Erfolgsrezept der Buddy-Komödien wie etwa der Lethal Weapon-Reihe. In den 80er und 90er Jahren erfreuten sich diese Filme überaus großer Beliebtheit. Doch irgendwann war dies vorbei und der Buddy-Film gilt seit vielen Jahren als tot. Nun wurde dieses alte Genre von Guy Ritchie reanimiert – für Sherlock Holmes.
Sherlock Holmes und Dr. Watson suchen das Abenteuer – und beziehen dabei öfters Prügel. Oder landen im Knast.Der echte Holmes-Fan wird sich jedoch angewidert abwenden, angesichts der groben Vergewaltigung des geliebten Stoffes. Zwar gibt sich Guy Ritchie die größte Mühe und flechtet viele Verweise auf die Geschichten Arthur Conan Doyles ein, verbeugt sich immer wieder vor anderen verfilmten Sherlock-Holmes-Vorgängern und baut auch die Gestalten aus den Geschichten ein - wie Inspektor Lestrade, die Haushälterin Mrs. Hudson oder die smarte Irene Adler (Rachel McAdams). Aber wieder wird das Ausgangsmaterial verändert: Adler wird im Film kurzerhand zu Holmes großer Liebe gemacht und Inspektor Lestrade (Eddie Marsan) muss sich immer wieder von Holmes und Watson verarschen lassen, bleibt dabei aber trotzdem immer ein Bewunderer und treuer Freund. So eine Beziehung gab es übrigens in den Lethal-Weapon-Filmen auch, das war damals Leo Getz (Joe Pesci).
Regie: Guy RitchieGenre:ActionFilmstart: Darsteller:Mark Strong, Rachel McAdams, Jude Law, Robert Downey Jr.
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Besonders die Szenen in denen er seine Angriffe in SlowMo plant finde ich geil.
Ich werde mir den Film jedoch nicht als "Sherlock Holmes" ansehen sondern einfach nur asl actionkrimi mit etwas humor. Einen guten alten buddy-film eben. Würde ich ihn als einen echten Sherlock ansehen...nunja...ich müsste mich wohl übergeben...
Best regards to the Lord.
Ich glaube hier hat Gamona bewiesen, selbst von Vorurteilen geprägt zu sein. Alles was ich hier an Kritik gelesen habe, waren genau die Kommentare die von allen Seiten, nach dem Trailer kamen. Vielleicht hier doch weniger gekonntes SChlussfolgern, als mehr eine Wunschkritik für die Leser?
Gruß Opferlamm
Man könnte sich vorstellen, dass die damalige Zeit, in der die Filme gedreht wurden, weniger mit alten Action-Heroen klar gekommen wären und deshalbd Sherlock & Watson abgeändert wurden.
Der neuste Film ist in jedem Fall eine Granate.
Somit kann keine Rede davon sein das in den Verfilmungen im Bezug auf diese Figur einfach nur ein Klischee bedient wurde, hier aber in der actiongeladenen Verfilmung teilweise reinpasst, welch Ironi ^^
Danke, dass ich pauschal als "nicht sonderlich intelligent" bezeichnet werde.
Manche Dinge kann man sich wirklich sparen.
Holmes und Watson kennen sich seit langem und sehr gut, und sie lösen gerade ihre WG auf, da Watson heiraten will. Sie blicken auf viele Fälle zurück (z.B. Begegnungen mit Irene Adler), sind Moriaty aber noch nicht begegnet.
Ich glaube auch nicht, dass aus dem "neuen" Holmes der "bekannte" Holmes hervorgehen oder abgeleitet werden könnte... dafür ist er im Film einfach viel weltfremder und merkwürdiger als sogar in den Geschichten. Aber das kann natürlich jeder halten, wie er mag.
Man darf nicht vom alten Holmes auf den neuen Zurücksehen, sondern andersherum und es erscheint mir auch hier schlüssig das aus dem Holmes dieses Films der stereotypisch bekannte Holmes wird.
Das 'erratic behavior' ist wunderbar getroffen, die ganzen 'quirks' (Mir fehlen gerade die deutschen Worte, pardon) zeichnen sich ab usw.
Man identifiziert mit Holmes und Watson immer etwas leicht trockenes, aber ich muss sagen das es sich dort um ältere, etwas "eingefahrene" Versionen handelt, die Conan Doyle da geschrieben hat.
Guy Ritchie zeigt uns, was davor war. Und das durchaus gut und schlüssig.
Man stelle sich Sherlock Holmes so vor, wie er vor seiner uns eigentlichen bekannten Art und Weise war.
Dann passt es.
Ansonsten fand ich den Film spannend, aucch die Schlussfolgerunngen (gerade gegen Ende) waren typisch.
Soll sich aber bitte jeder seine eigene Meinung darüber bilden :)
Da wird das Original auf dreckig und actionreich getrimmt und fast nichts was traditionell die Hauptfiguren ausgemacht hat überlebt. Nichts gegen Veränderungen, aber sind heutige Filmmacher so unfähig, dass sich es nicht schaffen Altes und Neues zu verbinden? Warum konnte Holmes nicht Holmes bleiben und trotz dessen einen modernen Film spendiert bekommen? CSI funktioniert auch ohne viel Action und auch als Doppelfolge, dies nun mit etwas besseren Effekten in Kinoqualität und im früheren England umzusetzen kann doch nicht unmöglich sein. Mann muss nicht gleich Holmes auf Mainstream zurechtschneiden. Vielleicht aber mangelte es den Storywirter an Kiminalerfahrung. So dass eben fehlende Spannung beim Ermitteln durch Action ersetzt wurde, für mich eine miese Entscheidung.
Gut gemacht ;)
Ja, ich habe tatsächlich ALLE Original-Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle gelesen. Mehrfach. Auf Deutsch und Englisch. Und glaub mir, in den Büchern ist er kein witzelnder Soziopath - da gab es etliche Verfilmungen, die sehr viel näher am Material waren.
Die Bücher über Sherlock Holmes gelesen? Dann würde man erfahren, dass diese Interpretation der Figur Sherlock Holmes der Romanvorlage sogar am Nächsten kommt.