Die beste Science Fiction ist die, die Fragen stellt, nicht nur in Hinblick darauf, was möglich ist und wie sich die Welt entwickeln könnte, sondern welche moralischen Kompromisse dafür überhaupt vonnöten sind. Das Brüderpaar David und Alex Pastor hat sich mit seinem Drehbuch zu „Self/Less – Der Fremde in mir“ Gedanken darüber gemacht, was man für mehr Zeit auf dieser Erde zu tun bereit wäre.

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Damian Hale (Ben Kingsley) ist 68 Jahre alt, extrem reich und geachtet. Er hat die größten und schönsten Gebäude New Yorks gebaut und sich damit ein Vermächtnis erschaffen. Sein Werk hat ihn unsterblich gemacht, aber so fühlt er sich nicht. Denn er ist totkrank und hat nur noch wenige Monate zu leben.

Self/Less - Der Fremde in mir - Sci-Fi at its best: Ben Kingsley wird Ryan Reynolds

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Der Film erscheint am 20.08.2015 in den deutschen Kinos.
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Dann wird er auf eine Firma aufmerksam, die im Geheimen agiert. Was man ihm anbietet: mehr Leben. Das Ziel, so Dr. Albright (Matthew Goode), ist es, brillanten Köpfen mehr Zeit zu geben. Was hätte ein Steve Jobs oder ein Einstein noch erreichen können, wenn sie 50 Jahre mehr gehabt hätten. Und was könnte ein Damian Hale erreichen?

Hale lässt sich darauf ein. Sein Bewusstsein wird in einen neuen Körper transferiert, der – wie man ihm sagt – im Labor gezüchtet worden ist. Der Vorgang läuft gut und Damian genießt sein neues Leben, aber er muss täglich ein Medikament nehmen. Als er es einmal vergisst, nimmt er Verzerrungen in der Realität wahr. Ein Nebeneffekt des Prozesses, so erklärt es ihm Albright, da die neuronalen Gehirnmuster nie für ihn ausgelegt waren. Es ist wie bei einer Organtransplantation: Die Medikamente verhindern eine Abstoßung. Doch dann tauchen Erinnerungen auf und Damian erkennt, dass sein neuer Körper einen Vorbesitzer hatte…

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Möchte den Tod austricksen: Damian Hale (Ben Kingsley).
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Ein anderer Tarsem

Das Skript sprach Tarsem Singh an, der sich bislang mit ausgesprochen phantastischen Filmen hervortat, die eine überbordende Visualität mit sich brachten. Von der wollte er hier weg, ihn interessierte es, einen „bodenständigeren“ Film abzuliefern. Das ist ihm auch gelungen, ohne dabei seine eigene Handschrift zu verlieren.

Herausgekommen ist ein Thriller, der aber weniger durch die Actionszenen als vielmehr mit seinem Konzept überzeugt. Denn er stellt auch dem Zuschauer die moralische Frage: Würdest du ein Leben auslöschen, um selbst weiterleben zu können? Nichts anderes ist dieser Bewusstseinstransfer.

„Self/Less – Der Fremde in mir“ untersucht dabei nicht nur die moralischen Auswirkungen auf einen Menschen, sondern stellt auch die immer rasanter voranschreitende Technologie in Frage. Darf man tun, was man tun kann – oder muss es nicht vielmehr ethische Grenzen geben, die niemals überwunden werden dürfen?

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Ryan Reynolds spielt einen Mann mit zwei Persönlichkeiten.
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Dabei gerät das alles nicht zum trockenen Diskurs, sondern gestaltet sich als spannender Thriller, der aber eben durch diese Konzepte und die damit einhergehenden Fragen aufgewertet wird.

Die Raupe und der Schmetterling

Zwei Menschen teilen sich eine Rolle: Ben Kingsley und Ryan Reynolds. Optisch differieren sie, so soll das aber auch sein. Was die Manierismen der Hauptfigur betrifft – die wurden gemeinsam erarbeitet. Man hat das Gefühl, dieselbe Figur vor sich zu sehen, auch wenn sich deren Optik verändert hat.

Reynolds und Kingsley treffen sich nie, der eine ist aber so wichtig, wie der andere. Weil Kingsley in seinen wenigen Minuten am Anfang seine Figur exakt ausarbeitet. Man lernt Damian Hale kennen und mag ihn. Später, als Reynolds die Figur spielt, hat man dennoch das Gefühl, einen anderen Schauspieler zu sehen. Wie exzellent das funktioniert, zeigt sich in der Schlussszene.

Interessanter SF-Thriller, der en passant die Frage nach der Moral stellt.Fazit lesen

Als Schurkenfigur agiert Matthew Goode, dessen Albright durchaus auch ein Hauch von Tragik umweht. Denn er mag als ein Mensch begonnen haben, der diesen Prozess entwickelte, um die brillanten Geister der Menschheit zu retten, doch auf dem Weg zum Ziel waren zu viele Kompromisse vonnöten. Er hat damit seine eigene Menschlichkeit verloren, was Goode sehr gut herausarbeitet.