Man kann sicherlich nicht behaupten, „Sharknado 2“ würde einem vorenthalten, was man vielleicht – unter Umständen – von ihm erwartet. Es ist eben der zweite Film zu einer Idee, die kaum für einen ersten reichte, und der eigentliche Witz besteht darin, dass es ihn überhaupt gibt. Man muss ihn sogar nicht einmal schauen, um ihn zu sehen. Und das ist im Prinzip auch schon das ganze Erfolgsrezept des Schrottbuster-Studios Asylum.

Sharknado 2 - Official Trailer #2Ein weiteres Video

Anti-Qualitätskino

Müßig also, über „Sharknado 2“ nun einen Fortsetzungsdiskurs führen zu wollen. „It’s happening again“, heißt es dann auch schon beinahe verschämt in der sechsten Minute, als ob es das eigene Wiederholungsprinzip erst noch anzukündigen (und dabei auch zu verteidigen) gilt. Nach einer ziemlich wüsten Exposition – Sharks on a Plane – folgt ein Titelsong im Stil der Ramones, und schnell ist klar: an Bescheidenheit mangelt es diesem zweiten Teil nicht.

Sharknado 2 - Kalkulierter Trash?

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Sieht im Film natürlich nicht annähernd so awesome aus: Computer-Hai trifft Kettensäge, womit dann auch tatsächlich schon „genug gesagt“ wäre.
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Hinzugefügt sei natürlich auch, dass es einen neuen Handlungsort gibt (New York statt Los Angeles), neue Nebenfiguren (zum Beispiel eine heruntergewirtschaftete Vivica A. Fox) und alles eben im Zeichen einer neuen Bestätigung des gewinnbringend Bestehenden steht. Mit einem Tornado voller Haie sowieso (nicht voller neuer Haie, aber voller Haie zum Quadrat) und einem 90210-Sternchen, das diese Haie erneut mit der Kettensäge malträtiert.

Scheinmodifikationen des Sequels natürlich, ein bisschen mehr von allem, was ausreichend Leute zu sehen hoffen. Wobei man fragen darf, ob eigentlich tatsächlich jemand Ian Ziering oder Tara Reid sehen möchte, außer vielleicht diejenigen, die wissen, um wen es sich da überhaupt handelt (dazu bräuchte es mindestens ein außerordentliches Fernseh- und Kinolangzeitgedächtnis oder vielleicht eine Vorliebe für die irischen Turmfrisurzwillinge von Jedward).

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Looki-looki 1: Mit Sharknados müsste sich L.A.-Retter Fin Shepard (Ian Ziering) eigentlich auskennen, aber er schaut dennoch merklich verwundert drein.
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Und an den Haien selbst kann es ja irgendwie auch nicht liegen: Die kommen, wie Feuer oder Wasser, wie Nebel oder Regen, natürlich auch wie Stadthintergründe oder –Wahrzeichen, allesamt unscharf gerendert aus dem Computer (und erinnern ein wenig an C64-Spiele von anno dazumal). Schon klar, das darf und soll und muss so sein, nicht zuletzt, weil die unterbeanspruchten Mockbuster von Asylum ja auch als Kommentar zu überproduziertem Hollywood-Schlonz lesbar werden.

Zumindest war das etwas, das man dem ersten Film, „Sharknado – Genug gesagt!“, noch einigermaßen anrechnen durfte. Diese schön augestellte Attitüde des Anti-Qualitätsblockbusters, dieses widerborstige Ringen um einen Hype, der – bedingt auch durch die geringen Mittel – aus sich selbst entstanden ist, mit Hilfe eines (auf twitter zum Teil sehr prominenten, sich am Sh… arkstorm beteiligenden) Publikums natürlich.

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Looki-looki 2: Ein ehemaliges 90210-Sternchen und Vivica A. Fox mit Spanngurt.
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Kalkulierter Trash

Ja, es war demnach der kommerzielle Durchbruch für Asylum und TV-Produktionspartner Syfy, der erste wirkliche Hit eines schon immer rentablen, aber doch in der Unsichtbarkeit von Filmnerds operierenden Produktionssystems. Mit einem selbsterklärenden Titel und entsprechendem Poster zum Erfolg, ganz auf Vermittlungslinie klassischer Exploitation: den Film als Packung ohne Inhalt zu verkaufen, weil das eben tatsächlich schon genügt.

Dass sich die Produzenten von „Sharknado 2“ auch beim zweiten Mal – der veritable Titelzusatz lautet „The Second One“– einigermaßen darum bemühen, diesen Inhalt amüsant nachzureichen, kann kaum ehrenwert genannt werden: Debile Gastauftritte von Prominententochter Kelly Osbourne oder Blogger-Nervensäge Perez Hilton, ungleich schmerzhaftere Cameos von Robert Hays oder Judd Hirsch (freilich mit Verweis auf deren Erfolgsrollen) – und rundherum halt viel preiswerter Haitornadoquatsch.

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Haie in der New Yorker U-Bahn. Regieanweisung: Stell dir mal vor, da wäre Wasser.
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Nichtsdestotrotz büßt die Fortsetzung gegenüber ihrem seinerseits schon leicht strapaziösen Vorgänger nun dennoch einiges an Sympathie ein (Restsympathien, so gesehen): Auf gar nicht mal leisen Sohlen hat sich der „Sharknado“-Franchise längst zu einem König postmoderner B-Filme geschlichen und den Mockbuster-Charme des zu beschränkten Bedingungen ausgehandelten Alternativspektakels verwirkt.

Sharkbuster nach Vorbild des Vorgängers, aber deutlich unsympathischer. Und mit Trash hat das übrigens nicht das Geringste zu tun.Fazit lesen

In der eigenen Kalkuliertheit, der scheinbar unbedingt vom Mock- zum Blockbuster reifen wollenden Offensive vermeintlichen Unvermögens, kann „Sharknado 2“ nicht einmal unter dem ohnehin falsch verstandenen Trash-Label firmieren. Denn Trash ist sich seiner selbst nicht dergestalt bewusst, das die Absichten des imitierten (oder intendierten) Nicht-Könnens schon auf eine entsprechende Rezeption abzielen.

Oder anders: dem Irrtum des Möchtegern-Trashs auf den Leim zu gehen heißt auch, sich der kontrollierten Schlechtheit eines „Sharknado 2“ auf denkbar langweiligste Art zu ergeben. Wenn Trash unabsichtlich grandioses (und damit eben tatsächlich auch: bestechend-schönes) Scheitern bedeutet, dann ist das vorprogrammierte Wirkungsdiktat von Asylum und Syfy in so ziemlich allen Belangen dessen uninteressantes Gegenteil.