Sie kommen mit absoluter Regelmäßigkeit: Filme, die schon im ersten Trailer klar machen, dass sie nur eine Sache zu bieten haben. Kein gutes Drehbuch. Keine überzeugenden Darsteller. Keine eigenen Ideen und ganz sicher kein Eintrag in die Filmgeschichte. Nein. Diese Filme sind visuell bombastisch. Das ist nicht nur ihr größtes, sondern vor allem ihr einziges Pro auf der entsprechenden Seite...

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Da kommt was, das kenn' ich schon

Ein solcher Film kommt jetzt wieder in die Kinos: „Seventh Son“. Die Geschichte ist so bekannt, wie jede einzelne Szene im Film selbst: ein gealteter Meister im Kampf gegen das Böse braucht dringend einen neuen Schüler, um seine Arbeit fortsetzen und seine Feinde besiegen zu können. In dem Fall sind das männliche wie weibliche Hexen, die sich in Tiere verwandeln können und fiese Dinge tun, weil sie halt einfach böse sind.

Seventh Son - Drachen, Hexen und Jeff Bridges

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Hexe Malkin (Julianne Moore) will die Welt vernichten. Warum auch nicht?!
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Den alten Meister gibt hier Jeff Bridges, der es bestens versteht, knurrig dreinzublicken und genervt vor sich hin zu nuscheln. Und als Schüler hüpft Ben Barnes über die Leinwand; der leider die meiste Zeit so wirkt, als ob er gleich in Tränen ausbrechen würde. Vielleicht tut er das ja auch. Vielleicht hat er – im Gegensatz zu allen anderen – das Drehbuch gelesen. Da kann einem schon mal das Pipi über die Nase tröpfeln...

Dann brauchen wir natürlich noch die Gegenspielerin, die eine gemeinsame Vergangenheit mit dem knurrigen Meister hat: Julianne Moore als Hexe Malkin; check. Und eine gute und vor allem viel jüngere Hexe, die sich in den tapferen Schüler verliebt: Alicia Vikander als Alice; check.

CGI-Monster und Mäh

Was die Geschichte des Films selbst betrifft, braucht ihr euch keine Hoffnungen zu machen. Das Drehbuch ist nämlich mit dem weltbekannten „Drehbuch-Erzeuger 2000“ generiert worden und beinhaltet dementsprechend alles, was ihr bereits gesehen habt. Jede Wendung, jeder Storyschnippsel und jede – nennen wir es mal scherzhafter weise so – charakterliche Entwicklung ist so ausgelutscht, dass es ausreichen würde, nur ein mal im Jahr einen Fantasy-Streifen zu gucken und man wüsste trotzdem was hier passiert.

Seventh Son - Drachen, Hexen und Jeff Bridges

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Der Film kommt am 05.03.2015 in die deutschen Kinos.
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„Seventh Son“ ist also „Hirn aus“-Kino in seiner reinsten Form. Ein bisschen Geld in die Entwicklung, ein bisschen mehr, was am Ende wieder rein kommt und alle sind glücklich.

Generell wirkt der Film so, als hätte man „Ideen“ für einige Schlüsselszenen gehabt und die Lücken zwischen diesen Ereignissen wurden mit 08/15-Bauteilen aus Hollywood gestopft. Da ist nichts Neues dabei und wer wirklich denkt, dies wäre vielleicht der Auftakt für eine neue Reihe an Fantasy-Filmen, wird bitter enttäuscht werden. Wer danach wirklich noch mehr aus dieser Welt sehen möchte, muss quasi nur „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ anschauen.

Auf der anderen Seite: wie oft kommt schon ein Fantasy-Film in die Kinos, der richtig gute Effekte zu bieten hat und einfach nur gewaltig wirkt? Eher selten. Daher kann man dem Film wenigstens noch abgewinnen, dass er genau das bietet, was die meisten Kinogänger, die sich bewusst für dieses Genre entschieden haben, sehen wollen.

Visuell beeindruckend versus 08/15-Fantasy-GedönsFazit lesen

Schön inszenierte Monster, tolle Landschaftsaufnahmen und jede Menge Zauber die einem links und rechts um die Ohren sausen. Das sieht schön aus und macht Spaß. Doch Vorsicht: das Hirn während der Vorstellung nicht versehentlich wieder einschalten. Es könnten Tropfen der Story in eure Gehirnwindungen gelangen und zum Nachdenken anregen, was ein tödlicher Fehler für den Filmgenuss wäre...

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Der siebte Sohn eines siebten Sohnes: Schüler Tom Ward (Ben Barnes).
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Leistung? Leistung!

Die schauspielerische Leistung der Darsteller passt gut zu dem Drehbuch. Alle fahren in einem sehr seichten Gewässer und trauen sich zu keiner Sekunde, auch mal etwas Tiefe und echte Gefühle zu zeigen. Jeff Bridges entscheidet sich fast den ganzen Film hindurch für einen Gesichtsausdruck, Ben Barnes zieht die Hundeblick-Nummer ein bisschen zu oft ab und alle anderen versuchen es teilweise gar nicht erst.

Einzige Ausnahme bildet hier Julianne Morre, die die böse Oberhexe zum Besten gibt und tatsächlich so etwas wie verschiedene Gefühlswelten über ihr Gesicht huschen lässt.

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Das alles macht „Seventh Son“ gewiss zu alles anderem, als einem guten Film. Aber er entscheidet sich bewusst, genau das zu sein. Wer braucht ein gutes Drehbuch, gute Darsteller oder auch nur den Hauch einer eigenen Idee, wenn er bombastische Kämpfe, Monster und magischen Humbug zu bieten hat? Richtig. Niemand. Popcorn schnappen, Hirn auf lautlos stellen und einfach genießen. Das funktioniert ziemlich gut.