Kreative Titelfindung ist von jeher eine der ganz großen Fähigkeiten deutscher Verleiher. Es gibt keinen Film, den man mit einem knackigen Titel und einem coolen Cover nicht aufwerten könnte. Kundentäuschung? Wen interessiert das schon, solange das Teil ausgeliehen oder gleich gekauft wird. Und was soll man schließlich mit einem halbgaren mexikanischen Filmchen anfangen, das einen Hauch von Erotik besitzt, in erster Linie aber gepflegt langweilt?

Shades Of Decadencia - Mit dem Flair der Bacardi-Werbung

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Ein Film, den man absolut nicht gesehen haben muss.
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Man versucht, das Teil im Fahrwasser von „Fifty Shades of Grey“ zu positionieren. Und so wird aus „Decadencia“ eben flugs „Shades of Decadencia“, inklusive eines Covers, das schön verrucht aussieht. Der Film selbst? Verrucht ist hier allenfalls, wie extrem langweilig das Teil ist!

Die große Liebe?

Anabel ist eine junge, attraktive Frau, die ein ganz normales Leben lebt – bis sie Oskar kennen lernt. Der hätte sie beinahe überfahren und sucht sie dann in ihrem Job auf, um sich zu entschuldigen und sie sogleich um ein Date zu bitten. Anabel lässt sich darauf ein, weil sie von dem reichen Oskar fasziniert ist.

Packshot zu Shades Of DecadenciaShades Of Decadencia

Bei sich zuhause kocht er für sie. Beide kommen einander näher. Sie mögen sich, sind voneinander fasziniert, und schon bald schlafen sie miteinander.

Die Wochen ziehen ins Land. Beide verfallen einander immer mehr. Oskar ist dabei der aktive Part. Er verführt Anabel immer mehr. Einerseits dazu, ihre geheimen, sexuellen Träume umzusetzen, andererseits zu einer willigen Teilhaberin seiner sexuellen Spielchen zu werden.

Mit Fifty Shades of Grey hat das nichts zu tun.Fazit lesen

Doch je länger diese Beziehung läuft, desto zerstörerischer wird sie, da Oskars innere Leere sich immer mehr auf Anabel auswirkt und sie sich auf Spielchen einlässt, die zusehends gefährlicher werden.

9 ½ Wochen

Wenn man es genau betrachtet, dann hat Joaquin Rodriguez sich nicht an „Fifty Shades of Grey“ orientiert, sondern vielmehr ein modernes, aber seltsam biederes Remake von „9 ½ Wochen“ erschaffen. Die im Grunde nicht vorhandene Geschichte ist klar von diesem Film inspiriert, wird aber in einem solch extremen Schneckentempo erzählt, dass man die Augen kaum offenhalten kann.

Shades Of Decadencia - Mit dem Flair der Bacardi-Werbung

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So viel Schweinkram gibt´s gar nicht zu sehen ...
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Selbst der erotische Aspekt reißt hier nichts heraus, denn bis dieser mal zum Tragen kommt – nach gut einer dreiviertel Stunde – hat man längst alles Interesse verloren und, so man Glück hat, die Flucht ins Reich der Träume angetreten.

Ist man wach geblieben, bleibt nichts anderes übrig, als diesem Trauerspiel zu folgen, das häufig eher so anmutet, als hätte Rodriguez Urlaubsvideos oder Werbeclips mit Bacardi-Flair inszenieren wollen.

War das die Intention, dann kann man ihn zumindest dazu beglückwünschen, schöne Bilder eingefangen zu haben. „Shades of Decadencia“ bleibt jedoch seelenlos und in der Charakterisierung seiner Figuren auch ausgesprochen wirr. So zeigt der Film immer wieder, wie Oskar seiner Freundin beim erotischen Treiben zusieht, aber dabei von Erinnerungen an seine im Liebesspiel inbegriffene Mutter heimgesucht wird.