„Sharknado 3“, bitte nicht auch noch das. So zumindest verkündet es der englische Untertitel des dritten Haitornado-Spektakels („Oh Hell No!“), mit dem die beknackteste Filmserie der jüngeren Fernsehgeschichte noch eins draufsetzen möchte: Mehr fliegende Fische, mehr prominente Cameo-Auftritte, mehr Ironie und Selbstvertrashung. Immerhin beantwortet der Film dabei die von seinen Vorgängern aufgeworfene Frage, wie viel demonstrative Sinnlosigkeiten es braucht, um schließlich auch das Sehen selbst zu einer sinnlosen Angelegenheit zu machen.

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Schrottbuster-Starvehikel

Bereits der Anfang stellt klar, dass diesmal alles noch ein bisschen egaler ist als ohnehin schon. Eine das neuerliche Unglück vorbereitende Exposition jedenfalls schenkt sich „Sharknado 3“: Innerhalb der ersten Viertelstunde zerlegen gezahnte Wirbelwinde das Washington Monument und schließlich auch das gesamte White House, kämpfen Fin Shepard (immer noch bzw. jetzt erst recht: Ian Ziering) und der US-Präsident gegen sich mittlerweile offenbar ziemlich selbstständig durch die Lüfte bewegende Haie – und wird der Held in einen Ehrenbund aufgenommen, der sich „Orden der goldenen Kettensäge“ nennt.

Sharknado 3: Oh Hell No! - Haie im Weltall, genug gesagt...

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Ex-90210-Schönling Ian Ziering ist natürlich längst der Star der Sharknado-Filme – und muss hier erneut aufs Ganze gehen.
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Zur Ruhe kommt der Film auch im Anschluss an dieses Opening nicht. Fins hochschwangere Ehefrau April (Tara Reid) und deren Mutter (sehr adäquat mit Bo Derek besetzt) müssen sich selbst in kilometerweiter Entfernung vom Meer diverser Haiangriffe erwehren, als ein Tornado über das Universal Orlando Resort hinwegfegt. Und weil dadurch auch selbst aufgestellte Regeln der Filme nichts mehr taugen, ist im Themenpark die Hölle los: Haie rutschen auf Achterbahnschienen entlang, Gaststars wie Oliver Kalkofe und Peter Rütten oder die irischen ESC-Zwillinge Jedward bangen um ihr Leben.

Weitere Neben- oder Minirollen spielen Frankie Muniz, Michael Winslow und Lorenzo Lamas (!), Cameo-Auftritte absolvieren Jerry Springer, George R.R. Martin und Lou Ferrigno – sowie Heerscharen vorwiegend aus US-Politik und Fernsehen bekannter Promis, die offensichtlich (und wenigstens) alle recht viel Spaß haben. Steve Guttenberg, der demnach zweite ehemalige „Police Academy“-Star in der Besetzung, schaut ebenfalls kurz vorbei, um sein ganz persönliches Schrottbuster-Starvehikel zu bewerben – den Spinneninvasionsfilm „Lavalantula“, der auf Syfy gleich im Anschluss an die TV-Premiere von „Sharknado 3“ lief.

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Looking for Freedom: David Hasselhoff als NASA-Astronaut, der seine letzten Tage lieber auf dem Mond verbringt.
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Aus der doppelten Attraktion seiner nicht mehr nur vermeintlich gefährlichen Fahrgeschäfte („Twister“, „Jaws“ und alles, was der Universalpark hergibt) bastelt „Sharknado 3“ einige absehbare Gags. Später purzelt auch noch David Hasselhoff („Piranha 2“, „Promi Big Brother“) ins Geschehen, der seinen Filmsohn Fin auf Weltraummission begleitet. Dort freilich ist man vor Haien ebenfalls nicht sicher, kämpft mit Laserkettensägen gegen sie und rettet nebenbei auch noch die Erde. Über das Schicksal von Tara Reid dürfen „Sharknado“-Fans dabei auf twitter abstimmen – ein vierter Teil also ist bereits ausgemachte Sache.

Unsäglich aus vollster Überzeugung

Klingt alles sehr vergnüglich, hat auf jeden Fall ausreichend blödsinnige (demnach wohl: gelungene) Einfälle. Und so eigenwillig die Komik des Films theoretisch auch ist, so verständlich und massenkompatibel haben sie die Produzenten für jedermann aufbereitet. Schließlich kennt „Sharknado 3“ ebenso wie seine Vorläufer nur eine einzige erzählerische und ästhetische Ebene – die des großen Witzes über sich selbst, bei dem Zuschauern alles so lange mit CG-Haifischflossen ins Gesicht geklatscht wird, bis man schon aus purer Verzweiflung darüber zu lachen beginnt.

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Haie im Weltall, hätten wir das also auch abgehakt.
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Natürlich bleibt man außen vor, wenn die vor allem von sich selbst amüsierten Kalauer einen in „Sharknado 3“ eher auf den Geist statt aufs Zwerchfell gehen. Die Frage aber ist, ob man den ironisch durchtränkten Bildern des Films wirklich noch folgen möchte, wenn sie außer Ironie rein gar nichts zu bieten haben. Oder anders: Wenn diese Bilder sich in jedem Moment immer nur wieder so ausgestellt selbst feiern, dass eine Trash-Rezeption – ein Aufspüren charmanter Unzulänglichkeiten und deren Hinweisen aufs entzückende Scheitern also – geradezu unmöglich wird.

Diesen Widerspruch bekommt auch der dritte „Sharknado“, bekommen eigentlich alle zu bewusstem Trash heran gezüchteten Produktion von The Asylum und dem SyFy-Channel nicht aufgelöst. Ganz im Gegenteil sogar: Wer unter Trash-Filmen etwas anderes versteht als einen bloßen Mechanismus absichtlich schlecht gemachter (und nicht versehentlich missglückter) Unterhaltung, der muss dieses simulierte statt tatsächliche Unvermögen zwangsläufig schwer erträglich finden. Oder welchen Sinn könnte ein Kino (bzw. Fernsehen), das aus vollster Überzeugung unsäglich ist, sonst haben?

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DVD-Start von "Sharknado 3" ist am 22. August
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Mit der Ironie ist es eben auch so eine Sache. Es gibt feinen Unernst. Und es gibt die unbedingte Verweigerung von Bedeutung jeder Art. Beides kann seinen Reiz haben, beides trifft auf „Sharknado 3“ nicht zu. Seine (Selbst-)Ironie hat etwas unangenehm Verkrampftes: Alles an ihm ist ironisiert und darin zugleich ironisch verseucht. Stolz trägt er einen angeblichen Trash-Humor vor sich her, in dem keine Mühe und erst recht keine Liebe stecken, sondern einfach nur viel Kalkül. Und je mehr die „Sharknado“-Filme zu Selbstläufern werden, desto unsympathischer kann man sie finden.