Erfolgsautorin Stephanie Meyer ist zurück. Nach ihrer Bestseller-Reihe um die blutleere Dreiecksbeziehung zwischen Mensch, Vampir und Pädowolf, die die Nationen spaltete (Team Edward oder Team Jakob??), kommt nun auch „Seelen“ in die Kinos. Dabei bestätigt die Autorin, was wir schon lange ahnten: Sie ist ein Alien!

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Wir befinden uns in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Sogenannte „Seelen“ bevölkern die Erde, indem sie sich der Körper der Menschen bemächtigen. Und wie in jedem Sci-Fi-Abenteuer gibt es eine Gruppe von Widerstandskämpfern, die sich gegen die feindliche Übernahme wehren.

Eine von ihnen ist die junge Melanie Stryder (Saoirse Ronan), die auf der Flucht mit ihrem Bruder Jamie (Chandler Canterbury) und ihrem Onkel Jeb (William Hurt) alles daran setzt, die Seelen von ihren Körpern fernzuhalten.

Team Melanie oder Team Wanda?

Klingt spannend, ist es aber nicht. Denn Melanie wird direkt in der ersten Szene geschnappt und mit einer Seele versehen. Und damit beginnt die 125-minütige Therapiestunde… Melanies eigene Seele kämpft gegen den Eindringling namens Wanda an. Der Zuschauer darf sich hier auf einige schizophrene Gespräche und Machtkämpfe freuen - die leider auch wieder weniger spektakulär als langweilig und verstörend anmuten.

Das liegt unter anderem an Saoirse Ronan, die in die Fußstapfen von Kristen Stewart tritt: Ein nettes Mädchen, das vielleicht nicht ganz so depressiv dreinschaut wie Bella in Twilight und zudem in der Lage ist, ihren Mund zu schließen, aber auch die gefühlte Langeweile im Blick und in den Knochen trägt.

Seelen - Oops, she did it again - was für ein Bockmist

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Wüste. Viel mehr gibt es nicht.
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Von ihr kann man leider keine schauspielerischen Höchstleistungen erwarten, denn sie ist einfach nicht charismatisch und talentiert genug, um eine solch große Doppelrolle durch den gesamten Film zu tragen. Melanie ödet sich durch die Szenerie, als hätte man ihr nicht eine Seele hinzugefügt, sondern beide ausgepumpt und sie daraufhin als leere Hülse in der Wüste zurückgelassen.

Letzteres ist leider kein blöder Spruch, denn der Film spielt größtenteils wirklich in einer Wüste, genauer gesagt in einem tristen Berg, der sich als Hauptquartier der Widerstandskämpfer angeboten hat. Anstatt futuristischer und hochglanzpolierter Städte darf man also die Einöde von sandfarbenen Wänden, sandfarbenen Decken und sandfarbenen Fußböden genießen, umgeben von einer riesigen sandfarbenen Wüstenei, in der weit und breit Spannung, Spaß und Action fehlen. Dieses Gefühl dehnt sich sogar so weit aus, dass man meint, rollende Steppenläufer durch den Kinosaal huschen zu sehen.

Das ist natürlich nur der Anfang des ganzen Übels. Eine entscheidende Zutat fehlt bei einem Stoff von Stephanie Meyer ja noch. Die Liebesgeschichte. Genauer gesagt: Die Dreiecksbeziehung. Auch in „Seelen“ wird Polygamie wieder großgeschrieben und als mehr oder minder akzeptabel dargestellt bzw. durch die „Beseelung“ der Protagonistin verteidigt.

Packshot zu SeelenSeelen

Hier sollte Stephanie Meyer vielleicht einfach mal ihre Religion aus dem Spiel lassen. Wenn sie privat Mormonin ist: schön und gut. Dass das Mormonentum dadurch auch einen großen Einfluss auf ihr Leben und ihr Schreiben ausübt: verständlich.

Stephanie Meyer bleibt sich treu: blutleerer und seelenloser Romantik-Kitsch, der Twilight in puncto Langeweile weit übertrifft.Fazit lesen

Aber man muss es ja nicht noch in Kinofilme übertragen. Wer bei Filmen mit Tom Cruise und (derzeit auch) Will Smith über die Parallelen zu Scientology diskutiert, sollte auch mal über Stephanie Meyer und ihr Mormonentum nachdenken.

Kämpfe. Liebe. Langeweile.

Der Untertitel „Glaube. Kämpfe. Liebe.“ verrät natürlich schon, um was für einen Kitsch es sich bei „Seelen“ handelt. Bevor Melanie geschnappt wurde, führte sie nämlich eine glückliche Liebesbeziehung mit dem Rebellen Jared (Max Irons), der von der „Beseelung“ seiner Freundin alles andere als begeistert ist und sie am liebsten auf der Stelle umbringen würde. Aber einer hält zu Melanie – und Wanda: Ian (Jake Abel). Der wollte Wanda anfangs zwar auch umbringen, aber dann sah er dieses Glänzen in ihren Augen und… hach… was soll man schon gegen die Liebe tun?

Dadurch ergibt sich eine gewaltige Zwickmühle für den armen Körper von Melanie: Melanie liebt Jared, Wanda liebt Ian – und wenn Wanda Ian küsst, ist Melanie damit nicht einverstanden – gleiches gilt für Wanda, wenn Melanie Jared küsst. Das ist aber auch eine fiese Situation, die sich die gewiefte Frau Meyer da ausgedacht hat! Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, heftet sich auch noch eine radikale Sucherin (Diane Kruger) an Wandas Fersen, um die Rebellen aufzuspüren.

Doch auch die Sucherin bringt einfach nicht die erhoffte Action und Spannung rein. So ödet sich der Film von Szene zu Szene. Irgendwie passiert etwas, aber eigentlich passiert die ganze Zeit über gar nichts. Probleme tauchen auf und werden prompt – viel zu einfach – gelöst. So müssen Melanie und Wanda… bzw. Welanie… beispielsweise in ein Krankenhaus, das von Seelen geleitet wird, um dort hochentwickelte Medizin zu stehlen. Welanie geht rein, lenkt eine Krankenschwester ab und schwupp – sie hat die Medizin, ohne Spannung, ohne Konsequenzen, ohne Action.

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Auch existiert zwischen Wanda und Melanie kein wirklicher Konflikt, denn Wanda beginnt schon nach zehn Minuten, Melanie zu helfen und für Melanie ihren geliebten Jared zu suchen. Irgendwann tritt natürlich die Schizoliebe auf, aber auch hier findet kein richtiger Kampf statt, denn Melanie verschwindet einfach in den Tiefen ihres Körpers – und oooh, Schneewittchen und Dornröschen lassen grüßen: Der holde Prinz Jared muss sie ins Leben zurückküssen. Wie romantisch und absolut nicht klischeehaft.

Dieser Kitsch steigert sich jedoch ins Unermessliche, wenn gegen Ende großspurige und epische Liebesbekundungen ausgetauscht werden: „Ich liebe dich!“ – „Ich liebe dich auch!“ – „Ich kann nicht ohne dich leben!“ – „Das Universum wird ohne dich ein dunklerer Ort sein!“ Spätestens da gibt es nur noch zwei Möglichkeiten für Zuschauer, die nicht dem Twilight-Wahn verfallen sind: Übergeben oder Harakiri.