„Omg Omg OMG“, twitterte Schauspiellegende Mia Farrow während der US-Erstausstrahlung von „Sharknado“ auf dem Syfy Channel. Ja, oh mein Gott! Der Hype um den Horrorkatastrophenfilm und seinem, klar, Tornado aus Haien entbrannte in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer. Sogar altehrwürdige deutsche Qualitätsmedien berichteten über die Scharen von Tweets, die dem Mockbuster-Vergnügen von The Asylum am Premierenabend zum Toptrend verhalfen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich zur Erstausstrahlung von Sharknado. Am 7.11. erscheint er nun auch in Deutschland auf DVD und Blu-ray.

Angriff der Wirbelsturm-Haie

Und Farrow war nicht die einzige Hollywoodprominenz, die den Film fleißig kommentierte. Insbesondere Damon Lindelof („Star Trek Into Darkness“), der aktuell vermutlich meistgefragte Drehbuchautor überhaupt, setzte einen Tweet nach dem anderen auf. Er werde das Sequel schreiben, ließ er verlautbaren, und zwar noch vor Ende des Films. Eine Welle ironischer Ehrdarbietung für eine Produktion, die sich eigentlich gar nicht von zahllosen anderen kostengünstigen TV- und DTV-Monsterspäßen unterscheidet.

Sharknado - Genug gesagt! - OMG WTF!!! So bekloppt, dass es Kult sein MUSS

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Natürliche Auslese: hai gegen Kettensäge. Wer wird wohl gewinnen?
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Titel und Poster waren es, die im Internet schon lange vor Fernsehausstrahlung des Films die Runde machten: „Sharknado“, Angriff der Wirbelsturm-Haie, das ist so doof, das muss einfach Aufmerksamkeit erregen. Zumindest mehr als vergangene Haifisch- und Monsterfilme aus der Asylum-Schmiede, derer es auch nicht gerade wenige gab. „2-Headed Shark Attack“ etwa, „Mega Shark vs. Giant Octopus” oder auch „Mega Shark vs. Crocosaurus“. Was ja ebenfalls nicht die schlechtesten Titel sind.

Normalerweise kostet ein Asylum-Film nicht mehr als 500.000 US-Dollar, aber unter Beteiligung des Senders Syfy darf es gern auch mal eine Million sein. Höhere Produktionskosten sind „Sharknado“ kaum anzusehen, aber gemessen am Studio-Leitfaden – Ripoffs zeitgleich startender Blockbuster sowie Sci-Fi- oder Horrorquatsch, komplett selbst produziert und mit halbwegs bekannten Namen in den Hauptrollen besetzt – haben es sogar vergleichsweise viele C-Stars und D-Effekte in den Film geschafft.

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Die Hauptrolle zum Beispiel spielt Ian Ziering, der als Steve Sanders in nahezu 300 Folgen der Teen-Serie „Beverly Hills, 90210“ zum, na ja, TV-Sternchen reifte. Das ist eine ganze Weile her, und so ein Haus in L.A. will auch mal neu gestrichen werden. Jaason Simmons wiederum, die zweite männliche Hauptrolle, gehörte drei Jahre lang zur festen Rettungsschwimmercrew von „Baywatch“, ehe er durch eine Handvoll Filme dümpelte, die sogar unter dem Niveau von The Asylum einzustufen sind.

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Die vielen Spezialeffekte sind schon ungewöhnlich für einen Asylum-Film.
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Neben beiden brilliert, spielt, agiert… existiert Tara Reid. Die hatte einst in „The Big Lebowski“ einen denkwürdigen Auftritt und mit „American Pie“ dann sogar einen Hit. Seither besuchte sie vorrangig VIP-Partys, stand für Uwe Boll vor der Kamera und hing in der englischen Ausgabe von Celebrity Big Brother mit den Jedward-Zwillingen ab. Mit denen verstand sie sich so gut, dass sie auch die Hauptrolle in einem ihrer Musikvideos spielte. Manche mögen es Karriere nennen.

Avantgardistisches Filmemachen?

Asylum-Filme aber sind auch im schönen „Was macht eigentlich?“-Spiel eine dankbare Quelle. Auf die Frage etwa, was eigentlich John Heard, einst hochrangiger Nebendarsteller und Vater von Macaulay Culkin in den „Kevin“-Filmen, mittlerweile so macht, wird man künftig antworten können: Rätselhafte Nebenrollen in noch rätselhafteren Tornado-Hai-Mockbustern spielen, bei denen er nicht einmal die ersten 30 Minuten überlebt. Und eigentlich kaum wesentlich mehr tut, als lediglich anwesend zu sein.

„Sharknado“ selbst bewegt sich deshalb ganz auf Augenhöhe mit seinen Stars: Irgendeine Form von Handwerklichkeit gibt es hier natürlich nirgends, und der konsequente Mangel an Drehbuch- oder Regieeinfällen ist selbstverständlich auch nicht mit dem (gar nicht mal so) geringen Budget zu rechtfertigen. Das macht freilich alles nichts, aber um mit diesem Haifisch-Schlock seinen Spaß zu haben, muss jedes ästhetische Empfinden schon stark gedrosselt werden.

Die Tagline ist ausnahmsweise mal Programm: Sharknado – Enough said!Fazit lesen

Am auffälligsten nimmt sich in diesem Zusammenhang der eigenwillige Schnitt aus. Da werden Bilder montiert, die augenscheinlich in keinem Verhältnis zueinander stehen, und Dialoge zwischen Menschen konstruiert, die sich vermutlich nicht einmal am Set gesehen haben. Räumlichkeit oder ein Überblick, wo sich etwas wie genau abspielt, werden konsequent negiert. Einen Höhepunkt bilden sämtliche Autofahrtszenen, deren Verworrenheit vermutlich schon avantgardistisches Filmemachen ist.

Über jedes Bild ist ein gräulicher Digitalschleier gelegt, der die bei sonnigstem Wetter gedrehten Außenaufnahmen entsprechend stürmisch und turbulent erscheinen lassen soll. Ein Tornado aus CGI-Wasser, CGI-Nebel, CGI-Dampf, CGI–Blut und CGI-Explosionen besorgt den Rest. Selbst auf dem heimeligen Bildschirm, für den so ein Film konzipiert und entsprechend mickriger berechnet wurde, sieht das alles erstaunlich matschig und unansehnlich aus. Großzügig eingestreutes Archiv-Material inklusive.

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Wo ein Hai ist, kann das Blut nicht weit sein.
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Dazwischen fliegen dann illustre, selbstredend niedlich animierte Haie ins Bild: Sie schwimmen zu Hunderten durch die gefluteten Straßen von Los Angeles, kommen gar aus Gullys geschossen und knabbern sich munter an Autodächern fest. Und wirbeln im letzten Drittel, wie versprochen, in Form eines Tornados (der übrigens kein Tornado, sondern ein Hurrikan ist) durch die Lüfte. Wer „Sharknado“ will, soll „Sharknado“ bekommen. Das finale Kettensägengerassel gibt’s noch gratis dazu, der Rest kommt in der bereits angekündigten Fortsetzung.