Wenn Nachrichtensprecherinnen mit großen Hupen, tiefen Ausschnitt und Minirock dekoriert sind, ist auf jeden Fall eins sonnenklar: Wir befinden uns in Trashhausen. Und wenn dann noch abgehalfterte Altstars um ihr Gnadenbrot chargieren und mutierte Monster aus der Vorhölle der missratenen Animationskunst durch die Gegend pixeln, sind entweder Asylum oder Roger Cormans New Horizons Picture nicht weit. Und richtig, in diesem Fall war die Firma des mittlerweile 89-jährigen Trash-Dinosauriers am Start, der extra für den Gastauftritt von US-Talkmaster Conan O’Brien noch mal kurz das Regie-Zepter schwang und eine Produktionszeit von drei Jahren angab… äh, bitte was?

Sharktopus vs. Pteracuda: Kampf der Urzeitgiganten - Blutiger, exklusiver Clip zum Trash-Feuerwerk

Handlung? Juckt nicht!

Aber erstmal zur „Handlung“ (Gott sei dank ist das keine Videoreview, ansonsten wären die folgenden Zeilen von massig Gekicher und einem leichtem Schamgefühl begleitet): Der Sharktopus, eine für militärische Zwecke gezüchtete Mischung aus Hai und Oktopus, wurde am Ende vom 2010 gedrehten Teil eins zwar getötet und im Meer entsorgt, aber das Viech hatte längst Nachwuchs ausgebrütet, die Show muss schließlich weitergehen. Der Thronerbe wurde von Meeresbiologin Lorena Christmas im Marine-Aquarium ihre Onkels aufgezogen (bei fürs Militär gezüchteten Monstern natürlich nahe liegend) und alles könnte schön und gut sein, wäre da nicht der superböse Dr. Rico Symes, der, schon wieder im Auftrag des Militärs, eine Mischung aus Flugsaurier und Barrakuda gezüchtet hat.

Sharktopus vs. Pteracuda: Kampf der Urzeitgiganten - Computermonster und geköpfte Talkmaster

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Hilfe, schlechte CGIs greifen an!
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Allerdings verliert der dubiose Wissenschaftler schon beim ersten Testflug die Kontrolle über seine Schöpfung und irgendwie spielen auch noch Terroristen eine Rolle und eigentlich ist der Plot eh völlig egal, es dreht sich sowieso nur ums eins: Nämlich Titel und Cover gerecht zu werden und somit wird entweder die Bevölkerung dezimiert oder die beiden Fieberträume eines desillusionierten CGI-Animatoren balgen sich durch die Botanik.

Beliebt ja, nur: wieso?

Die Popularität des Tierhorrorfilms ist wohl eine der rätselhaftesten Merkwürdigkeiten überhaupt. Sicher, es gibt Meisterwerke wie „Der weiße Hai“, aber auf einen guten Film kommen eine gefühlte Millionen schlechte, allerdings zeigt das kaum Auswirkungen. Im Gegenteil, nicht mal von einem immer wieder aufbrandenden Kurzzeittrend (wie zum Beispiel beim ebenso aus den immergleichen Versatzstücken bestehenden Gruselfilm, siehe Kritik zu „Demonic“) lässt sich sprechen, denn die Quelle an neuen Produktionen ist in den letzten Jahren kaum zum Austrocknen gekommen, vor allem der Videomarkt spült in regelmäßigen Abständen immer neue Billigstproduktionen an den Konsumenten-Strand. Die Faszination scheint ungebrochen und von Qualitätsfragen komplett losgelöst zu sein.

Vor allem Haifischfilme erfreuen sich allergrößter Beliebtheit: „Shark in Venice“, „Sand Sharks“, „Roboshark“, „Shark Night“, „Swamp Shark“, „Snow Shark“, „Mega Shark vs. Giant Octopus“, „Mega Shark vs. Crocosaurus“, „Mega Shark vs. Mecha Shark“ und so weiter und so fort. Den „Höhepunkt“ markierte hierbei natürlich die „Sharknado“-Reihe, wobei es bis zum heutigen Tag ein Mysterium bleibt, wieso gerade diese Franchise soviel Aufmerksamkeit bekam, denn zum einen wurde das Genre hiermit mitnichten neu erfunden und allerspätestens ab dem zweiten Teil kam, wie auch schon Kollege Rajko Burchardt in seiner Kritik anmerkte, dann noch eine durchschimmernde Kalkuliertheit dazu, die das ohnehin schon eher fragwürdige Vergnügen noch zusätzlich schmälerte denn: the joke is on us.

Sharktopus vs. Pteracuda: Kampf der Urzeitgiganten - Computermonster und geköpfte Talkmaster

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Fast wie damals auf dem Amiga 500.
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Trotzdem: Man kann noch so oft drauf hinweisen, noch so viele Verrisse schreiben, die Faszination bleibt ungebrochen, für Nachschub ist gesorgt und so steht auch in diesem Fall bereits das Sequel („Sharktopus vs. Whalewolf“) in den Startlöchern und es bleibt einem praktisch nichts anderes übrig, als zu schauen, was dieser Kandidat vielleicht nicht ganz so schlecht macht, wie die Konkurrenz, weshalb sich dieser Film vielleicht etwas mehr lohnt als andere Vertreter seiner Zunft.

Monster, Blut und nuttige Reporterin – was für Liebhaber!Fazit lesen

Hauchdünne Pluspunkte

Und hier lässt sich zumindest attestieren, dass „Sharktopus vs. Pteracuda“ kaum Zeit verschwendet: Der Film setzt seine Eckpfeiler (Sharktopus hat Nachwuchs, Züchtung und das außer Kontrolle Geraten von Pteracuda, Söldnertruppe wird beim Versuch Herr der Lage zu werden bis auf einen, den Helden des Films, dezimiert etc.) bereits innerhalb der ersten zehn Minuten und auch danach halten sich die Laberhänger relativ in Grenzen - in einem Genre, das mangelndes Budget gerne durch eine episch lange Ansammlung von Sinnlosdialogzeilen kompensiert, definitiv ein Vorteil.

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Schnipp-schnapp, Rübe ab.
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Ebenso als ein winzigkleiner Vorteil entpuppt sich, dass Regisseur Kevin O’Neill in erster Linie Co-Betreiber der Effektschmiede Flat Earth Productions (unter anderem Mitarbeit an „Blade“, „Feast“, „Piranha 3D“) ist, was man dem Film auch anmerkt, denn auch wenn die Special FX immer noch meilenweit entfernt von gut sind (ein Zitat auf dem Cover der Blu-ray lügt hier tatsächlich frech „exzellent getrickst“), könnte man hier und da durchaus von einem hauchzarten gaaanz okay sprechen zumal nicht überall der Computer eingesetzt wurde. Apropos Effekte: „Sharktopus Vs Pteracuda“ gibt sich überraschend splattrig, vor allem Köpfe werden mit Vorliebe vom Rumpf getrennt. Besonders der herrlich sinnlose, übertrieben spritzig-geschmacklose Abgang von US-Showmaster Conan O’Brien, mit dessen Rübe anschließend Volleyball gespielt wird, dürfte schwarzhumorigen Zuschauern ein Schmunzeln entlocken.

Zum Schluss noch ein Wort zur Besetzung: Als irrer Wissenschaftler lässt dieses Mal Robert Carradine die Hosen runter, der Hang zum Trash scheint in der Familie zu liegen, vielleicht liegt das an den Genen. Es gibt aber überraschenderweise auch Positives zu berichten: Als Meeresbiologin Lorena Christmas ist die aus Bierwerbespots oder „Living The Models“ bekannte Katie Savoy zu sehen, die hier eine unverdient engagierte, charmante Vorstellung aufs Parkett legt. Die Rolle der großmöpsigen Nachrichtenreporterin wird - im wahrsten Sinne des Wortes - von Akari Endo ausgefüllt, eine dominikanisch-japanische Jungdarstellerin, die eigentlich vom Musical kommt und erst 2013 mit dem Beitrag der Dominikanischen Republik zum Oscar, „Who’s the Boss?“ ihr viel beachtetes Leinwanddebüt gab und jetzt, kurze Zeit, später, nicht nur eine nuttige Nebenrolle in dieser C-Produktion hat, sondern auch gleich noch in der Fortsetzung dabei sein wird. So kann’s gehen.